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03. Aug 2010

Meischbergers Tagebuch: “Mir fällt das Brot aus dem Mund”

Walter Meischbergers Tagebuch wurde beschlagnahmt. Es liegt dem Falter vor. Der FPÖ- Lobbyist berichtet über seine Geheimtreffen mit Karl-Heinz Grasser, über die angeblich an Haider-Leute überwiesenen Millionen von Saddam und Gaddafi sowie über einen mysteriösen Todesfall vor der Wiener Gaddafi-Villa

Das sichergestellte Beweisstück, so vermerkt das Hausdurchsuchungsprotokoll, ist „21 x 13 cm“ groß und schwarz. Es handelt sich um ein Notizbüchlein der Marke „Moleskine Plain Notebook, blanko“, wie der zuständige Chefinspektor vermerkt.

Das Tagebuch wurde am 10. Februar 2010 in einer Villa in Wien-Döbling sichergestellt. Die Villa und auch das Büchlein gehören dem Lobbyisten Walter Meischberger, dem engsten Freund, Berater und Trauzeugen Karl-Heinz Grassers. Der ehemalige FP-General zeigte sich an, weil er zehn Millionen Euro Provision aus dem Buwog-Deal nicht versteuert hatte.

Der Chefinspektor steckte das Buch in einen Plastiksack und kopierte die vollgeschriebenen Seiten. Dann tippte er jene Passagen ab, die nichts mit Meischbergers Privatleben zu tun haben, und fertigte einen Bericht an. Darüber steht: „Abschrift der relevanten Passagen in Hinblick auf Korruption“.

Walter Meischbergers Tagebuch liegt also seit Monaten bei der Staatsanwaltschaft. Die Ankläger, aber wohl auch der Nationalrat haben nun eine für diese Republik eminent wichtige Frage zu klären: Handelt es sich bei den Aufzeichnungen in dem Moleskine-Büchlein auch nur ansatzweise um die Wahrheit?

Dann wird Österreich,

dann werden vor allem die FPÖ und das BZÖ einen der größten Politskandale der jüngeren Vergangenheit zu bewältigen haben. Es geht in dem Buch nämlich nicht nur um Karl-Heinz Grasser und seine Rolle in der Buwog-Affäre, sondern um die mutmaßlichen Machenschaften Jörg Haiders und seiner Entourage bei der legendären „Privatreise“ in den Irak und nach Libyen.

Es geht in Meischbergers Tagebuch um die Konten Saddam Husseins und seiner hingerichteten Söhne, die von Haider-Leuten verwaltet worden sein sollen. Es geht um Parteispenden Gaddafis an die FPÖ und um einen mysteriösen Todesfall in der Villa des Gaddafi-Sohnes. Wenn es stimmt, was Meischberger notiert hat, dann wird auch klar, warum Jörg Haider über 45 Millionen Euro „disponieren“ konnte, wie profil am Montag berichtete. Zufälligerweise ist auch in „Meischis“ Tagebuch von 45 Millionen die Rede. Er berichtet auch, wie das Geld weniger wurde – durch eine Art Diebstahl und durch Erpressung.

Das Moleskine-Notizbuch, das muss an dieser Stelle aus Gründen der journalistischen Sorgfalt festgehalten werden, ist in den Akten der bislang einzige Hinweis für die von profil geäußerte Gewissheit, dass Haider Millionen auf die Seite geschafft haben könnte. Von Liechtenstein’schen Konten, die Haider zugeordnet worden sein sollen, wissen die Fahnder noch nichts. Zumindest wollen sie entsprechende profil-Recherchen „nicht bestätigen“. Sie haben vorerst nur Meischbergers Notizen und versuchen diese zu verifizieren.

Warum Meischberger dieses Tagebuch angelegt hat, ist völlig unklar. Fest steht nur, dass der Inhalt der Justiz seit Februar bekannt ist und Walter Meischberger dazu bis heute nicht befragt wurde.

Vielleicht wollte Meischberger wirklich nur sein abenteuerliches Leben festhalten. Vielleicht war er so naiv zu glauben, dass man das Notizbuch nicht finden würde. Vielleicht will er auch seine ehemaligen Gesinnungsfreunde unter Druck setzen. Schließlich wird Meischberger in Kürze Millionen an Steuern für die Buwog-Schwarzgeld-Provisionen zurückzahlen müssen.

