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Artikel, die mit ‘Internet’ beschlagwortet sind.
18. Jun 2008

Journalismus macht Dampf

180px-Steam_engine_in_action.gifWie sieht der Journalismus im Netz von morgen aus? Nun, da gibt es Spiegelonline, Standardonline und solche Dinge. Agenturmeldungen zum Anklicken und dazwischen Weblogs und Videos mit klugen oder weniger klugen Kommentaren. Aber wie wird sich der Journalismus verändern? Welcher Themen wird er sich bedienen? Wir wissen es nicht. Weil wir nicht einmal wissen, wie das Internet in ein paar Monaten aussehen wird. Es ist so wie mit der Dampfmaschine, meinte einmal ein befreundeter Journalist. Anfang des siebzehnten Jahrhunderts wurde sie erfunden und man ahnte wohl, dass da etwas ganz Ungeheurliches bevorstand. Doch es dauerte noch lange, ehe die industrielle Revolution die Welt wirklich veränderte. Also, Journalismus von morgen? Wir stehen irgendwo im Jahr 1703 dumm herum. Kollege Matthias Bernold, ist hingegen in die Zukunft gereist, besser gesagt, er hat den Journalismus auf der Columbia Journalismus studiert und mich heute auf diese Seite verwiesen. Da bleibe ich nun hängen und schau eine Story nach der anderen an. Eine Mischung aus Radio, Diashow, Erzählung, Video und Kurztexten – ein neues journalistisches Erlebnis. Oder doch nur eine Rückbesinnung auf das gute, alte Geschichtenerzählen, eine Rückkehr zur Sozialreportage – nur viel einprägsamer? Ein besonders gutes journalistisches Projekt empfahl mir Kollege Ulrich Ladurner: 360degrees.org/ heisst es. Die Geschichte eines Jugendgefängnisses. Wie war das nochmal mit der industriellen Revolution, der sozialen Frage und den Menschen da draußen? Hier kann mans ohne Bilder, Videos und Ton nochmal nachlesen. Wer hätte gedacht, dass Max Winter im Netz zu lesen sein wird?

21. Jun 2006

Die Kettenhunde

Westliche Internetfirmen versprechen ungehinderte Kommunikation. Doch in China üben sie Zensur und verraten Kunden an die Polizei. Manche Dissidenten bezahlen das mit jahrelanger Haft. Nach weltweiten Protesten kündigt nun zumindest Google den Rückzug an.
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Es waren selbstkritische und unerwartete Worte, die Google Mitgründer Sergey Brin, 31, Anfang Juni in die Mikrofone der Reporter sprach. „Vielleicht“, so meinte der junge Milliardär etwas reumütig, „ist der prinzipientreue Ansatz doch besser.“ Ja, diese Prinzipien, die schien Google – Firmenmotto „Don´t be evil!“ – tatsächlich verraten zu haben. Anfang des Jahres hatte sich die Company unter lautem Protest der kritischen Weltöffentlichkeit den chinesischen Apparatschicks unterworfen, um im chinesischen Markt Fuß zu fassen und eine verstümmelte chinesische Suchmaschine eingerichtet. Wer darin Falung Gong oder auch nur das Wort „Menschenrechte“ und „Demokratie“ googelte, bekam eine Leermeldung. Wer Bilder vom Massaker am Platz des Himmlischen Friedens suchte, sah statt rollender Panzer kitschige Postkarten mit lachenden Chinesen.
Spott und Hohn erntete Google dafür, obwohl das Unternehmen im Gegensatz zu anderen Suchmaschinen wenigstens darauf hinwies, dass die Seiten zensiert sind. Doch gedemütigt fühlte sich vor allem auch die chinesische Internetgemeinde, die mit ihren kritischen Blogs und Netz-Reportagen längst das Regime und seine Parteipresse herauszufordern versucht und eine mediale „Kulturrevolution“ eingeläutet hat. In einem chinesischen Forum von Google-Kritikern wurde sogar eifrig nach chinesischen Schriftzeichen für Google gesucht: Gou Gou, „Hündchen“, schlugen manche vor. Oder Zou Gou – Kettenhund. Aber auch ein zorniges Gou le – „Es reicht uns!“ schleuderten sie den kalifornischen Unternehmern entgegen, die sich so kreativ und jung inszenieren. „Zutiefst prinzipienlos“ agiere Google, kritisierte auch der kritische Autor Yu Jie vom chinesischen Pen Klub. Das Unternehmen wolle sich doch nur den Kadern „anbiedern“ und verrate sein Kerngeschäft – den Handel mit Information, die von niemandes Interesse vorher gefiltert oder gewichtet werde.
Soviel Spott vor allem auch chinesischer Intellektueller wird den kalifornischen Musterunternehmen nun anscheinend doch zuviel.

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