Wenn Tierschutz nach Erbrochenem stinkt
Wie der Tierschutzaktivist Martin Balluch den Kleiderbauer-Chef Werner Graf schnell mal zum Täter erklären möchte. Ein Prozessbericht
Hoch über den Dächern Wiens, im 21. Stock des Justiztowers, traf vergangene Woche „das System“ auf „die Zivilgesellschaft“. Oder so ähnlich. Das „System“: Werner Graf, Chef von Kleiderbauer, Anzug, Maßhemd, seit zwei Jahren Feindbild radikaler Tierschützer, weil er Pelze verkauft.
Die „ Zivilgesellschaft“: Martin Balluch, Kapuzenshirt, Sandalen, aus denen nackte Zehen lugen. Balluch ist Chef des Vereins gegen Tierfabriken (VGT). Er ist Vorkämpfer des modernen Tierschutzgesetzes, er wird mit neun anderen Aktivisten aber auch beschuldigt, Kopf einer kriminellen Organisation zu sein, weil er Unternehmen mittels strafbarer Handlungen unter Druck setze.
Balluch und Graf treffen hier im Handelsgericht das erste Mal aufeinander. Graf ist Kläger. Die Allianz-Versicherung ist Beklagte. Graf will Schadenersatz für die von Tieraktivisten vernichtete Ware. Doch die Allianz weigert sich, zu bezahlen. Balluch sitzt derweil im Zuschauerraum und will sich dem Prozess als „Nebenintervenient“ anschließen.
Die Causa der Tierschützer war vor den Wahlen ein großes Politikum.
Die Grünen beschuldigten die Justiz, Mitglieder der „Zivilgesellschaft“ ohne Beweise in Haft zu nehmen. Der Grund für die U-Haft: Tierschützer – auch des VGT – sendete Grafs Modekette Ende 2006 in einer konzertierten Aktion Emails und Briefe, die subtil Gewalt andeuteten, sollte Kleiderbauer nicht aus dem Pelzhandel aussteigen. Von einem VGT-Mitglied wurden Internetlinks übermittelt, auf denen „BekennerInnenschreiben“ deutscher Tierschutz-Erpressungen dokumentiert worden waren, darunter Grabschändungen und Brandanschläge. Eine „Tierrechtsgruppe Passau“ schrieb: „Die Versicherungen werden immer teurer!“
Graf wird bis heute mit nervtötenden, aber legalen Demos unter Druck gesetzt. Er dokumentierte aber auch richtigen Psychoterror „durch Unbekannte“, wie er selbst sagt. Penibel hat er die Aktionen festgehalten: Nächtliches Auflauern vor seiner Wohnung, Stalking von Mitarbeiterinnen, beschädigte Autos, eingeschlagene Scheiben, Anschläge mit Buttersäure. So geschehen etwa in der Murgasse in Graz und anderen Filialen.
Buttersäure klingt harmlos. Balluch schrieb einmal „das ist doch nicht einmal eine Sachbeschädigung (...) “. Doch die farblose Flüssigkeit stinkt erbärmlich nach Erbrochenem. 9000 Stück Kleidung, sagt Graf, habe er alleine in der Filiale in Graz wegschmeissen müssen. Sechs Wochen sei sein Laden geschlossen worden. Der Schaden laut Graf allein in Graz: mindestens 350.000 Euro, vermutlich sogar mehr.
Graf erstattete beim Innenministerium Anzeige gegen „unbekannt“. Die Polizei verdächtigte nach monatelangen Ermittlungen Balluch & Co. hinter den Anschlägen zu stecken. Die Verdächtigen weisen alle Vorwürfe von sich. Boulevardmedien schlugen sich auf ihre Seite. Das Strafverfahren ist noch im Gange, zehn Aktivisten saßen rund 100 Tage in U-Haft – zu Recht, wie kürzlich der Oberste Gerichtshof urteilte. Die Beweise seien stark genug gewesen, um die Aktivisten wegen Verdunkelungsgefahr kurzfristig in U-Haft zu nehmen, so das Höchstgericht.
Graf strengt hier im Handelsgericht nun ein neues Verfahren an, um seinen Schaden ersetzt zu bekommen. Balluch wittert hinter dem Verfahren etwas anderes: Graf sei ein Versicherungsbetrüger. Er habe den Schaden in seinen Filialen nur aufgebauscht, um die Polizei scharf zu machen. Die Aktivisten, das wird hier deutlich, wollen Graf einmal mehr als kriminellen und mächtigen Strippenzieher dargestellt.
Beweise? Der Anwalt der Tierschützer behauptet, er habe „aus allen mir zur Verfügung stehenden Polizeiakten“ die wahren Schadenssummen der Grafs errechnet – die Firma übertreibe maßlos. Graf nennt die Vorwürfe einen „Unsinn“. Die von Säure kontaminierte Ware liege in einem Container bereit. Wäre er ein Betrüger, hätte er die Kleidung verschwinden lassen. Die Allianz zahle vor allem deshalb nicht, weil sie der Meinung ist, Kleiderbauer hätte nach den ersten Erpresserbriefen Meldung erstatten müssen. Tatsächlich stellt die Versicherung auch die Schadenshöhe in Frage.
