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17. Feb 2009

Elektroschocks in der Schubhaft

In der morgen erscheinenden Ausgabe des Falter berichte ich über den Einsatz der Elektroschockwaffe “Taser” gegen einen Schubhäftling. (siehe hier die Vorab-Meldung)
Der Flüchtling drohte in seiner Zelle mit Selbstmord. Er hatte eine Rasierklinge dabei, ritzte sich die Arme auf und bat um ein Gespräch mit seinem Therapeuten. Stattdessen kam die Anti-Terroreinheit Cobra und versetzte ihm einen 12.000 Volt-Stromstoß. Der Einsatz sei gerechtfertigt, urteilt die Polizei. Nadja Lorenz, die Anwältin des Flüchtlings, klagt nun wegen Misshandlung.
Eines steht heute schon fest: in Strafanstalten (sie unterstehen dem Justizministerium) wurde der Taser verboten, weil er zu gefährlich sei. In der Schubhaft (sie untersteht dem Innenressort) ist er jedoch gegenüber Flüchtlingen erlaubt. Das ist unverständlich. Der Staat spricht keine klare Sprache.
Noch etwas wird klar: der Taser wird nicht nur gegen brutale Gewalttäter eingesetzt, sondern gegen suizidgefährdete Flüchtlinge, gegen Sonderlinge und psychisch Kranke.
Immer wieder behaupten Politiker ja, der Einsatz des Tasers sei ungefährlich. Zuletzt ließ sich ein FPÖ-Politiker beschießen. Er trug allerdings eine Schutzbrille und wurde von Beamten aufgefangen, ehe er auf eine weiche Matte fiel. Der Flüchtling in Niederösterreich jedoch knallte auf den harten Zellenboden. Da er alleine in der Zelle saß (er wurde durch die Gitter der Zelle beschossen) fing ihn auch niemand auf.
Die durch den Taser verursachten Krämpfe führen dazu, dass Menschen völlig ungeschützt stürzen. Ich empfehle folgende Youtube-Videos zu betrachten, um sich ein Bild zu machen, wie Polizisten mit dem Gerät eben auch umgehen. Im ersten You-Tube Video kam ein Mann, der mit Stühlen um sich warf, nach einem Taser-Einsatz in Kanada zu Tode. Das andere Video zeigt eine Frau, die bei einer Verkehrskontrolle frech war – und umgehend mit dem Gesicht auf den Asphalt stürzte, nachdem sie Elektroschocks bekam. Wollen wir das alles wirklich auch bei uns?

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  1. georgM
    1. Januar 1970, 00:00 | #1

    Stellt sich mir die Frage, ob ein Rasierklingeneinsatz des Flüchtlings gegen seine Halsschlagader glimpflicher ausgegangen wäre, als der Taser-Einsatz??
    In der Tat ist es seltsam, dass ein derartiger Selbstmordversuch/verletzungsversuch mit Gewalt in Form von Taser bekämpft wird.
    Ich finde den Absatz über den Sturz komisch. Wenn er saß (wo? am Boden?) wird er wohl nicht tief gefallen sein aber das ist von hier nur schwer zu beurteilen.
    Das Ganze spricht dennoch nicht für die Kompetenz des dort zuständigen Personals, wenn die in so einem Fall gleich die Cobra rufen..

  2. leon
    1. Januar 1970, 00:00 | #2

    Glock 17 oder Pfefferspray ist auch nicht besser.
    Die Frau in dem Video war selber schuld.
    Die Polizei ist einmal eine Authorität, wenn sie Anweisungen gibt, muss man denen Folge leisten.
    Die Polizisten,(zum Glück war einer Afroamerikaner, sonst wärs rassistisch auch noch), waren sehr lange sehr freundlich.
    Thats all about it !

  3. Hansimglück
    1. Januar 1970, 00:00 | #3

    Habe mir das zweite video angesehen und finde wie lange sollten sich die männer noch mit ihr spielen.. sie hatte offensichtlich einen unfall (kaputte scheibe) und biss (falls ich das richtig verstanden habe) eine andere person.. sie wurde gebeten aus zu steigen.. sie weigerte sich.. sie wurde handgreiflich gegen den polizisten und wurde festgenommen.. sie kam den forderungen immer noch nicht nach und wurde getasert und mit handschellen geschlossen.. optimal gelaufen.. kein polizist verletzt

  4. Roman
    1. Januar 1970, 00:00 | #4

    Warum hat man hier nicht wie sonst ueblich Pfefferspray verwendet?
    Den Gebrauch von Taser und Waffen mit aehnlicher Wirkung sollte man auf eine Stufe mit den bisherigen toedlichen Waffen stellen um den Missbrauch einzuschraenken, respekt. diese komplett verbieten.
    Ich habe durchaus Verstaendnis fuer die Situation der Polizisten, die sich hier dem Haeftling nicht aussetzen wollten, aber leider kann man sich auch zu gut vorstellen, wie das abgelaufen sein koennte …
    “Schias, is eh nur Strohm – schias!”

  5. 1. Januar 1970, 00:00 | #5

    Muss sagen, ich bin gegen den Einsatz von Tasern. Gerade auf Distanz angewendet kann man, abhängig davon wo man von den Projektilen getroffen wird, Menschen schwer damit verletzen. Von Todesfällen ganz zu schweigen. Da gibts doch sicher auch andere Methoden…

  6. 1. Januar 1970, 00:00 | #6

    Wie ist den die Rasierklinge überhaupt zum Häftling in die Zelle gekommen? Mit einer solchen könnte dieser ja auch andere Insassen bez. Wärter verletzen!

  7. Georg
    1. Januar 1970, 00:00 | #7

    Immer wird gleich der “böse Taser” thematisiert. Ich finde, ein Pfefferspray ist schlechter als der Taser, denn er macht bei weitem nicht so handlungsunfähig wie ein Elektroschock. Sprich, der Selbstmordwillige könnte sich selbst noch was antun oder Beamte angreifen.
    Der Taser ist aber vor allem eine Ersatzwaffe für eine Faustfeuerwaffe in Grenzsituationen! Meiner Meinung nach rettet das Ding auch eine Menge Leben, aber die scheinen ja wie immer nirgendwo auf. Natürlich öffnet man den Einsatzbereich nach unten, allerdings ist es auch so, dass meiner Meinung nach das Leben und die Gesundheit des Beamten vor der Gesundheit von jemandem geht, der körperlichen Widerstand bei einer Amtshandlung leistet.
    Jedenfalls scheint für mich die Letalitätsquote des Taser tolerierbar – vor allem wenn man es mit den positiven Auswirkungen auf der anderen Seite vergleicht, und in vielen der Todesfälle mit Taser-Beteiligung der Taser gar nicht verantwortlich sein dürfte, sondern die Amtshandlung o.ä.
    “nach unten” müsste man den Einsatz des Tasers natürlich streng reglementieren, denn ein konventionelles Autoritätsmittel darf so etwas nicht sein.

  8. mp1
    1. Januar 1970, 00:00 | #8

    @leon (und allen anderen, die Taser-Einsätze wie diese für OK halten): offensichtlich sind Sie der englischen Sprache nicht besonders mächtig. Sonst hätten Sie mitbekommen, dass der Beamte an der Beifahrertür (nachdem der Mann ganz am Anfang diesem erzählt hat, sie hätte ihn gebissen) sie sofort mit Taser-Einsatz bedroht hat, wenn sie nicht sofort aussteigt. Der Aufforderung ist sie auch ganz ruhig nachgekommen, bis sie der Beamte auf der anderen Seite ohne jeglichen Grund aus dem Auto gezerrt hat.
    Erst dann hat sie diesen angeschrien, dass er sie loslassen soll und sie ohnehin freiwillig aussteigt. Das hat sie dann auch nochmals wiederholt, woraufhin der Beamte ihr gesagt hat, sie sei verhaftet. Auf ihre weiteren Proteste hinauf wurde sie getasert, allerdings ohne dass sie irgendwann irgendjemanden mit irgendwas bedroht hatte.
    Die Eskalation ist also eindeutig von den Beamten ausgegangen. Die Frau hat – m.M.n. mit gutem Recht – nur auf eine anständige Behandlung bestanden, aber weil die Cops lieber Rambo spielen wollten ist die Situation eskaliert.
    Ein klassisches Beispiel für extremstes Versagen der Polizei und warum Taser eine massive Gefahr darstellen, weil sie von Möchtegern-Rambos sorglos und grundlos eingesetzt werden.
    Zum oberen Video sage ich lieber nichts sonst vergesse ich meine gute Kinderstube. Außer dass ich hoffe, dass die beteiligten Beamten für lange Zeit hinter Gitter gelandet sind.
    Bez. FPÖ sage ich nur: wie immer HIRNLOS!

