Stermann/ Grissemann: Was ist hier los, meine Herren?
Der Skandal um die verstummten ORF-Comedians
Zwei Kabarettisten und ihr Manager werden in Kärnten derart eingeschüchtert und mit einem Attentat bedroht, dass sie es vorziehen zu schweigen und Auftritte abzusagen. Der empörende Fall der verstummten Künstler Dirk Stermann und Christoph Grissemann ist längst keine provinzielle Auseinandersetzung zwischen zwei Spaßmachern und einem BZÖ-Landeshauptmann mehr. Der Fall ist ein Politikum, das breite Aufmerksamkeit verdient. Es geht nicht nur um Meinungsfreiheit. Es geht um das Recht auf körperliche Sicherheit kritischer Künstler, um ihr Recht auf Schutz vor Attentaten.
Es verwundert daher, dass die Solidarisierung der kritischen Öffentlichkeit und der Politik mit den beiden Kabarettisten nicht viel energischer ausfällt. Wo sind jene, die so oft eine Einschüchterung der Zivilgesellschaft wittern? Hier ist es der Fall.
Was war geschehen? Stermann und Grissemann verspotteten im ORF den Führerkult rund um Haiders Begräbnis (hier Link zur Sendung). Sie witzelten über Petzners Tränen, der Deutsche Stermann trug dabei einen Kärntneranzug. Zu sehen ist das Ganze auf YouTube.
Die erste Reaktion kam wie erwartet. „Auftrittsverbot!“, forderte Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler und sammelte Stimmen gegen die „Herabwürdigung“ des Jörg. Er heizte den Volkszorn an. Der ORF reagierte richtig und verteidigte die Künstler. Unbekannte drohten, die Kabarettisten umzubringen. Dem Manager der Kabarettisten wurden jedenfalls laut eigenen Angaben vier Radmuttern am Wagen gelockert. Hätte er den Anschlag nicht auf der Autobahn bemerkt (seine Reifen klapperten bereits), wären er und vielleicht auch andere womöglich ums Leben gekommen.
Was sagt Kärntens Landeshauptmann dazu? Er übt sich in Zynismus. „Vielleicht hat er die Winterreifen schlecht gewechselt!“, unkte Dörfler. Hat er nicht, Dörfler hätte es durch einen Anruf in Erfahrung bringen können (siehe Seite 26). Der Manager wurde ziemlich sicher Opfer eines irren Haider-Fans.
Der Landeshauptmann hätte die Kabarettisten in einer symbolischen Geste sofort nach Klagenfurt einladen und für Polizeischutz sorgen müssen. Stattdessen forderte er Auftrittsverbote an der Uni und im ORF.
Die Kärntner „Sonne“ Haider wurde einst abgewählt, weil sie die Nazis lobte. Dörfler spielte nun ein Attentat herunter, weil die Betroffenen eine Gesinnung haben, die ihm nicht passt.
ÖVP und SPÖ sollten endlich ihre Verantwortung entdecken – und diesen Extremisten abwählen.
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aber beim Villacher Fasching werdens wieder dumm lachen, die lieben bzöler
Es war gegenüber der Familie von Jörg Haider pietätlos und ekelhaft was die beiden Komiker in der Sendung “Willkommen Österreich” von sich gegeben haben – zu einer Zeit zu der Jörg Haider noch nicht einmal begraben war. Ich war und bin ein massiver Kritiker der Politik und des Politikstils, die bzw. der von Haider vertreten wurde. Aber die beiden Komiker haben gezeigt wie tief das Niveau des ORF und ihrer selbst bereits gesunken ist.
Ich weigere mich das was die beiden Herren hier abgeliefert haben, als Kunst zu bezeichnen.
Selbst ein Kabarett hat für mich ein gewisses Niveau zu halten. So kann beispielsweise durch besonders wortgewandte Sprache, Gestik und Mimik oder subtile Andeutungen Kritik an etwas geübt werden. Das was diese beiden Herren hier allerdings gemacht haben war keine Kunst, es war nichts anderes als pure Provokation.
Für diese Darstellung bedarf es keiner besonderen Ausbildung, jeder kann sich hinstellen und Leute mit der Holzhammermethode diffamieren. Wenn man diesen Auftritt als Kunst sieht, so muss man den “Sieg Heil” Sager des Straßenbahnfahrers in Wien auch als Kunst stehen.
Was hier versucht wurde, war nichts anderes als eine üble Nachrede und Provokation unter dem Deckmantel der Kunst zu verpacken. Ein Auftrittverbot ist unnötig, allerdings frage ich mich doch was so ein Müll im ORF zu suchen hat, für den wir alle Gebühren entrichten.
In diesem Sinne