Grafs Anwälte wittern hinter der Präsenz der Tierschützer in seinem handelsrechtlichen Prozess andere Motive. Balluch & Co. würden sich dem Verfahren gegen die Versicherung nur deshalb anschließen, um Grafs Prozesskostenrisiko in die Höhe zu treiben und ihn weiter öffentlich zu schädigen. Der Prozess wurde vertagt.
Wie der Tierschutzaktivist Martin Balluch den Kleiderbauer-Chef Werner Graf schnell mal zum Täter erklären möchte. Ein Prozessbericht
Hoch über den Dächern Wiens, im 21. Stock des Justiztowers, traf vergangene Woche „das System“ auf „die Zivilgesellschaft“. Oder so ähnlich. Das „System“: Werner Graf, Chef von Kleiderbauer, Anzug, Maßhemd, seit zwei Jahren Feindbild radikaler Tierschützer, weil er Pelze verkauft.
Die „ Zivilgesellschaft“: Martin Balluch, Kapuzenshirt, Sandalen, aus denen nackte Zehen lugen. Balluch ist Chef des Vereins gegen Tierfabriken (VGT). Er ist Vorkämpfer des modernen Tierschutzgesetzes, er wird mit neun anderen Aktivisten aber auch beschuldigt, Kopf einer kriminellen Organisation zu sein, weil er Unternehmen mittels strafbarer Handlungen unter Druck setze.
Balluch und Graf treffen hier im Handelsgericht das erste Mal aufeinander. Graf ist Kläger. Die Allianz-Versicherung ist Beklagte. Graf will Schadenersatz für die von Tieraktivisten vernichtete Ware. Doch die Allianz weigert sich, zu bezahlen. Balluch sitzt derweil im Zuschauerraum und will sich dem Prozess als „Nebenintervenient“ anschließen.
Die Causa der Tierschützer war vor den Wahlen ein großes Politikum.
Die Grünen beschuldigten die Justiz, Mitglieder der „Zivilgesellschaft“ ohne Beweise in Haft zu nehmen. Der Grund für die U-Haft: Tierschützer – auch des VGT – sendete Grafs Modekette Ende 2006 in einer konzertierten Aktion Emails und Briefe, die subtil Gewalt andeuteten, sollte Kleiderbauer nicht aus dem Pelzhandel aussteigen. Von einem VGT-Mitglied wurden Internetlinks übermittelt, auf denen „BekennerInnenschreiben“ deutscher Tierschutz-Erpressungen dokumentiert worden waren, darunter Grabschändungen und Brandanschläge. Eine „Tierrechtsgruppe Passau“ schrieb: „Die Versicherungen werden immer teurer!“
Graf wird bis heute mit nervtötenden, aber legalen Demos unter Druck gesetzt. Er dokumentierte aber auch richtigen Psychoterror „durch Unbekannte“, wie er selbst sagt. Penibel hat er die Aktionen festgehalten: Nächtliches Auflauern vor seiner Wohnung, Stalking von Mitarbeiterinnen, beschädigte Autos, eingeschlagene Scheiben, Anschläge mit Buttersäure. So geschehen etwa in der Murgasse in Graz und anderen Filialen.
Buttersäure klingt harmlos. Balluch schrieb einmal „das ist doch nicht einmal eine Sachbeschädigung (...) “. Doch die farblose Flüssigkeit stinkt erbärmlich nach Erbrochenem. 9000 Stück Kleidung, sagt Graf, habe er alleine in der Filiale in Graz wegschmeissen müssen. Sechs Wochen sei sein Laden geschlossen worden. Der Schaden laut Graf allein in Graz: mindestens 350.000 Euro, vermutlich sogar mehr.
Graf erstattete beim Innenministerium Anzeige gegen „unbekannt“. Die Polizei verdächtigte nach monatelangen Ermittlungen Balluch & Co. hinter den Anschlägen zu stecken. Die Verdächtigen weisen alle Vorwürfe von sich. Boulevardmedien schlugen sich auf ihre Seite. Das Strafverfahren ist noch im Gange, zehn Aktivisten saßen rund 100 Tage in U-Haft – zu Recht, wie kürzlich der Oberste Gerichtshof urteilte. Die Beweise seien stark genug gewesen, um die Aktivisten wegen Verdunkelungsgefahr kurzfristig in U-Haft zu nehmen, so das Höchstgericht.
Graf strengt hier im Handelsgericht nun ein neues Verfahren an, um seinen Schaden ersetzt zu bekommen. Balluch wittert hinter dem Verfahren etwas anderes: Graf sei ein Versicherungsbetrüger. Er habe den Schaden in seinen Filialen nur aufgebauscht, um die Polizei scharf zu machen. Die Aktivisten, das wird hier deutlich, wollen Graf einmal mehr als kriminellen und mächtigen Strippenzieher dargestellt.
