In eigener Sache: Pilz und sein Fall
Peter Pilz entdeckt einen „Fall ,Klenk’“. Er setzt meinen Namen unter Anführungszeichen, als stünde dahinter ein System, ein verwerfliches Treiben. Er beschuldigt mich, eine Kampagne für eine kleine Gruppe von Staatsanwälten zu führen und diesen „Feuerhilfe“ zu gewähren – im Fall Kampusch ebenso wie in der Causa der Tierschützer.
Diese Form der untergriffigen und oberflächlichen Kritik an einem journalistischen Text hätte ich ihm nicht zugetraut. Weil Pilz nicht irgendwer ist, verdient er eine Antwort:
Journalismus, wie ich ihn verstehe, ist unabhängig. Er hat sich an geprüften Fakten zu orientieren und nicht an den Behauptungen von Politikern, die – wie Pilz – gute Kontakte in der Medienbranche haben.
Ich kam allerdings bei meinen Recherchen zum Fall Kampusch zum Schluss, dass den ermittelnden Staatsanwälten Unrecht getan wird. Auch von Pilz. Eine andere Position kann ich aufgrund der Faktenlage nicht öffentlich vertreten. Peter Pilz, der der Staatsanwaltschaft subtil unterstellt, Kinderschänder zu beschützen, hat meiner Meinung nach maßlos übertrieben. Er hat gnadenlos zugespitzt und dafür verdient er Kritik. Denn ein immuner Nationalrat muss schon bessere Beweise vorbringen, wenn er zwei Oberstaatsanwälte in die Nähe von Schwerkriminalität rückt. Diesen Missbrauch der parlamentarischen Immunität durch einen Grünen zu thematisieren, ist meine journalistische Pflicht.
Bei den Tierschützern (auch hier unterstellt mir Pilz unlautere Motive) habe ich die Justiz für ihre üble Performance im Falter und im ORF stark kritisiert (etwa hier und hier) und mit Hinblick auf die Rechtsprechung des OGH einen fairen Prozess eingemahnt, der wohl auch in einem Freispruch münden kann (etwa hier) . Pilz verschweigt dies, weil es sein Zerrbild gerade rücken würde. Und warum tut er das?
Ich habe die Opfer einer radikalen Tierschutzszene zu Wort kommen lassen und auf all die Schäden und Verbrechen hingewiesen, die im Namen des radikalen Tierschutzes begangen wurden. Eine Wahrheit, die vielen Grünen eben nicht gefällt. Weil ich dies tat, wurde mir von Tierschützern fälschlich ein sexuelles Verhältnis zu Sekretärinnen der Firma Kleiderbauer unterstellt. Nun unterstellt mir Pilz ein Nahverhältnis zu einer korrupten Justiz.
Pilz hat offenbar nicht verstanden, wo der Unterschied zwischen Oppositionsgepolter und Journalismus liegt. Peter Pilz ist kritischer Journalismus diesmal suspekt, weil es ihn betrifft. Er sieht die Presse in eigener Sache diesmal nicht als öffentlichen Wachhund, sondern als Schoßhund. Aus einem bissigen Oppositionspolitiker wird solcherart ein Wadlbeisser.
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Danke. Und Bitte: bleiben Sie sich weiterhin treu. Danke.
Wie? Du hast keine sexuellen Beziehungen zu Kleiderbauersekretärinnen? Supermachotest nicht bestanden.
Ernsthaft: Journalismus, wie er sein sollte, und wie du ihn betreibst, also unabhängig, nach allen Seiten kritisch und analysefähig, wird in Österreich nicht geschätzt. Farbe ist hier nicht erwünscht, man ist den Schwarzweiß-Fernseher gewöhnt. Im Falle der Grünen: Wer sich Tierschützer nennt, hat im Recht zu sein und muss so dargestellt werden. Jeder Hinweis auf zweifelhafte Methoden muss unterblieben, wird nicht gerne gelesen, dient, in fast stalinistischer Manier, als Indiz, dass der Journalist mit dem “Feind” zusammenarbeitet. Dies lässt sich in anderen Konstellationen auch immer wieder beobachten. “Was? Du bist links? Wie kannst du da etwas gegen die Gewerkschaft schreiben?” Oder: “Was, du bist Jude? Was erfrechst du dich, israelische Politik zu hinterfragen”. Usw usf.
