Home > Archiv

Archiv für Januar 2009
20. Jan 2009

Tschetschenenmord in Wien: die geheimen Protokolle der Polizei

Am 10. Juni 2008 informierte ein reumütiger russischer Agent den Verfassungsschutz darüber, dass der Tschetschene Umar Israilov ermordet werden sollte. Aus „Kostengründen“ verweigerte die Republik dem Flüchtling Personenschutz. Vergangene Woche wurde er erschossen (für Falter)
Einmal warteten die Männer in einem VW-Bus vor seiner Wohnung in der Leopoldauer Straße in Wien Floridsdorf. Als Umar Israilov, 27, aus seinem Küchenfenster blickte, schien es ihm, als deute einer der Männer mit dem Finger auf ihn. Das war am 3. Juli 2008 um zwei Uhr nachts.
Als Umar Israilov um halb fünf Uhr früh einen zweiten Blick aus seinem Küchenfenster riskierte, waren die Männer im Bus immer noch da.
Er dachte: Da sind sie also. Nur ein halbes Jahr später, am Dienstag der vergangenen Woche, rannte er auf dieser Straße vergeblich um sein Leben.
Umar Israilov ahnte, was die Männer wollten. „Zwei Killer sind schon ganz hungrig, mich zu töten“, gab er am 10. Juni 2008 beim Landesamt für Verfassungsschutz zu Protokoll. Vergeblich bat er um Personenschutz.
Umar Israilov war kein Feigling, doch nun in Floridsdorf bekam er es mit der Angst zu tun. Er hatte als tschetschenischer Rebell aufseiten der Wahabiten gegen die Russen gekämpft, die in den Dörfern wüteten. Er war im April 2003 verschleppt, gefoltert und erpresst worden, wie er beklagte. In einem Boxklub im tschetschenischen Gudermes hätten ihn die Truppen des russlandtreuen Präsidenten Ramsan Kadyrow eingesperrt. Sie brachen Umar Israilov die Nase, und als sie geknickt war, erzählte Umar seiner Frau Malizha, rückte sie ein Folterknecht mit einem Fausthieb zurecht.
Umar Israilov müsse nun für die „Kadyrovskis“ arbeiten, die putintreuen Truppen, beschieden ihm die Russen, andernfalls würden er und seine Familie ermordet. So wurde Umar Israilov für ein paar Monate Mitglied von Kadyrows Leibgarde. Dann flüchtete er über Polen nach Wien.
Seine Geschichte sei glaubwürdig, beschieden die Asylbehörden im Juni 2007. In Wien baute Umar Israilov sein neues Leben auf. Er ist verheiratet und hat drei Kinder, seine mit ihm geflohene Frau ist mit einem vierten schwanger. Die Familie schlief in einem Bett, unter dem seine Pistole lag.
Umar Israilov war nicht irgendein Flüchtling.

Mehr…

Kategorien: Texte für den FALTER Tags:
09. Jan 2009

Jubelmeldung

Falter: Florian Klenk gewinnt Prozess gegen Peter Westenthalers BZÖ
Oranger Klub nicht rechtskräftig zu 2500 Euro Entschädigung und
Veröffentlichung verurteilt

Wien (OTS) – Der stellvertretende Chefredakteur und Politikchef
der Wiener Wochenzeitung Falter, Florian Klenk, gewann heute in
erster Instanz einen Medienprozess gegen den BZÖ-Parlamentsklub. Der
BZÖ-Parlamentsklub muss aufgrund einer per OTS verbreiteten
ehrenrührigen Behauptung seines damaligen Obmanns Peter Westenthalers
2.500 Euro Entschädigung sowie die Prozesskosten an Klenk bezahlen.
Außerdem muss der Parlamentsklub den Spruch des Gerichtes auf eigene
Kosten veröffentlichen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, der
Anwalt des BZÖ legte Berufung ein.
Der damalige Klubobmann Westenthaler hatte sinngemäß behauptet,
Klenk und Martin Kreutner, der Chef des Büros für Interne
Angelegenheiten (BIA), würden den Anti-Korruptionsverein Transparency
International als “Informationsdrehscheibe” für geheime Akten
missbrauchen. Klenk, vertreten durch die Anwälte Michael Pilz und
Alfred Noll, verklagte den orangen Klub.
Nun gab das Straflandesgericht Klenks medienrechtlichen Anträgen
Folge. Westenthalers Behauptung, so die Richterin, insinuiere, dass
Klenk, Kreutner und der nunmehrige Anti-Korruptionsstaatsanwalt
Walter Geyer den Anti-Korruptionsverein selbst als “zielgerichtetes
korruptes System” benutzt hätten, um an geheime Akten zu kommen.
Westenthaler habe das Engagement als etwas “Skandalöses,
Ehrenrühriges und Scheinheiliges” aufgebauscht, ohne dafür auch nur
einen einzigen Beweis zu erbringen.

Kategorien: Schnelle Glossen Tags: