Home > Archiv

Artikel, die mit ‘China’ beschlagwortet sind.
13. Dez 2006

Volkslieder durchs Megaphon

“Hier ist das Paradies”, sagen die Städter. Mit einem Dissidenten durch die vergessenen Dörfer rund um Guilin. Notizen aus China
Natürlich bereitest du dich auf so eine Reise vor, versuchst dir die Namen all dieser Megacitys zu merken, die in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Boden wucherten und doppelt so groß wie Paris sind. Du kaufst dir zweisprachige Stadtpläne für die Taxifahrer, die dich sonst nicht verstehen werden. Du steckst dir das “Ohne-Wörter-Buch” ein, das mit den Bildern für alle Lebenslagen. Du lässt dir, weil du Vorurteile hegst, von der chinesischen Freundin in Wien nützliche Schriftzeichen aufmalen: “Keinen Hund bitte!” und solche Sachen.
Und dann sitzt du also da, in diesem Gastgarten in Kanton, rote Lampions spiegeln sich in einem künstlichen See, und die Chinesen lachen, schmatzen, spucken und rülpsen beim Essen, wie du es noch nie erlebt hast. Auf dem Tisch brodelt dein Suppentopf, darunter zischt diese rostige Gasflasche, die ihn befeuert.
Dann kommt die Bedienung, du lächelst zurück, zückst das “Ohne-Wörter-Buch” und zeigst ihr das Bild mit den Fischen. Sie aber deckt den Fisch so ab, sodass nur noch der Kopf zu sehen ist – und lächelt. Dann bringt sie den Teller mit zehn Fischköpfen. So also ist China.
Erste Nacht in Kanton
Es gibt hier noch Märkte,

Mehr…

21. Jun 2006

Die Kettenhunde

Westliche Internetfirmen versprechen ungehinderte Kommunikation. Doch in China üben sie Zensur und verraten Kunden an die Polizei. Manche Dissidenten bezahlen das mit jahrelanger Haft. Nach weltweiten Protesten kündigt nun zumindest Google den Rückzug an.
Google-censorship.jpg
Es waren selbstkritische und unerwartete Worte, die Google Mitgründer Sergey Brin, 31, Anfang Juni in die Mikrofone der Reporter sprach. „Vielleicht“, so meinte der junge Milliardär etwas reumütig, „ist der prinzipientreue Ansatz doch besser.“ Ja, diese Prinzipien, die schien Google – Firmenmotto „Don´t be evil!“ – tatsächlich verraten zu haben. Anfang des Jahres hatte sich die Company unter lautem Protest der kritischen Weltöffentlichkeit den chinesischen Apparatschicks unterworfen, um im chinesischen Markt Fuß zu fassen und eine verstümmelte chinesische Suchmaschine eingerichtet. Wer darin Falung Gong oder auch nur das Wort „Menschenrechte“ und „Demokratie“ googelte, bekam eine Leermeldung. Wer Bilder vom Massaker am Platz des Himmlischen Friedens suchte, sah statt rollender Panzer kitschige Postkarten mit lachenden Chinesen.
Spott und Hohn erntete Google dafür, obwohl das Unternehmen im Gegensatz zu anderen Suchmaschinen wenigstens darauf hinwies, dass die Seiten zensiert sind. Doch gedemütigt fühlte sich vor allem auch die chinesische Internetgemeinde, die mit ihren kritischen Blogs und Netz-Reportagen längst das Regime und seine Parteipresse herauszufordern versucht und eine mediale „Kulturrevolution“ eingeläutet hat. In einem chinesischen Forum von Google-Kritikern wurde sogar eifrig nach chinesischen Schriftzeichen für Google gesucht: Gou Gou, „Hündchen“, schlugen manche vor. Oder Zou Gou – Kettenhund. Aber auch ein zorniges Gou le – „Es reicht uns!“ schleuderten sie den kalifornischen Unternehmern entgegen, die sich so kreativ und jung inszenieren. „Zutiefst prinzipienlos“ agiere Google, kritisierte auch der kritische Autor Yu Jie vom chinesischen Pen Klub. Das Unternehmen wolle sich doch nur den Kadern „anbiedern“ und verrate sein Kerngeschäft – den Handel mit Information, die von niemandes Interesse vorher gefiltert oder gewichtet werde.
Soviel Spott vor allem auch chinesischer Intellektueller wird den kalifornischen Musterunternehmen nun anscheinend doch zuviel.

Mehr…