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Artikel, die mit ‘USA’ beschlagwortet sind.
04. Dez 2008

Der Mann, der aus der Folter kam

Der Bremer Murat Kurnaz saß fünf Jahre in Guantánamo. Nun kommt er nach Wien und bittet Österreich um eine ungewöhnliche Geste
Murat%20Kurnaz%20Bremen.pngMurat Kurnaz sitzt in einer Bremer Pizzeria und erzählt einen Witz. Was, fragt er, unterscheidet einen Guantánamo-Häftling von einem Iguana? „Das Reptil darf nicht gequält werden. Es steht unter dem Schutz internationaler Gesetze.“
Kurnaz lacht. Er steckt sich ein Tortellini in den Mund und fragt: „Kennen Sie Apfelbeißen?“ Als Schulkind in Bremen hatte er das Spiel geliebt. In einem Kübel schwamm der Apfel, und die Kleinen mussten ein Stück davon abbeißen, ohne dabei die Hände zu verwenden. „Auch die Amerikaner“, sagt Kurnaz, „spielten dieses Spiel mit mir.“ Ohne Apfel.
Eine Dame am Nebentisch blickt herüber. Ist er das? Murat Kurnaz, Häftlingsnummer „Five Zero Three“, der „Bremer Taliban“, einer der „Schlimmsten der Schlimmen“, wie George W. Bush die in Käfigen sitzenden Leute wie ihn nannte?
Ja, er ist es. Den orangen Overall hat er durch eine flatternde Hose türkischen Schnitts ersetzt, den grimmigen Rauschebart abrasiert. Kurnaz, der in Bremen geborene Türke, avanciert nun zu einem der wichtigsten Kronzeugen gegen westliche Menschenrechtsverletzungen im Krieg gegen den Terror.
John Le Carré bewundert ihn
Der Spionageautor John Le Carré besuchte Kurnaz und nennt seine in Buchform erschienene Memoiren (Fünf Jahre meines Lebens, Rowohlt) bereits die „wahrhaftigste und würdigste“ Abrechnung mit der „Schande von Guantánamo“. Die Sängerin Patti Smith widmete ihm einen Song, die Schauspielerin Vanessa Redgrave empfiehlt seinen Fall als Lektüre. Das britische Magazin Economist vergleicht Kurnaz’ humorvollen Erzählstil sogar mit dem Jonathan Swifts, dem Autor von „Gullivers Reisen“. Es wird wohl nicht lange dauern, ehe Hollywood anklopft.
Bis dahin wird Kurnaz aber noch im Kinderzimmer bei seinen türkischen Eltern in Bremens Arbeiterviertel Hemelingen leben.

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18. Jun 2008

Das Netzwerk der Cartoonisten

In Pakistan fliegt die dänische Botschaft in die Luft – weil dänische Zeichner Mohammed mit einer Bombe am Kopf zeigen. Immer wieder werden Karikaturisten eingesperrt. Mehr erfährt man beim Netzwerk der Zeichner. Wie Roy Greenslade im Guardian-Blog berichtet plant das Internationale Presseinstitut (IPI) einen Film über Blasphemie zu erstellen. Es ist und bleibt ein Menschenrecht, Gott zu beleidigen – auch wenn ich es dumm finde, es zu tun.

23. Apr 2007

“Ohne Mutter wär ich tot”