  9. Taser_Man
    1. Januar 1970, 00:00 | #9

    Habe Sie soviel Angst, dass man die Meinung zum Taser hin ändern könnte, oder warum veröffentlichen sie nur harmlose Meinungen von Lesern? Ich habe Ihnen schon einmal geshrieben, dass in Amerika die Ausbildung am Taser mit der in Österreich nicht verglichen werden kann. Sie können ein Auto einem Menschen geben der noch nie gefahren ist bzw. im nur erklärt haben wie er fahren soll. Fährt er jemanden nieder verbieten sie doch auch nicht alle Autos. Genauso verhält es sich beim Taser. In Österreich wird kein “normaler” Polizist wegen einer Verkehrskontrolle den Taser ziehen (außerdem, hat er überhaupt einen mit?). Der Taser wird bei Situationen eingesetzt wo keine gelinderen Mittel mehr ausreichen und ein Schusswaffengebrauch nicht angezeigt ist um den Täter zu überwältigen.
    FAZIT: Der Taser kann nicht von jedem beliebigen Exekutivbeamten eingesetzt werden, da eine besondere Ausbildung notwendig ist.

  10. 1. Januar 1970, 00:00 | #10

    Man muss sich das mal vorstellen: Da will jemand sein elementarstes Freiheitsrecht in Anspruch nehmen und wird dafür mit Elektroschocks gefoltert. Da wirft jemand mit “hochgefährlichen” Stühlen oder besteht unter völliger Gefahrlosigkeit auf eine respektvolle Behandlung, wird dafür mit Strom niedergestreckt und die entsprechenden Polizisten werden im Gegenzug auch noch verteidigt, weil sie sich ja den Daumennagel hätten abbrechen können.
    Unverhältnismäßigkeit, sagt dieses Wort einem der geschätzen Kommentatoren etwas?

  11. meisterdesarchives
    1. Januar 1970, 00:00 | #11

    möchte nicht das grüne Gezeter hören wenn sich der Schubhäftling selbst getötet hätte.

  12. tobi
    1. Januar 1970, 00:00 | #12

    Es geht auch darum dass sichs die Polizisten leichter machen mit der Festnahme wenn jemand aufmüpfig wird. Anstatt lange rumzudebatieren, und auch eventuell angegriffen und verletzt zu werden, wird so einfach auf die Schnelle getasert und fertig! Sieht man besonders gut beim zweiten Video, bei dem sich die Frau extrem unkooperativ zeigt und zugegebenerweise nervt.
    Trotzdem ein unrechtmäßiger Gebrauch, dass hätten die beiden Polizisten auch besser lösen können, ohne der Frau zu schaden. Sie sind schließlich nur die Exekutive und sollen nicht an Ort und Stelle bestrafen dürfen.

  13. Unwichtig
    1. Januar 1970, 00:00 | #13

    Misshandlungsvorwürfe gegen Polizei
    Seit dem Tod des Schubhäftlings Marcus Omofuma bei seiner Abschiebung vor zehn Jahren hat die österreichische Polizei immer wieder Misshandlungsvorwürfe auf sich gezogen. Derzeit wird über den Fall des US-Lehrers Mike B. diskutiert, der angeblich aufgrund einer Verwechslung mit einem Drogendealer von Polizisten verprügelt wurde. Nun übt auch der aktuelle US-Menschenrechtsbericht Kritik an der “besorgniserregenden Polizeibrutalität” in Österreich.
    Meine Meinung dazu:
    Gerade die USA haben es wieder einmal nötig, auf andere Länder (u.a. auch Österreich) wieder hinzuhauen.
    Wielange werden solche Berichte von sogenannten “US-Menschenrechtsberichten” von unseren Politikern eigentlich noch hingenommen werden? Die Typen sollten lieber vor der eigenen Türe kehren, wie Beispiele von Gefangenenmißhandlungen im Irak, Guantanamo, hunderte Taser-Tote seit Einsatz der Taser belegen.
    Irgendwie werden die Amis immer mehr paranoider in ihrem Gerechtigkeitswahn und vergessen selbst darauf, wie tief sie selbst im Dreck stecken!

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