23. Okt 2006
Kuckst Du!
Deutschland fürchtet sich vor seinen Muslimen. Und die fühlen sich zunehmend unwohl. Doch es sind soziale, keine religiösen Gräben, die das Land teilen.
(für Redaktionsbüro Ost)
Früher wäre diese Bemerkung, die Deutschlands momentane Stimmung so auf den Punkt bringt, in dieser liberalen Runde vielleicht mit Stirnrunzeln kommentiert worden. Diesmal stieß sie auf Verständnis. Eine gebildete, weltoffener Runde – feinsinnige Publizisten, Professoren und Kaufleute – kam kürzlich bei einem dieser hanseatischen Empfänge zusammen und parlierte über die Welt. Da entfuhr es dem scharfzüngigen, weit über die Grenzen bekannten liberalen Politologen: „Wissen Sie“, klagte er, „die Muslime hier essen nicht nur anders, sie kleiden sich nicht nur anders, sie beten nicht nur anders: manche von ihnen wohnen hier in Hamburg und heißen Mohammed Atta!“
Im August muss dieser Spötter sich wieder bestätigt gesehen haben. Überwachungskameras am Bahnhof in Köln hatten Bilder eines libanesischen Studenten angefertigt. In seinem Michael Ballack-Fußball-Shirt sah er wie ein richtiger WM-begeisteter Deutscher aus. Doch dann stellte der Student einen Koffer mit einer selbstgebauten Propangasbombe in einen Zug. Hunderte Passagiere sollten sterben, weil sich der Islamist mit dem WM-Trikot über die dänischen Mohammed-Karikaturen ärgerte. Zum Glück war der Gotteskrieger zu dumm dazu: sein Sprengsatz war ein Fehlkonstrukt.
Mohammed Atta, Hamburger Zelle, Kofferbomber, Schläfer: das prägt eine Gesellschaft,
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21. Jun 2006
Westliche Internetfirmen versprechen ungehinderte Kommunikation. Doch in China üben sie Zensur und verraten Kunden an die Polizei. Manche Dissidenten bezahlen das mit jahrelanger Haft. Nach weltweiten Protesten kündigt nun zumindest Google den Rückzug an.

Es waren selbstkritische und unerwartete Worte, die Google Mitgründer Sergey Brin, 31, Anfang Juni in die Mikrofone der Reporter sprach. „Vielleicht“, so meinte der junge Milliardär etwas reumütig, „ist der prinzipientreue Ansatz doch besser.“ Ja, diese Prinzipien, die schien Google – Firmenmotto „Don´t be evil!“ – tatsächlich verraten zu haben. Anfang des Jahres hatte sich die Company unter lautem Protest der kritischen Weltöffentlichkeit den chinesischen Apparatschicks unterworfen, um im chinesischen Markt Fuß zu fassen und eine verstümmelte chinesische Suchmaschine eingerichtet. Wer darin Falung Gong oder auch nur das Wort „Menschenrechte“ und „Demokratie“ googelte, bekam eine Leermeldung. Wer Bilder vom Massaker am Platz des Himmlischen Friedens suchte, sah statt rollender Panzer kitschige Postkarten mit lachenden Chinesen.
Spott und Hohn erntete Google dafür, obwohl das Unternehmen im Gegensatz zu anderen Suchmaschinen wenigstens darauf hinwies, dass die Seiten zensiert sind. Doch gedemütigt fühlte sich vor allem auch die chinesische Internetgemeinde, die mit ihren kritischen Blogs und Netz-Reportagen längst das Regime und seine Parteipresse herauszufordern versucht und eine mediale „Kulturrevolution“ eingeläutet hat. In einem chinesischen Forum von Google-Kritikern wurde sogar eifrig nach chinesischen Schriftzeichen für Google gesucht: Gou Gou, „Hündchen“, schlugen manche vor. Oder Zou Gou – Kettenhund. Aber auch ein zorniges Gou le – „Es reicht uns!“ schleuderten sie den kalifornischen Unternehmern entgegen, die sich so kreativ und jung inszenieren. „Zutiefst prinzipienlos“ agiere Google, kritisierte auch der kritische Autor Yu Jie vom chinesischen Pen Klub. Das Unternehmen wolle sich doch nur den Kadern „anbiedern“ und verrate sein Kerngeschäft – den Handel mit Information, die von niemandes Interesse vorher gefiltert oder gewichtet werde.
Soviel Spott vor allem auch chinesischer Intellektueller wird den kalifornischen Musterunternehmen nun anscheinend doch zuviel.
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15. Jun 2006
Zur Korruptionsbekämpfung braucht Österreich unabhängige Ermittler mit mehr Biss. Eine Erkundung in Österreichs Grauzone.
(Beitrag für “The Corruption Monster”, Ethik Politik und Korruption”, Hg. Martin Kreutner, Czernin Verlag)
I.
Vielleicht sollte man mit dieser Nebensächlichkeit beginnen. Kurz vor Weihnachten langte bei allen Österreichischen Wachzimmern ein bunter Folder des Büros für Interne Angelegenheite n (BIA), der Korruptionsbekämpfungsstelle des Innenministeriums ein. Die Broschüre widmete sich dem sogenannten „Anfüttern“, der ersten Stufe der Korruption. Polizisten, so heisst es darin sinngemäß, sollten im Dienst gar keine Geschenke annehmen. Keine Weinflaschen zu Weihnachten, keine Trinkgelder, keine Einladungen zum Essen. Man bringe sich damit doch nur in ein schiefes Licht.
Auf der Online-Plattform www.kripo-online.at diskuieren Polizisten über den harmlosen BIA-Kooruptionsfolder wie man es nicht erwarten würde. Ein Beamter, der sich sogar namentlich vorstellt, verglich die BIA wegen ihres Folders mit der Volkspolizei der DDR, weil die „in treuer Diensterfüllung“ doch auch auf ihre eigenen Bürger schoss. Ein anderer bemerkte: „Die Folder brennen ganz gut (…) So verblödete Menschen wie bei der Führungsebene der Exekutive beschäftigt sind, gibt es nirgends in so konzentrierter Form.“ Ein Dritter merkte an, es sei durchaus „üblich, daß diverse Institutionen (Gemeinde, Feuerwehren usw.) zu Weihnachten kleine, ortsübliche Geschenke vorbeibrachten, um sich so für die gute Zusammenarbeit zu bedanken“.
Korruption in Österreich?
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