Wie auch immer: Das schwarze Moleskine enthält jedenfalls Notizen Meischbergers, die dieser nach Treffen mit Haider-Leuten, vor allem mit dem unter Korruptionsverdacht stehenden ehemaligen Kärntner Protokollchef der Kärntner Landesregierung, dem Haider-Sekretär Franz Koloini, sowie mit Karl-Heinz Grasser und dessen Beratern gemacht hat.

Meischberger hat das Buch nicht nur mit einigen skurrilen Beobachtungen vollgeschrieben, sondern mit Informationen gefüllt, die er während der Ermittlungen in der Hypo- und Buwog-Affäre aufgeschnappt haben will. Minister, Parteisekretäre, Medienleute und vor allem FPÖ-Politiker sind darin genannt. Immer wieder notiert selbst Meischberger Ausrufe wie „Wahnsinn!!“ oder „Unglaublich!“. „Alles in allem“, so vermerkt er einmal, „ist es schon unglaublich, was so alles passiert.“

Der Falter kennt die Namen der in dem Buch genannten FPÖ-Funktionäre, es wäre medienrechtlich zulässig, sie alle zu nennen. Sie weisen die Vorwürfe zurück oder sind nicht erreichbar. Auch weil die Staatsanwaltschaft in ihren Ermittlungen noch völlig am Anfang steht und erst geklärt werden muss, ob die Vorwürfe zu Recht bestehen, verzichten wir darauf, die Namen zu nennen. Sie sind der Korruptionsstaatsanwaltschaft bekannt. Nur eines muss festgehalten werden: Rechnungshofpräsident Josef Moser, der von Österreich beschuldigt wird, in die Sache involviert zu sein, kommt in dem Tagebuch nicht vor.

Die Öffentlichkeit, so entschied die Falter-Redaktion, hat aber das Recht, die Tagebuchinhalte in groben Zügen kennenzulernen. Denn sie sind in vielen Punkten, wie Recherchen zeigen, nicht falsch. Die Geschichte einer Ex-Regierungspartei und ihrer Vorstellung von Anstand, Recht und Ordnung könnte völlig neu geschrieben werden.

Meischbergers Tagebuch behandelt mehrere Themenkomplexe. Zunächst berichtet der ehemalige Generalsekretär der FPÖ und nunmehrige Lobbyist über seine eigenen Sorgen in der Causa Buwog. Meischberger wird ja verdächtigt, gemeinsam mit dem Lobbyisten Peter Hochegger und dem Immobilienmakler Ernst Plech beim Verkauf von 60.000 Buwog-Wohnungen zehn Millionen Euro Schwarzgeld veruntreut zu haben. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, wo das Geld verblieben ist. Eine Kontenöffnung beim damals politisch verantwortlichen Finanzminister Karl-Heinz Grasser steht unmittelbar bevor.

Meischberger berichtet in seinem Tagebuch nicht nur über seine Angst, observiert und abgehört zu werden und über seine möglicherweise falschen Aussagen. Er erzählt auch über seine Treffen mit Grasser im Hinterzimmer seines Büros und über dessen „Paranoia“ und ein „Gefahrenpotential“ in der Schweiz.

Dann berichtet der Lobbyist über unmoralische Angebote eines Polizisten, das Buwog-Verfahren gegen ein bisschen Schmiergeld beeinflussen zu können. Franz Koloini, der ehemalige Haider-Sekretär, legte ihm hier angeblich die Rutsche.

Über viele Seiten dokumentiert Meischberger auch, was ihm dieser Koloini über Interna des engsten Beraterkreises rund um Jörg Haider zugetragen haben soll. Es sind Informationen, die vor allem Haiders angebliches Millionenvermögen und seine „Privatreisen“ zu Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi in einem neuen Licht erscheinen lassen könnten.

Grassers „Gefahrenpotential“

Zunächst zu Grasser, dessen Trauzeuge Meischberger war. Der Ex-Finanzminister hatte sich ja im Herbst 2009 demonstrativ angewidert von Meischberger abgewandt, als die Buwog-Provisionen aufflogen. Er pflege keinen Kontakt mehr zu diesem Meischberger, versicherte Grasser. Das gemeinsame Büro werde aufgelöst. Er, Grasser, habe schließlich „supersauber“ gehandelt und keinen Cent erhalten. Er habe einen Wutausbruch bekommen, als er von den Schwarzgeldkonten und Briefkastenfirmen seiner engsten Berater erfahren habe. Seltsam nur, was in dem schwarzen Notizbüchlein zu lesen ist.

„ 24. November 2009. Heute habe ich seit langem wieder einmal mit KHG gesprochen. Er ist noch immer etwas paranoid und wir haben uns im Hinterzimmer meines Büros gesetzt. Zuerst gab es eine kleine Diskussion über die medialen Verhaltensweisen. Gegenseitige Erklärungen machen wenig Sinn. (…) Insgesamt bin ich froh, darüber mit ihm gesprochen zu haben. So kommt man sich wieder näher. Er wird mit G. (einem Anwalt, Anm.) am 3.12. nach Zürich fliegen und die Dinge mit W. (ein Schweizer Treuhänder, Anm.) klären. Hier liegt noch Gefahrenpotential. “

Gefahrenpotenzial? Hinterzimmer? Paranoid? Und wer ist der Treuhänder W., mit dem man „die Dinge klären“ muss? Gemeint ist wohl Norbert W., ein Zürcher Vermögensverwalter, der ein 500.000-Euro-Investment Grassers, angeblich nur das Vermögen seiner „Schwiegermutter“, beim Hypo-Investor Tilo Berlin angelegt hatte. Das Investment für die Bank, die später die Republik Milliarden kostete, war äußerst lukrativ. Rendite: 50 Prozent. Das Geld wurde über Briefkastenfirmen namens „Mandarin“ und „Ferint“ im Kreis geschickt. Sowohl Meischberger als auch Grasser haben ihre Vermögen bei diesen Briefkastenfirmen und beim selben Vermögensberater angelegt. „Zufällig“, wie Grassers Anwalt Manfred Ainedter beteuert. Die Justiz will den Verdacht ausräumen, dass über diesen Treuhänder Gelder an Grasser geflossen seien.

Ein korrupter Verfassungsschützer?

Meischberger sitzt in der Klemme. Er soll sechs Millionen Euro Steuern nachzahlen. Er fürchtet, dass der Rest seines Vermögens beschlagnahmt wird. Er hat vielleicht sogar eine Gefängnisstrafe zu erwarten, denn noch ist nicht klar, ob seine Selbstanzeige rechtzeitig, also strafbefreiend, erfolgte. Bei seinen Freunden finden Hausdurchsuchungen statt. Sein ehemaliger Partner, Peter Hochegger, beginnt über „Meischis“ gute Kontakte ins Finanzministerium auszupacken.

Da bekommt Meischberger über Franz Koloini offenbar ein unsittliches Angebot: Er könne eventuell einen Beamten des Kärntner Landesamts für Verfassungsschutz bestechen. Dieser arbeite hin und wieder im Buwog-Ermittlerteam mit. Im Notizbuch finden sich folgende Einträge:

„ Am Abend treffe ich Franz Koloini. Er erklärt mir die Hintergründe bezüglich des Staatspolizisten, der mir seine Dienste anbietet. Es handelt sich um einen Kärntner, der Chef der nicht Uniformierten in Kärnten hätte werden sollen, aber es nicht wurde, weil Jörg verunglückte. Er ist der Freund der Tochter von —- (Name eines ehemaligen FPÖ-Abgeordneten, Anm.). Er will ca. Euro 5000 und würde dadurch den positiven Kontakt zu einer leitenden Beamtin in der StA (Staatsanwaltschaft, Anm.) herstellen. Damit könnte man den Bericht sozusagen ‚positiv drehen‘. Es muss sich dabei um die Frau —- (Name der Red. bekannt, Anm.) handeln. Die wäre dann in einer anderen Größenordnung zu haben. So die Botschaft. Sein Name ist —- (Name der Redaktion bekannt, Anm.). Er ist Gruppenleiter und ein Sympathieträger innerhalb der Polizei. Mitglieder seiner Gruppe wechseln immer wieder in die Ermittlungsteams in unserer Sache. Morgen um 10.00 Uhr trifft Koloini den Polizisten. Dann sollte ich Namen und Möglichkeiten der Dame erfahren. Ich habe Bereitschaft signalisiert. “

