Tschetschenenmord in Wien: die geheimen Protokolle der Polizei
Am 10. Juni 2008 informierte ein reumütiger russischer Agent den Verfassungsschutz darüber, dass der Tschetschene Umar Israilov ermordet werden sollte. Aus „Kostengründen“ verweigerte die Republik dem Flüchtling Personenschutz. Vergangene Woche wurde er erschossen (für Falter)
Einmal warteten die Männer in einem VW-Bus vor seiner Wohnung in der Leopoldauer Straße in Wien Floridsdorf. Als Umar Israilov, 27, aus seinem Küchenfenster blickte, schien es ihm, als deute einer der Männer mit dem Finger auf ihn. Das war am 3. Juli 2008 um zwei Uhr nachts.
Als Umar Israilov um halb fünf Uhr früh einen zweiten Blick aus seinem Küchenfenster riskierte, waren die Männer im Bus immer noch da.
Er dachte: Da sind sie also. Nur ein halbes Jahr später, am Dienstag der vergangenen Woche, rannte er auf dieser Straße vergeblich um sein Leben.
Umar Israilov ahnte, was die Männer wollten. „Zwei Killer sind schon ganz hungrig, mich zu töten“, gab er am 10. Juni 2008 beim Landesamt für Verfassungsschutz zu Protokoll. Vergeblich bat er um Personenschutz.
Umar Israilov war kein Feigling, doch nun in Floridsdorf bekam er es mit der Angst zu tun. Er hatte als tschetschenischer Rebell aufseiten der Wahabiten gegen die Russen gekämpft, die in den Dörfern wüteten. Er war im April 2003 verschleppt, gefoltert und erpresst worden, wie er beklagte. In einem Boxklub im tschetschenischen Gudermes hätten ihn die Truppen des russlandtreuen Präsidenten Ramsan Kadyrow eingesperrt. Sie brachen Umar Israilov die Nase, und als sie geknickt war, erzählte Umar seiner Frau Malizha, rückte sie ein Folterknecht mit einem Fausthieb zurecht.
Umar Israilov müsse nun für die „Kadyrovskis“ arbeiten, die putintreuen Truppen, beschieden ihm die Russen, andernfalls würden er und seine Familie ermordet. So wurde Umar Israilov für ein paar Monate Mitglied von Kadyrows Leibgarde. Dann flüchtete er über Polen nach Wien.
Seine Geschichte sei glaubwürdig, beschieden die Asylbehörden im Juni 2007. In Wien baute Umar Israilov sein neues Leben auf. Er ist verheiratet und hat drei Kinder, seine mit ihm geflohene Frau ist mit einem vierten schwanger. Die Familie schlief in einem Bett, unter dem seine Pistole lag.
Umar Israilov war nicht irgendein Flüchtling.


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