Er fährt mit dem Sportwagen durch Bremen, und die Leute ­zeigen auf ihn: Murat Kurnaz ist eine öffentliche Person geworden. Wie hat er die Folter bewältigt? Wie lebt er jetzt? Ein Besuch beim ehemaligen Guantánamo-Häftling in seiner Heimatstadt.
(für DIE ZEIT/ Foto: Michael Jungbluth)
(hier auch als Audio-File zum anhören)
Kurnaz%20in%20Bremen.pngEin tiefergelegter Sportwagen rollt um die Ecke des Bremer Bahnhofs, darin sitzt Murat Kurnaz. Er hat das Fenster heruntergekurbelt. Er steigt nicht aus. »Keine Fotos vom Wagen. Schreiben Sie auch nicht, wie er aussieht. Ich wohne neben einer Disco. Die Betrunkenen machen mir sonst das Auto kaputt.«
Es ist Frühling in Bremen. Kurnaz’ erster Frühling nach fünf Jahren Guantánamo. Die Mädchen tragen kurze Röcke, die Kirschen blühen, in den Straßencafés schlürfen schicke Leute Mac­chia­tos. Murat Kurnaz hätte früher wohl auch hier gesessen. Da trug er noch Hugo Boss und Dreitagebart. Heute sagt er: »Wenn ich hier draußen sitze, ist das Stress.« Dann würden sie mit dem Finger auf ihn zeigen, ihn um ein Autogramm bitten. Selbst in die Moschee geht er nicht mehr: »Die Leute wollen doch in Frieden beten.«
Murat Kurnaz trägt heute eine mausgraue Hose, türkischer Schnitt. Das weiße Hemd spannt über seinen Muskeln. Seine Haare sind so lang, dass er sie verknoten kann. Seine trainierten Unterarme passen nicht zu seinen feinen Fingern, an denen er dicke Ringe trägt. Er ist Boxer, Schwergewicht, er stemmt Gewichte. Als er 15 war, schaffte er 150 Kilo. Er hat auch in Guantánamo trainiert, obwohl die Kalorien dafür nicht reichten und es streng verboten war. »Haben Sie den Kampf gestern gesehen? Der kleine Chagaev hat den Riesen Nikolai Valuev besiegt! Boxen ist ein schöner Sport. Es geht nicht um Brutalität. Es geht um Regeln, um Körperbeherrschung. Du musst konzentriert sein.« Er knackt mit den Fingern.
Sein Sportwagen beschleunigt, dass es einen in den Sitz drückt. »Ein Wankelmotor, Hinterradantrieb«, sagt Kurnaz, »ich habe Spaß damit.«

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18. Apr 2007

Der Tag danach

In einem Militärkrankenhaus in der Pfalz versammelt die US-Armee ihre schwer verletzten Soldaten. Die Devise: positiv denken! (für DIE ZEIT)
landstuhl_soldier_500.jpgIn seinem Land zählte er zur Unterschicht – und so war Arthur Watson wohl empfänglich für die Versprechen der Rekrutierungsoffiziere, die in schneidigen Uniformen vor seiner Highschool standen. »Wir können dir das Leben in der Gosse ersparen«, versprachen sie. »Ich danke diesen Jungs noch heute dafür«, sagt Watson. Dann kippt seine Stimme weg, die Schmerzmittel machen müde.
Arthur Watson, Afroamerikaner aus dem Bundesstaat Georgia, ging mit der Armee einen Handel ein: Er riskiert sein Leben, sie bietet ihm eine Ausbildung. Das Heer schickte ihn als Lastwagenfahrer in den Irak. Die Truppen dort sollte er mit Lebensmitteln versorgen. Bei den ersten zwei Angriffen Aufständischer hatte Watson Glück. Die dritte Granate zerfetzte sein rechtes Bein. Nur an Hautfetzen hing es noch an seinem Körper – Watson sah, wie die Knochen aus dem Fleisch ragten. Er spürte Granatsplitter im Rücken und Granatsplitter im Gesäß, und er glaubte zu sterben. Dann verlor er das Bewusstsein.
24 Stunden später erwachte Arthur Watson in Landstuhl, Deutschland. Mit einem Frachtflugzeug der Armee hatte man ihn aus dem Irak in das U. S. Medical Center, das größte Militärkrankenhaus außerhalb der USA ausgeflogen. Als er auf einer Trage ausgeladen wurde, beugte sich ein Seelsorger mit violetten Gummihandschuhen über ihn und sagte: »God bless you.« Andere Betreuer hielten Tüten mit Gummibärchen bereit – eine Spende der amerikanischen Bevölkerung für die Heimkehrer.
Eine moderne, aber auch surreale Rettungslogistik ist im US-Militärhospital in Landstuhl zu besichtigen.Sie arbeitet mit Hightech, und sie bietet den Verwundeten, die aus der Hölle kommen, die Idylle eines Kinderzimmers. Via E-Mail werden dem Krankenhaus von der Front schon die Kranken-be-richte geschickt, per Videoschaltung konferieren die Ärzte mit ihren Kollegen im Gefechtsfeld. Währenddessen laufen Betreuer mit Hunden herum. Das ist Teil des PVT – des Pet Visitation Program, um den traumatisierten Patienten zu signalisieren, dass sie nicht mehr an der Front sind.
Watson ist erst 21 Jahre alt, und er wirkt jetzt stolz wie ein Kind,