Meischberger signalisiert „Bereitschaft“, die Polizei zu bestechen? Oder war es, wie er später beteuerte, nur eine Falle, um die korrupte Polizei vorzuführen? Das Bundesamt für Korruptionsbekämpfung ermittelt.

Meischberger und Grasser bestätigen, dass sie ein Gespräch über diesen Polizisten führten. Doch sie waren, wie sie beide beteuern, fassungslos, dass es so ein unsittliches Angebot in diesem Land gebe. Grasser, so sagt sein Anwalt Manfred Ainedter, habe Meischberger geraten, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Das wollte Meischberger aber offenbar doch nicht. Im Notizbuch findet sich dazu dieser Eintrag:

„ 05.02.2010 Heute hat mich wieder Franz Koloini angerufen. Er ist wirklich ein netter Kerl. Obwohl er seinen eigenen Krieg hat, kümmert er sich auch noch um meinen. Er hat wieder mit —- (dem Staatspolizisten, Anm.) gesprochen. Der hat alle seine Forderungen zurückgenommen. Er war damals in einer komischen Laune. Ich habe Top-Informationen erhalten. Zum ersten erhielt ich die Nachricht, dass ich nicht besonders observiert wurde. Das war aber schon die einzige gute Nachricht. Schlecht ist das ‚Normalprogramm‘, das mit mir und den anderen durchgeführt wird. Abhören per Computer, das ‚Nachhören‘ aller verdächtigen Gespräche durch die GPS-Peilung, das Abhören von Gesprächen durch GPS und Bluetooth, das komplette Verfolgen meiner Internetverbindungen und aller Emails, etc. D.h. die wissen so ziemlich alles. Das bedeutet auch, dass jedes meiner Skype-Gespräche – auch mit Ernst (Plech, Anm.) – abgehört wurde. Auch sind meine Treffen, und wahrscheinlich auch das Gespräch mit —- (ein Hypo-Bankier, der Meischberger das Schwarzgeld in Wien in Kuverts überreichte, Anm.) vor meiner Aussage irgendwie aufgezeichnet. D.h. dass auch meine Aussagen nicht gestimmt haben. Bin gespannt, was da noch herauskommt. Jedenfalls hab ich ein ganz ungutes Gefühl, denn ich kann praktisch nicht mehr kommunizieren ohne auch andere zu gefährden. “

Meischberger hat Recht. Er wurde überwacht. „Im Zuge der Abhörung der Gesprächsinhalte“, so hielt das Bundeskriminalamt in einem Aktenvermerk im Februar fest, konnte „die Erkenntnis gewonnen werden, dass sich die (…) Beschuldigten Ernst Karl Plech und Walter Meischberger im Glauben, dass sie damit keine Spuren bzw. Daten hinterlassen (…) mittels Skype, sowie per Email (…) in der Causa verabreden“. Die Staatsanwaltschaft stellte keinen Haftbefehl wegen Verabredungsgefahr aus.

Ernst Plech kommt immer wieder im Tagebuch vor. Die Ermittlungen gegen den Immobilienmakler bereiteten Meischberger offenbar Sorgen. Plech war nicht nur der Berater von Ex-Finanzminister Grasser, sondern einst auch Financier von Jörg Haider. Grasser setzte Plech in den Aufsichtsrat, also die Kontrollinstanzen, der staatlichen Immobiliengesellschaften Buwog und BIG. Dort soll er, so der Verdacht der Ermittler, nicht nur die Interessen der Republik gewahrt haben, sondern vor allem auch seine eigenen. Auf 2,2 unversteuerte Millionen Euro soll Plech Zugriff gehabt haben, so der Verdacht. Im Februar gab es auch bei ihm eine Hausdurchsuchung. Plech bestreitet. Meischberger notiert:

