22. Sep 2006
Hier das Interview zum Download
Freiheitliche Politiker – oder ihre orangen Nachfolger – verstanden es ja gut, im NLP- Sprudelsprech das Gegenteil dessen zu verkünden, was sie eigentlich meinen. Eduard Mainoni, heute Staatssekretär im Infrastrukturministerium, ist eine Ausnahme. Im Jahr 2004 (Mainoni saß im Innenausschuss des Nationalrates) schilderte er dem deutschen Rechtspopulismusforscher Oliver Geden, die Strategien der FPÖ, das Kalkül der NS-Restitution und das Geschäft mit der Angst.
Oliver Geden untersucht in seiner Studie “Diskursstrategien im Rechtspopulismus”, wie FPÖ und Schweizerische Volkspartei (SVP) den Übergang von Oppositions- zu Regierungsparteien bewältigen. Er konzentriert sich dabei auf zwei Politikbereiche, die Einwanderungspolitik sowie die Geschlechterpolitik. Neben Medienanalysen hat er für seine Studie auch Interviews mit Fachpolitikern aus beiden Politikbereichen geführt. Neben Eduard Mainoni waren dies auf Seiten der FPÖ auch Barbara Rosenkranz und Theresia Zierler, auf Seiten der SVP Toni Bortoluzzi und Hans Fehr.
Sein Buch über “Diskursstrategien im Rechtspopulismus” ist soeben erschienen. Das ungekürzte Interview ist auch ein Stück österreichische Zeitgeschichte, ein Stück Oral History aus den Eingeweiden einer Partei, die vor sechs Jahren ganz Europa in Atem hielt. Ausdrucken, mitnehmen, lesen. Hier das Interview zum Download. Oder einfach hier weiterlesen:
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20. Sep 2006
Staatssekretär Eduard Mainoni enthüllt das Kalkül der NS-Restitution und andere delikate Details
Die Entschädigung von Zwangsarbeitern? »Da haben wir uns eingekauft«, um »bei den jüdischen Organisationen den Rücken frei zu haben«. BZÖ-Spitzenkandidat Peter Westenthaler? Der ist einer, »der die Proleten abdeckt«.Wolfgang Schüssel? »Der war damals ein politischer Underdog, der mit dem Mascherl herumgerannt ist und mit der dicken Brille.« Die steigende Kriminalitätsrate in Österreich? »Ich wünschte mir, ich wäre in der Opposition. Ich würde den Minister durch Sonne und Mond jagen.«
Es spricht ein Vertreter der Bundesregierung, der in seiner Amtszeit nicht viel zu sagen hatte: Eduard Mainoni, BZÖ. Der deutsche Sozialforscher Oliver Geden (Humboldt Universität) hat soeben eine Studie über “Diskursstrategien im Rechtspopulismus” vorgelegt. Er führte dafür im Jahr 2004 ein autorisiertes Interview mit dem heutigen BZÖ Staatssekretär Mainoni, damals FPÖ-Abgeordneter. Mainoni sprach erstaunlich offen über die Strategien seiner Partei, das “Geschäft mit der Angst” und das wahre Kalkül der “NS-Resititution”. Oral Historie aus den Eingeweiden der FPÖ, wenn man so will. Hier mein Artikel in der ZEIT und hier geht’s zur Studie von Geden.
01. Jun 2006

Deutschland diskutiert über No-Go-Areas, Orte, an denen Ausländer nicht sicher sind. Mit Fotografin Veronika Hofinger habe ich diese Gegenden aufgesucht. Hier meine Reportage, die ich für die ZEIT schrieb. Mit noch mehr schönen Fotos und in ganzer Länge gibt es das Stück auch auf hier zu lesen
Wo die Angst regiert
Ein Chinese traut sich nicht mehr aus dem Haus. Ein Spanier zeigt seine Narben.
Eine Politikerin warnt Ausländer vor Fahrten mit der Straßenbahn.
Ist Cottbus eine No-go-Area?
Von Florian Klenk
Die Fahrt mit der Straßenbahn Nummer 4 dauert dreißig Minuten. Sie führt durch eine Stadt, in der einst die Ingenieure der DDR-Kombinate für Wohnungen Schlange standen. Heute ruckelt die Tram vorbei an mit Holzplatten zugenagelten Gründerzeitpalais, an leeren Plattenbauten und an nackten Litfaßsäulen. Der einzige Farbklecks hier rührt von einem kürzlich zertrümmerten alternativen Jugendklub und einem Kinderkarussell her, das sich auch feiertags nicht dreht. Die Linie 4 verbindet das Hochhausviertel Sachsendorf mit der Cottbuser Altstadt und der verlassenen Trabantensiedlung von Neu Schmellwitz. Das Plattenbauviertel Cottubs-SchmellwitzFoto: Veronika Hofinger, www.architekturfotografin.at BILD
Ein Halbwüchsiger steigt zu und wirft an den Haltestellen Böller aus dem Waggon. Jedes Mal zucken die Fahrgäste zusammen. Die Fahrt geht vorbei an einem Plattenbau, auf dessen Feuermauer in Riesenlettern die eilig übermalte Naziparole »Mord an Hess« immer noch zu erkennen ist. Die Rechten müssen sich für ihr Werk vom Dach abgeseilt haben. Vor einer Tankstelle lehnen Jugendliche an ihren tiefer gelegten Autos. Aus den Boxen wummert Musik der Naziband Frontalkraft. Ein Skinhead mit seiner Freundin steigt in die Bahn. Er stellt sich ganz vorn auf, sodass alle sein T-Shirt mit der »schwarzen Sonne«, dem Szene-Symbol für die SS, sehen können. Er erzählt seiner Freundin, wie er kürzlich ein »Lokal mit langhaarigen Schwulen durchgeklatscht« habe. Gleich neben dem Straßenbahnfahrer sitzt ein Junge mit Rasta-Locken. Der Skin nimmt ihn ins Visier, zieht seinen Rotz hoch und fragt die Freundin: »Darf ich ihn anspucken, Schatz, bitte?« Sie hält ihn gerade noch davon ab.
An der Stadthalle steigt der kahl rasierte junge Mann aus und trifft dort ein paar Dutzend andere Glatzen. Glasscherben knirschen am Boden. Schon am Vormittag wurde hier reichlich Alkohol getrunken. Viele tragen T-Shirts von Thor Steinar, einer braunen Edelmarke, die im benachbarten Ort Königs Wusterhausen vertrieben wird. Fast jedes Gespräch dreht sich ums »Aufklatschen« oder »In-die-Fresse-Hauen«. Wer etwas anders aussieht als diese Jungs, wechselt die Straßenseite.
»Wir hatten einfach Bock, zwei Chinesen wegzuklatschen«
Cottbus Zentrum. Ob das hier eine No-go-Area ist, einer jener Orte in Brandenburg, vor deren Betreten der ehemalige Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye neulich warnte?
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