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19. Feb 2007

So schön ist Guantánamo

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Immer wieder aufregend, die Guantánamo-Pressemitteilungen auf der GTMO-Homepage und vor allem die Hauszeitung “Gazette”. Da muss man sich einmal so richtig durchklicken. Eines Tages werden sich die Jura-Studenten der USA fragen, wie all das möglich war. Diesmal in der “Guantánamo-Gazette”: So gut ist das Essen im Lager!

15. Feb 2007

Ein Islamist und Folteropfer

Abu%20Omar.jpeg In Ägypten wurde am Montag der Islamist Abu Omar freigelassen – und womöglich sind seit Bekanntwerden dieser Nachricht einige deutsche Geheimdienstler unruhig. Omar wurde vor vier Jahren in Mailand von Greiftrupps der CIA in einen Bus gezerrt und über die US-Basis im deutschen Ramstein in einen ägyptischen Folterkeller ausgeflogen. An dieser Aktion waren auch jene CIA-Agenten beteiligt, die später den Deutschen Khaled El-Masri nach Afghanistan verschleppten. Gegen diese Entführer, die mit ihren Handys und Kreditkarten in Europa umfangreiche Datenspuren hinterlassen hatten, ermitteln nun die italienische und die deutsche Justiz. Die Ankläger haben sogar Haftbefehle erlassen gegen diese CIA-Agenten, die jedoch nur mit Tarnnamen bekannt sind.
Nun stellt sich die politisch relevante Frage: Konnte die CIA wirklich ohne Wissen nationaler Geheimdienste solche Entführungen organisieren? Nein, glaubt Italiens Justiz und ermittelt gegen den Chef des italienischen Geheimdienstes Nicolò Pollari. Abu Omar will nun weitere Details offenlegen.
Deutschland streitet bis heute Verwicklungen im Fall Omar und im Fall Masri ab. Laut Masri verfügten seine Peiniger aber über polizeiliche Insiderinformationen aus Deutschland. Wie weit ging die US-Deutsche Kooperation im Kampf gegen den Terror? Auch die italienische Akte von Omar könnte darüber Aufschluss geben. Doch ein wichtiger Teil wurde in Italien prompt zum Staatsgeheimnis erklärt.

31. Jan 2007

Im Zweifel lieber schuldig

Die frühere deutsche Regierung ließ Murat Kurnaz im Stich. Andere Regierungen agierten mutiger  (für DIE ZEIT)
Es war im Herbst 2002 und Murat Kurnaz saß schon neun Monate in seinem Käfig auf Kuba, da zitierte die Spitze des Außenministeriums den US-Botschafter in Sachen Guantánamo zu sich: »Wir stehen hinter dem Krieg gegen den Terrorismus«, beteuerten die Diplomaten, »aber wir meinen, dass der Krieg in Respekt vor den völkerrechtlichen Prinzipien geführt werden muss.« Es war eine schroffe Schelte, die der US-Botschafter da einstecken musste. Aber es ging ja auch um europäische Grundsätze und um einen Bürger, der ohne Anklage im berüchtigten Internierungslager festgehalten worden war. Und da kein fairer Prozess absehbar war, forderten die Regierungsvertreter, dass »der rechtlose Gefangene endlich an ein ordentliches Gericht überstellt werden muss«. Sogar der Regierungschef rügte die »amerikanische Demonstration von Arroganz«.
Diese Intervention kam nicht dem türkischstämmigen Bremer Murat Kurnaz zugute, sondern seinem Zellengenossen Mehdi Ghezali. Es war die schwedische Regierung, die damals Einspruch erhob gegen die amerikanische Willkür auf der Tropeninsel. Die später ermordete sozialdemokratische Außenministerin Anna Lindh und ihr Premier Göran Person kämpften um die Freilassung des »schwedischen Taliban«. Wie auch Murat Kurnaz war Ghezali in Pakistan von Kopfgeldjägern verhaftet und als »feindlicher Kämpfer« nach Guantánamo überstellt worden. Wie auch bei Kurnaz erhoben US-Militärs den letztlich unbewiesenen Vorwurf, er stehe al-Qaida nahe.
Schwedens Druck war erfolgreich: 2004 wurde Ghezali mit einem Regierungsflugzeug von Kuba ausgeflogen. 57 000 Euro ließ sich Schweden den Trip kosten, um Ghezali die Heimreise in einer US-Militärmaschine zu ersparen. In Schweden angekommen, nahm die Justiz Ghezali ins Visier – kurz darauf stellte sie alle Verfahren gegen ihn aus Mangel an Beweisen ein.
Eine ähnliche Geschichte ist