„ (…) es fällt mir auf einmal das Brot aus dem Mund. Zufällig!! Komme ich drauf, dass Ernst in seinem Tresor die Unterlagen meines damaligen Haider-Deals gehabt hat. Alles bei der HD (Hausdurchsuchung, Anm.) gefunden. Auch eine Kopie des Sparbuchs. Ein gefundenes Fressen für die rote Meute. “

Eine hässliche Geschichte wird nun via News publik. Die FPÖ hat Meischberger mit Geld ein Mandat abgekauft, um ihn loszuwerden. Im Jahr 1999 wurde der damalige FPÖ-Generalsekretär Meischberger wegen Steuerbetrugs verurteilt. Die Partei der Anständigen und Tüchtigen überreichte ihm in der Kanzlei des späteren Justizministers Dieter Böhmdorfer ein Sparbuch über 2,5 Millionen Schilling, um den Wahlkampf nicht weiter zu gefährden und „Meischi“ vor Erlangen der Pensionsansprüche zum Rücktritt zu drängen. Über die Versteuerung, sagt Meischberger vor dem Staatsanwalt, habe er lange nachgedacht. Aber er sei „noch zu keinem Ergebnis gekommen“.

Sponsorengeld als Schmiergeld?

Jörg Haider und seine engsten Begleiter. Auch sie tauchen in dem Tagebuch einige Male auf – und es werden Dinge über ihn und seine Entourage erzählt, die die Justiz, aber auch der Nationalrat in einem Untersuchungsausschuss werden aufklären müssen. Denn der ehemalige Protokollchef der Landesregierung Franz Koloini war gegenüber Meischberger offenbar äußerst redselig. Und Meischberger schrieb zu Hause alles auf, was Koloini so erzählte.

Die beiden sitzen laut Tagebuch einmal im Fino, einem Restaurant in den Tuchlauben, nur wenige Schritte von „Meischis“ Büro entfernt.

„ Später im Fino hat Franzi etwas aus der Schule geplaudert. Unglaubliche Geschichte. Patrick Friesacher in die Formel 1, Schumacher zum FC Kärnten, Hypo – Missbrauch und viele Geschichten.“

Patrick Friesacher ist ein Formel-1-Rennfahrer, der das Kärnten-Logo auf seinem Helm tragen sollte. Die Sponsorengelder dafür soll Jörg Haider angeblich von potenten Russen erhalten haben, die dafür die Staatsbürgerschaft erhielten, so der Verdacht. Einen Großteil des Geldes, so sagte Koloini aus, etwa 190.000 Euro, habe er Haider ins Büro gebracht. Was er damit tun solle, fragte Koloini Haider. Und der soll gesagt haben: „Dolossn!“ Der FC Kärnten wiederum ist jener Fußballklub, den Haider in Kärnten protegierte und für den die Hypo Sponsorengelder in der Höhe von rund sieben Millionen Euro überweisen sollte, wie deutsche Medien enthüllten. Die Staatsanwaltschaft München geht davon aus, dass es „Bestechungsgeld“ für Haider war. Schumacher (Thiago Maier dos Santos) ist Fußballer, spielte beim FC Kärnten, ist jetzt bei Austria Wien.

Gaddafis Millionen und eine schwer verletzte Frau

Koloini plaudert weiter. Etwa über einen ehemaligen Haider-Vertrauten (Name der Redaktion bekannt), der plötzlich von der Bildfläche verschwunden sei und sich angeblich in der Schweiz um das Vermögen Gaddafis kümmere.

„ Der —- (Name des Haider-Vertrauten, Anm.) hat mit 32 ! Millionen Euro den Haider anständig hineingelegt. Das Geld stammte von einer 45 Mio. Überweisung von Gaddafi.“

Gaddafi: Das ist der libysche Revolutionsführer, zu dem Haider einst gemeinsam mit Hypo-Bank-Chef Wolfgang Kulterer ins Wüstenzelt schlüpfte. Den Flug, so fanden Hypo-Ermittler dieser Tage heraus, bezahlte die Hypo, die Gelder Gaddafis verwaltet haben soll. Bei einem Untersuchungsausschuss in Kärnten hatte Haider dem Landtag noch erzählt, er habe den Flug privat bezahlt.

