Die Verklärung des Jörg
Das offizielle Kärnten ist wütend. Das Andenken an den Landesvater sei geschändet worden. Der ehemalige blaue Justizminister Dieter Böhmdorfer nützte sogar seine Trauerrede für eine Medienschelte. Haiders Familie zeigte den Klagenfurter Staatsanwalt an, weil der das Amtsgeheimnis gebrochen haben soll.
Der Staatsanwalt hatte – übrigens entgegen dem Wunsch der SP-Justizministerin – jene Teile des Obduktionsbericht veröffentlicht, in denen von 1,8 Promille die Rede war. Die Öffentlichkeit, so behaupten die Haiders, habe kein Recht, darüber unterrichtet zu werden.
Sie mögen durch die Berichte über ihren geliebten Jörg betroffen sein, aber sie irren. Haider war eben nicht nur ein liebevoller Vater, sondern die Person des öffentlichen Interesses. Er hat sich als Prinz Porsche und strenger Law & Order-Politiker inszeniert. Es ist daher das Recht der Öffentlichkeit, sowohl den Unfallhergang, als auch Haiders Alkoholpegel zu kennen – gerade auch um jene Mythenbildung zu kontrastieren, die Haiders Kameraden nun zu Wahlkampfzwecken betreiben. Journalisten müssen schreiben, was ist. Nicht das, was das trauernde (Partei-)Volk gerne hört.
Das Informationsrecht endet diesmal auch nicht bei Haiders Familienleben. Er hatte sich als moralisch hochanständig inszeniert, sein Parteifreund Ewald Stadler agitierte gegen Schwule. In Wahrheit zog Haider selbst durch Klagenfurter Schwulenkneipen, soff sich an und raste heim. Solche Scheinmoral soll den Kärntnern nicht vorenthalten werden.
Die Presse ist nämlich frei. Familie Haider muss den Realitätscheck aushalten. So schmerzlich das auch sein mag. Die Überbringer der schlechten Nachricht sind nicht zu bestrafen.


Der Staatsanwalt hat, soweit ich informiert bin, keine Obduktionsergebnisse veröffentlicht, sondern Medienberichte NICHT dementiert und zusätzlich aus einem e-mail eines Besuchers zitiert, der JH vom Fahren abhalten wollte.
Allerdings: Man kann/konnte Haider viel vorwerfen, aber dass er sich als moralisch hochanständig inszeniert hätte, das stimmt wirklich nicht. Ich denke an diverse Disco-Fotos, von seinem unanständigen Umgang mit dem rechtsstaatlichen Prinzipien ganz zu schweigen.
Im übrigen finde ich es nicht unanständig – und damit auch nicht weiter berichtenswert – wenn ein Politiker durch Schwulenkneipen zieht. dass er sich besoffen und offenbar unzurechnungsfähig ans Steuer setzt, hingegen schon.