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17. Okt 2006

Das Martyrium des Murat Kurnaz

Der ehemalige Guantánamo-Häftling schildert unmenschliche Torturen – ist seiner Anklage zu trauen? Sehr viel spricht dafür. (für DIE ZEIT)
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„Ich bin 24 Jahre alt und habe alles verloren. Ich will wieder heiraten, ich will wieder Schiffe bauen. Ich will eine Familie haben.“ Als sich der Bremer Schiffbauer Murat Kurnaz am Montag gegen Mitternacht nach seinem eineinhalbstündigen Auftritt bei Reinhold Beckmann vom Deutschen Fernsehpublikum verabschiedete, da klagte er nur ganz leise über seine verlorene Jugend und sagte: „Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Ich unterscheide mich nicht von den anderen Deutschen.“
Das stimmt nicht ganz.

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23. Aug 2006

Rückkehr aus Guantánamo

Murat Kurnaz kehrt aus Guantánamo zurück. Sein Fall zeigt die Schattenseiten des Anti-Terrorkampfes (für die ZEIT)
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Mehr als viereinhalb Jahre hat Rabyie Kurnaz auf diesen Anruf gewartet. Sie hatte das Zimmer ihres Sohnes kaum verändert, manchmal roch sie sogar an seinem Trainingsanzug.Vergangene Woche kam endlich die Nachricht aus Guantanamo: Murat Kurnaz wird seinen Käfig im US-Internierungslager verlassen und darf zurück in seine Heimat Bremen. Kurnaz Anwalt Bernhard Docke hofft, dass sein Mandant noch Dienstag nacht freigelassen und dann nach Deutschland ausgeflogen wird. Ein diplomatischer Erfolg auch für Angela Merkel, die diesem Fall endlich den notwendigen Druck erzeugte.
Die Meldung von Kurnaz Freilassung platzt in die Aufregung um die Verhaftung des mutmasslichen Kofferbombers- und sie erinnert, wie wichtig gerade in Terror-Zeiten die Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien ist. Eine Mischung aus Hysterie, Vorurteilen, mangelnder richterlicher Kontrolle und diplomatischer Rückratlosigkeit hat einem – offenbar unschuldigen – jungen Menschen vier Jahre seiner
Freiheit gekostet. Kurnaz, so viel scheint nun festzustehen, geriet nur deshalb in die Mühlen der Weltpolitik, weil er zur falschen Zeit mit dem falschen Aussehen am falschen Platz war.
Der damals 19jaehrige Schiffbaulehrling wurde nach dem Elften September in einer arabischen Moschee in Bremen zum fundamentalistischen Muslim. Er forderte sogar seine blondgefaerbte Mutter auf, ein Kopftuch zu tragen. Murat Kurnaz reiste im Herbst 2001 nach Pakistan, um dort die Missionsbewegung der Tabliqus zu besuchen – eine eher harmlose islamische Schule. Im pakistanischen Bus wurde er
jedoch von Sicherheitskraeften verhaftet. Sie hielten den Ausländer mit dem roten Bart nicht für einen harmlosen Muslim, sondern fuer einen potentiellen Taliban-Unterstuetzer und übergaben ihn gegen Kopfgeld an die USA. Die sperrten ihn zunächst ein paar Wochen in einen afghanischen Knast und dann weitere viereinhalb Jahre ins Internierungslager auf der kubanischen Halbinsel. Dort wurden Häftlinge mit Kältefolter und Lärmterror “auf Verhöre vorbereitet”. Kurnaz selbst lebte in einem Käfig, klagte ueber Hitze und schlechtes Essen. Bei Verhören wurde er am Boden angekettet.