Wenn es nur “zu Wort kommen lassen” gewesen wäre, hätte niemand etwas gesagt. Allerdings war die Reportage gespickt mit Vermutungen und Anschuldigungen, nicht im Zitat sondern als Fakt beschrieben. Daß Sie dann nach 2 Jahren die offensichtlichen Fehler der Exekutive und Justiz erkannt und verurteilt haben, macht das ehrlich gesagt nicht mehr wett. Mein verdient geglaubtes Vertrauen haben Sie damals für immer verloren. Ist ein wenig off-topic hier und zu dem aktuellen Fall kann ich nicht direkt Stellung nehmen, aber ich denke es kann auch etwas erklären, wieso auch jemand wie PP Sie nun mit anderen Augen sieht als noch vor 5 Jahren.
Nun ja, ganz so toll schaut es mit dem Persilschein doch nicht aus. Beim Fall Kampusch bin ich ja im großen und ganzen bei Ihnen – wenn ich auch der Meinung bin, dass sich die Justiz den immensen Vertrauensverlust zum Großteil selbst zuzuschreiben hat. In der Tierschützer-Causa stören mich Aussagen wie diese (zit.) “Österreichs militante Tierschützer sind zu weit gegangen. Die Polizei hat zu Recht gegen sie ermittelt.” Auf welche konkreten Beweise stützt sich die erste Aussage? Und inwiefern waren die völlig überzogenen und einseitigen “Ermittlungen”, die mutmaßlich politisch angeordnet waren, dadurch gerechtfertigt? Natürlich gehören Sachbeschädigungen aufgeklärt und bestraft. Dazu braucht es aber keine Cobra, keine jahrelangen Überwachungen, keine Undercover-Agenten, keine monatelange Untersuchungshaft und keinen Monsterprozess. Ein Vormittag vor dem Einzelrichter tut es auch. Das wäre der entscheidende und journalistisch relevante Punkt in dieser Causa gewesen.
kann mich richard nur anschliessen, sie haben im fall der tierschuetzer immer so getan, als sei eine politische verstrickung und bestelljustiz VOELLIG ausgeschlossen, obwohl sie aus vielen anderen fällen die auswirkungen eines gesaeuberten strasser-kabnetts kennengelernt haben auf exekutive und iudikative
sie sind schlichtweg angewidert von balluch und seiner vgt und konnten das an keiner stelle verbergen, ein letztes beispiel die mehr als peinliche buchrtezension im falter…aber damit haben sie nichts zu tun….karenz
auch ich als ehemaliger begeisterter klenk-leser und falterbezieher konnte mir ihre blindheit nur mit einem persönlichen naheverhältnis erklären….wie sonst soll man sich den tiefen fall eines journalistischen vorbilds erklären?
klenks recherchen – - – liest sich wie ein auszug aus dem abschlussbericht der herren pleischl/mühlbacher – - – nur ohne rechtschreibfehler. gratulation zu diesem grandiosen stück aufdeckungsjournalismus.
ad Nahverhältnis zu KleiderBauer:
Martin Balluch hat auf seinem Blog einen Eintrag auf dem Sie eher schlecht wegkommen und sagt Ihnen auch ein Nahverhältnis zu KleiderBauer und SOKO nach ( http://www.martinballuch.com/?p=53 ). Prompt wird er auf diesen Eintrag geklagt – aber nicht von Ihnen, sondern von KleiderBauer. pwnd
p.s. Journalismus wie ich ihn mir wünschen würde. Fakten recherchieren und sachlich darstellen und die Meinung dem Leser überlassen. Privatmeinungen und Auseinandersetzungen sind eher uninteressant, wenngleich manchmal unterhaltsam. Auch Leser wollen sich an geprüften Fakten orientieren. Diese bleiben Sie jedoch (zu)häufig schuldig.