Gaddafis Sohn Saif al-Islam Gaddafi gilt als Reformer und möglicher Nachfolger seines Vaters Muammar. Er war mit Haider eng befreundet. In Interviews machte Saif Gaddafi keinen Hehl daraus, dass die FPÖ finanziell unterstützt werde. In einer Villa in Döbling hat er ein Domizil. In Schönbrunn brachte er weiße Tiger unter. Beim Opernball saß er in Haiders Loge. Koloini berichtet Meischberger laut dessen Tagebuch, wofür Teile der Gaddafi-Millionen angeblich auch verwendet worden sein sollen. Es gab nämlich einen …

„ … ‚Unfall‘ bei einer Feier in Wien, bei dem ein Mädchen umgekommen ist. Für 45 Mio ist bei —- (es folgt der Name eines großen Medienunternehmens, Anm.) die Titelgeschichte weggekauft worden, dem —- (es folgt der Name eines Baumanagers, Anm.) der —- Flug vergoldet worden und dem —- (einem Mitglied der Nationalbank, Anm.) das eine oder andere Milliönchen bezahlt worden. “

Was kann damit gemeint sein? Gab es tatsächlich einen „Unfall“ bei einer Feier, der vertuscht werden sollte? In den Zeitungsarchiven finden sich am 14. Juli 2007 durchaus brisante Meldungen. Eine „bildhübsche“ Ukrainerin namens Nadya B., angeblich die Freundin von Gaddafi junior, sei schwer verletzt im Garten vor der streng bewachten Villa des Wüstensohns gelegen.

Bei der Spurensuche auf dem Nobelanwesen, so berichtete die Krone, hätten die Ermittler der Kriminaldirektion neben einem vor der Terrasse stehenden Baum die Stiefel von Nadya B. gefunden. In Strümpfen sei die 22-Jährige den Stamm hinaufgeklettert, als plötzlich ein Ast abbrach und sie kopfüber in die Tiefe fiel. Sie schwebe im Koma, es bestehe Lebensgefahr. Ein „Unfall“, vermeldete der Kurier schon tags darauf. In einem Anfall von Eifersucht sei die Frau über einen Baum zum Balkon Gaddafis geklettert und abgestürzt. Der „Wüstensohn“, so berichteten die Zeitungen, konnte aber leider nicht befragt werden. Denn er weilte plötzlich im Ausland.

Eine merkwürdige Geschichte, die so aber nicht ganz stimmen dürfte. Aus Kreisen des Innenministeriums war zu erfahren, dass die Ukrainerin vom Balkon gestürzt war. Es dürfte sich auch nicht um Gaddafis Freundin gehandelt haben, sondern um eine Frau, die seinen Leibwächtern zu Diensten war. Sie sei betrunken gewesen. Der Diktatorensohn selbst soll während des Vorfalls geschlafen haben. Nur wenige Stunden nach dem Ereignis machte er sich mit einem Privatjet aus dem Staub. Die Polizei hat ihn bis heute nicht dazu einvernommen. Ob die Frau wirklich nur stürzte oder vielleicht vor brutalen Männern flüchten wollte, wurde nie restlos geklärt.

Koloini, so notiert zumindest Meischberger, erzählt noch weitere Geschichten über die Verwendung der libyschen Millionen:

„ —- (ein ehemaliger Sekretär und Vertrauter von Gaddafis Sohn, Anm.) hat 5 Mio für fehlende Gelder der Seebühne abgeholt. Mit dem Rest ist —- (ein Sekretär Haiders, Anm.) abgehaut. Haider hat ihn suchen lassen, aber —- hat nur gesagt: ‚Wenn man mir drohen will, dann werden wir halt darüber reden, woher dieses Geld stammt.‘ Und noch auf zwei wunde Punkte Haiders soll —- (der Sekretär, Anm.) seine Finger gelegt haben. Jedenfalls war die Sache damit erledigt. Eine unglaubliche Geschichte, über die bis heute nicht berichtet wurde. Eigentlich ein Wahnsinn. “

Das Saddam-Geld

Ein weiterer „Wahnsinn“ betrifft einen anderen arabischen Diktator: Saddam Hussein. Meischbergers Wissen könnte vielleicht Klarheit schaffen, warum Haider zwei Mal in den Bunker dieses Mannes fuhr, um dort die Hand des mörderischen Despoten und seines Sohnes Udai, eines für seine Brutalität berüchtigten Psychopathen, zu schütteln. Waren es wirklich humanitäre Motive, die Haider damals in den Irak lockten und dem internationalen Gespött preisgaben? Meischberger notiert:

„ Weiters bestätigte Franzi die Sache mit dem Saddam-Geld. Über 10 Mio Euro wahrscheinlich 15 Mio haben sie damals aus dem Irak heimgebracht. Denen war nichts zu blöd. Info: —- (ein FPÖ-Minister, Anm.) war auch dabei! (…) Eine weitere interessante Info betrifft —- (ein enger Vertrauter Haiders, Anm.). Der soll ziemlich in der Hypo Sache stecken und am Deal von Tilo Berlin kräftig mitverdient haben. Das wäre an sich noch nichts schlimmes, aber die Herkunft des Geldes schon. Euro 5 Mio !!! soll er im Koffer aus der CH nach München gebracht haben und so investiert haben. Die 5 Mio kommen vom Konto der ermordeten Söhne von Saddam Hussein, das von einem ‚Bekannten‘ in der CH verwaltet wurde. “

Haider hatte Geld von Saddam Hussein erhalten? Ist das alles nur eine wilde „Raubersgschicht“? Oder doch die Geschichte von Räubern?

Im Innenministerium verfolgt man mit großer Besorgnis, dass sich in Österreich und vor allem auch in Kärnten Mitglieder von Saddams Baath-Partei als Asylwerber niederlassen und innerhalb weniger Monate über große Vermögen verfügen.

Ist es glaubwürdig, dass Saddam-Geld in der Schweiz liegt? Nach dem Sturz des Regimes wurde bekannt, dass Firmen, die im Irak Öl kaufen wollten oder Hilfsgüter lieferten, enorme Kickbacks an das Regime zahlen mussten. Die Gelder, so berichtete die New York Times, seien bar an irakische Botschafter in Europa, etwa auch der Schweiz, überbracht und dann angelegt worden. Profil berichtete damals, dass auch die österreichisch-irakische Freundschaftsgesellschaft (eine Schnittstelle von FPÖ-Politikern und irakischen „Geschäftsleuten“) profitiert haben könnte.

Geheimtreffen mit Grasser, Millionen aus Libyen, Geldkoffer mit dem Vermögen der Saddam-Söhne, ein korrupter Staatspolizist und ein mysteriöser Unfall vor Gaddafis Villa, über den die Zeitungen nur in Randspalten berichteten.

Es sind abenteuerliche Geschichten, die Kärntens ehemaliger Protokollchef Franz Koloini Meischberger erzählt haben soll. Vom Falter mit den Vorwürfen konfrontiert, sagt Koloini: „Ich gebe dazu keinen Kommentar ab.“ Auch Walter Meischberger verweigert jede Stellungnahme.

Die Akte Meischberger, so steht zu befürchten, wird wohl noch weiter anwachsen. Und vielleicht wird er noch manchen ähnlichen Tagebucheintrag verfassen, wie an jenem einsamen Februarabend dieses Jahres. „Am Abend lese ich dann meine Protokolle durch“, notierte „Meischi“, „und gehe bald schlafen.“

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  1. Gelernter Österreicher
    8. August 2010, 19:43 | #1

    das erinnert mich immer wieder an “die Krone”, die schreibt auch immer : “Der Strafakt liegt uns im Original vor.”
    Versteh ich das jetzt richtig ? Die Korruptionsstaatsanwaltschaft kassiert das Meischi-Tagebuch und bevor sie die Untersuchung beginnt, kopiert und verteilt sie es x-mal ???
    Wird höchste Zeit, daß die gegen sich selbst ermitteln !
    Es lebe die Weintraubenrepublik ! :-)

  1. 4. August 2010, 00:02 | #1