Offiziell versprach das deutsche Aussenamt Mutter Kurnaz zwar alle Hilfe. Doch der grüne Aussenminister Joschka Fischer bedauerte auch, seine Beamten hätten keinen Zugang zu ihrem Sohn, da die Amerikaner diesen verweigern.In Wahrheit erschienen Deutsche BND-Beamte in Guantanamo, um Kurnaz zu verhören und Informationen mit den US-Behörden auszutauschen. In ihren geheimen Dossiers berichteten sie, Kurnaz könne nichts nachgewiesen werden. Es gebe keine Verbindungen zu Terroristen, ja nicht einmal Indizien, die den “Bremer Taliban”, wie Kurnaz von Boulevardmedien vorverurteilend genannt wird, belasten. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt später auch ein US-amerikanisches Gericht.Die USA bieten Deutschland bereits 2002 an, Kurnaz freizulassen.
Nun beginnt ein deutsche Doppelspiel: Sowohl das Innenministerium als auch der heutige BND-Chef Ernst Uhrlau sprechen sich in vertraulichen Sitzungen dagegen aus, den Türken nach Deutschland einreisen zu lassen. Doch offiziell signalisiert das Aussenamt unter Joschka Fischer der Mutter , die Diplomaten wuerden alles Erdenkliche für ihren Sohn unternehmen, um ihn aus der “rechtlosen Zone” zu befreien. In vertraulichen Gesprächen mit dem Anwalt der Familie, Bernhard Docke, verraten Spitzenbeamte aber auch, man werde die transatlantischen Beziehungen wegen dieses Falles nicht noch weiter belasten. Kurnaz schien offnungslos verloren. Die Bremer Behoerden belegten ihn sogar mit einem Einreiseverbot – mit der absurden Begründung, dass er sein Visum von Guantanamo aus nicht verlaengert hatte.
Nun also doch die Freilassung nach Intervention von Angela Merkel: Anwalt Docke sagt , es sei die
Entschlossenheit der neuen Regierung, aber auch der – nach einer Selbstmordserie von Häftlingen in Guantanamo erhöhte – internationale Druck auf die USA gewesen , der letztlich den Weg in die Freiheit ebnete.
Ob die Deutschen von Kurnaz überrascht sein werden? Anwalt Docke weiss es nicht. Er hat seinen Mandanten – auch das bezeichnend – in viereinhalb Jahren nicht einmal besuchen können. Kurnaz wird vermutlich – gemeinsam mit Vertretern amnesty internationals – in den kommenden Tagen
in Berlin kurz vor die Presse treten. Vielleicht werden manche von seinem langen Bart überrascht sein. Er liess ihn sich während seiner Zeit in Guantanamo stehen. Und vermutlich wird es manche auch verstören, wenn er auf die Frage, ob er dem westlichen Rechtstaat und seinen Werten noch traue, mit einem knappen “Nein!” antwortet.

12. Jun 2006

Drei Leichen im Käfig

Drei Häftlinge haben sich in Guantánamo umgebracht. Gut möglich, dass es noch mehr werden
(Beitrag für DIE ZEIT)
Was hatten die Wachmannschaften im Guantánamo nicht alles unternommen, um das Leben der »feindlichen Kämpfer« zu retten: Hungerstreikende wurden an Gitterbetten gefesselt und künstlich ernährt, manche Käfige, in denen die Internierten sitzen, alle 30 Sekunden kontrolliert. Das 21 Mann starke »Behavioral Health Service«, ein Team von Psychiatern, sollte sich um jene im Lageralltag verrückt gewordenen Häftlinge kümmern, die gehortete Schlaftabletten schluckten, sich Dutzende Male die Pulsadern aufschnitten oder (wie ein US-Gericht kürzlich festhielt) sich sogar die Haare ausrissen, weil sie die Hitze und die systematische Beschallung mit Rapmusik nicht mehr ertrugen.
Doch am vergangenen Samstag, kurz nach Mitternacht, gelang es

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