Beweise? Der Anwalt der Tierschützer behauptet, er habe „aus allen mir zur Verfügung stehenden Polizeiakten“ die wahren Schadenssummen der Grafs errechnet – die Firma übertreibe maßlos. Graf nennt die Vorwürfe einen „Unsinn“. Die von Säure kontaminierte Ware liege in einem Container bereit. Wäre er ein Betrüger, hätte er die Kleidung verschwinden lassen. Die Allianz zahle vor allem deshalb nicht, weil sie der Meinung ist, Kleiderbauer hätte nach den ersten Erpresserbriefen Meldung erstatten müssen. Tatsächlich stellt die Versicherung auch die Schadenshöhe in Frage.
Grafs Anwälte wittern hinter der Präsenz der Tierschützer in seinem handelsrechtlichen Prozess andere Motive. Balluch & Co. würden sich dem Verfahren gegen die Versicherung nur deshalb anschließen, um Grafs Prozesskostenrisiko in die Höhe zu treiben und ihn weiter öffentlich zu schädigen. Der Prozess wurde vertagt.


Kommentare
Herr Klenk, warum schreiben Sie nicht, dass Graf vor der Polizei einen Schaden von 480.000 behauptet und dann nur 340.000 einklagt? Warum schreiben Sie nicht, dass in 6 anderen Filialen kein einziges Kleidungsstück ruiniert wurde und bei selber Vorgangsweise in Graz laut Graf nicht 9000, sondern 16000 Kleidungsstücke völlig vernichtet sein sollen? Von 6 Spritzen mit Buttersäure??
Kein seriöser Journalismus, den Sie da betreiben.
Stefan Traxler
Stefan Traxler • 04.11.08 21:54
befremdlich, dass hr. klenk so kontinulierlich partei für ein unternehmen ergreift.
geht es ihm darum tierschutz zu diskreditieren oder/und für ein (bestimmtes) pelzunternehmen partei zu ergreifen?
die wahre motivation wird wahrscheinlich nicht nach aussen dringen.
hochachtungsvoll
kurt ecker
Kurt Ecker • 04.11.08 22:56
Balluch ist (...) für den derzeit herrschenden Unfrieden in unserer Gesellschaft schuld. Diese verhärteten Fronten sind durch diese seltsamen Vereine entstanden. Ist übrigens toll wenn man in der Nähe einer KB Filiale wohnt und am Sa. seine Ruhe haben möchte.
Dr. Max E. • 06.11.08 13:58
lieber florian klenk,
ich lese gerne ihre beiträge und finde wirklich es sollte mehr journalisten von ihrer sorte geben. aber bei der tierschutzgschicht kenn ich mich nicht ganz aus bei ihnen. warum schlagen sie sich so eindeutig auf die seite von kleider bauer?
ich finde es auch etwas übertrieben wie sehr die grünen und auch zb derstandard (boulevard?)sich auf die seite vom tierschutz geschlagen haben.
ABER sie machen scheinbar justament das gegenteil? bei ihnen gilt doch sonst immer die unschuldvermutung? selbst wenn die anschuldigungen stimmen rechtfertigen sie das vorgehen gegen die tierschützer?
ps:tierschutz ist nötig - auf tierschutz der mit gewalt und sei es "nur" in worten agiert kann ich verzichten.
wolfgang • 06.11.08 21:14
ist es wahr, dass sie persönliche verbindungen zu den brüdern graf haben wie dies im standardforum zu lesen war?
ich hätte bitte gerne eine ehrliche antwort!
Florian Krammer • 08.11.08 16:58
Nein, es ist nicht wahr, dass ich persönliche verbindungen zu den grafs habe. ich bekomme keine pelze, kein geld und keine inserate von ihnen.
Florian Klenk
Florian Klenk • 08.11.08 22:27
Was haben die Brüder Graf denn so bezahlt für diesen gehässigen und diffamierenden Artikel über die Tierschützer?
Oder war das eine LIF-Bashing Aktion?
Alles ist möglich. Denn wer im Internet eine Schrift in so enger Kursiv-Schrift verwendet, dass man praktisch nichts lesen kann, muss neben schlechtem Geschmack eine kriminelle Veranlagung haben! Anders ist das alles nicht zu erklären.
Glaubhaft ist etwas dermaßen einseitig politisch Gefärbtes jedenfalls nicht. Und sympathisch noch viel weniger.
Der Falter ist für mich damit als seriöse Zeitung gestorben.
PFUI!
Meine zutiefst empfundende Abneigung.
Ein Fleischfresser
Fleischfresser • 08.11.08 23:07
@ Ein Fleischfresser: Seien Sie doch nicht so feige und verstecken sich hinter einem komischen Nick. Wenn schon so harte Worte - dann aber auch dafür einstehen. Oder gehören Sie auch zu den Menschen, die zu allem eine Meinung, aber zu nichts eine Haltung haben?
MfG Alexander Blüml
Alexander Blüml • 13.11.08 19:53