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Artikel, die mit ‘Kinderhandel’ beschlagwortet sind.
16. Jan 2008

“Warm anziehen!”

Der Adoptionsverein “Family for You” stellt nach
einem “Falter”-Bericht seine Tätigkeit ein. Eltern sind verunsichert,
die Behörden machtlos.

Eine Familie aus Niederösterreich adoptiert zwei äthiopische
Kinder. Angeblich Waisen, angeblich Geschwister. Als das Mädchen
Deutsch lernt, erzählt es seine wahre Geschichte. Mit falschen
Dokumenten war es nach Österreich verschachert worden. Das Mädchen
sitzt inzwischen traumatisiert in einem Jugendheim, will zurück zur
Mutter. Die Justiz ermittelt wegen Kinderhandels. Im Visier steht ein
Anwalt, der in Äthiopien als Repräsentant des Wiener Adoptionsvereins
“Family for You” agierte. Die leibliche Mutter des Kindes gab zu
Protokoll, sie habe ihm ihre Tochter unter falschen Versprechungen
übergeben.
Als der Falter vergangene Woche über diese Geschäfte des Vereins
Family for You berichtete, konterte Vereinsobfrau Petra Fembek: Alles
sei “gegenstandslos” und “unwahr”. Kurz darauf setzte sie allerdings
eine neue Meldung auf die Website. Aufgrund staatsanwaltlicher
Erhebungen werde der Adoptionsverein seine Tätigkeit einstellen. Erst
nach Rücksprache mit dem Wiener Jugendamt werde man wieder aktiv.
Nun sind viele Wiener Adoptiveltern verunsichert – auch sie
fürchten, ein gestohlenes Kind aufgenommen zu haben und haben Angst,
die Berichterstattung über den Fall Family for You könne ihren
Kindern schaden. In Internet-Adoptionsforen stößt man auf eine
Mischung aus Angst, Wut, Sorge. “Jetzt heißt es also warm anziehen
und wenn es wirklich eng wird, sollten wir alle – egal, woher unsere
Kinder sind und wie sie zu uns kamen – zusammenhalten und uns
gemeinsam wehren!”, schrieb eine Family-for-You-Kundin. Eine andere
gestand: “Auch wir haben nun ein großes Problem.” Ihre Töchter, “die
wir von Herzen lieben”, seien von Family for You und ihrem ins Visier
der Justiz geratenen Anwalt vermittelt worden. Man habe keine
originalen Dokumente, sogenannte Kebele-Letters, erhalten. Man kenne
auch eine Familie, die ebenfalls ohne Dokumente adoptiert habe.
Wie kommen Eltern, die ihre Adoptivkinder lieben (und von ihnen
geliebt werden) dazu, sich solche Sorgen machen zu müssen?

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