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Archiv für Oktober 2008
31. Okt 2008

Kärntner Mullahs gegen Grissemann/ Stermann

Der ORF wagt Satire – statt der Heldenverehrung, die der Kärntner ORF nach dem Begräbnis Haiders brachte (siehe youtube-link unten). Nun reagiert der neue Herr Landeshauptmann und fordert die Klagenfurter Uni auf, die dissidenten Kabarettisten auszuladen. Mal sehen, ob der einknickt und sich dem Diktat der Kärntner Mullahs beugt. Dann haben wir ein Politikum. Hier Dörflers Realsatire.
LH Dörfler protestiert gegen geschmack- und pietätlose Kabarett-Auftritte
Protestnote an ORF-General Wrabetz und Uni-Rektor Mayr
Donnerstag, 30. Oktober 2008
Landeshauptmann Gerhard Dörfler hat schriftlich seine Empörung und seinen Protest gegenüber ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bezüglich der am 23. Oktober ausgestrahlten Sendung “Willkommen Österreich” zum Ausdruck gebracht. Darin sind die Kabarettisten Dirk Stermann und Christoph Grissemann mit dem Tod von Landeshauptmann Jörg Haider in geschmack- und pietätloser Weise umgegangen. Er bedauere, dass der ORF solchen Auftritten eine Bühne bietet, die jenseits jeder Verantwortung eines öffentlich rechtlichen Senders liegen würde. In vielen Briefen und Anrufen habe sich die Bevölkerung über diese Kälte, Herzlosigkeit und Arroganz beschwert und ihrer Empörung Ausdruck verliehen, schrieb Dörfler.
Angesichts dieses Protestes seitens der Bevölkerung ersucht LH Dörfler weiters auch Universitätsrektor Heinrich C. Mayr von der Universität Klagenfurt darum, sich der Verantwortung als Universität und auch als Aushängeschild Kärntens würdig zu erweisen und keine Bühne für menschenunwürdige und geschmack- und pietätlose Auftritte zuzulassen. Dies schrieb Dörfler an den Rektor im Hinblick auf den geplanten Auftritt des Kabarettistenpaares Stermann & Grissemann am 11. Dezember an der Universität Klagenfurt. “Auch Meinungsfreiheit und der Anspruch auf künstlerische Freiheit haben dort ihre Grenzen, wo sie die Menschenwürde anderer verletzten”, stellte Dörfler klar.
Rückfragehinweis: Büro LH Dörfler
Redaktion: Hubmann/Brunner

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29. Okt 2008

Es gibt Hoffnung

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29. Okt 2008

Auf der Suche nach dem zweiten Mann


Vertuschung, Schlamperei, übertriebener Opferschutz: Warum der Fall Kampusch neu aufgerollt wird
(für Falter)
Ludwig Adamovich, Präsident der Kampusch-Sonderkommission, mag ruhig und entspannt wirken. “In Wahrheit”, sagt ein Staatsanwalt, “machte er uns alle narrisch.” Beharrlich drängte der Expräsident des Verfassungsgerichtshofes die Justiz dazu, im Fall Natascha Kampusch noch einmal tätig zu werden. Mit Erfolg. Justizministerin Maria Berger (SPÖ) und Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) wollen den Kriminalfall neu aufrollen. Alles nur Show? Oder gibt es neue Beweise?
Polizisten gehen davon aus, dass nicht nur bei der jahrelangen Fahndung nach Kampuschs Entführer schwere Pannen passiert sind. Es soll auch im Spätsommer 2006 gepfuscht worden sein, kurz nachdem sich der Täter Wolfgang Priklopil selbst gerichtet hatte. “Wichtige Beweise, die eine mögliche Mittäterschaft eines Freundes von Priklopil hätten erweisen oder widerlegen können, sind nicht gesichert worden”, sagt ein Ermittler.
Auch Adamovich kritisiert, dass “eine Reihe von Gegenständen” (Videokassetten, Tagebücher, Kleidungs-stücke), die in Priklopils Wohnhaus sichergestellt worden waren, an Kampusch ausgefolgt worden waren, “ohne zuvor ihren Beweiswert zu sichern”.
Übertriebener Opferschutz, so Adamovichs Vorwurf, sei über die Interessen des Staates an der Aufklärung eines Verbrechens gestellt worden. Kampuschs Berater fürchteten nämlich, dass Aktenstücke und Gegenstände in sensationslüsternen Medien landen könnten (was zum Teil tatsächlich geschah, das U-Bahn-Blatt heute publizierte sogar Arztprotokolle). Über das Opfer wurde deshalb “ein Schutzschirm” (Adamovich) gespannt, der “die ohnehin schwierigen kriminalpolizeilichen Ermittlungen um und rund um Wolfgang Priklopil (…) erheblich erschwerte”.
Die Pannenserie beginnt am 3. März 1998. Die damals zwölfjährige Ischtar A. berichtet der Polizei von einem zehnjährigen Mädchen, das von einem Täter in einen weißen Bus mit schwarzen Scheiben gezerrt worden sei. Ein zweiter Mann sei “am Fahrersitz” gesessen, so die Zeugin.
Dies ist eine (auch von Kampusch bestrittene) Aussage, die so gar nicht zur amtlichen Einzeltätertheorie passt. Eine Vielzahl an Spinnern und selbsternannten Aufdeckern stachelte sie an, auf eigene Faust zu recherchieren. Aber nicht nur die hegen Bedenken, auch erfahrene Polizisten und hochrangige Juristen wie Adamovich bezweifeln mittlerweile, dass nur Priklopil von der Entführung wusste.
Die Augen der Ermittler richten sich auf Ernst H., einen Freund Priklopils. Nach Priklopils Tod gab er eine Pressekonferenz, in der er seine Unschuld beteuerte. Kürzlich tauchte H. mit Perücke verkleidet bei einer Gerichtsverhandlung auf und attackierte lästige Fotografen, ehe er selbst von Vater Kampusch Schläge erhielt.
Manche Polizisten halten Ernst H. zumindest für einen Mitwisser – beweisen können sie diese Anschuldigungen nicht. Sie haben nur Indizien anzubieten. Kurz nachdem sich Kampusch befreit hatte, traf sich Priklopil etwa sechs Stunden lang mit H. Die beiden saßen im Auto, und H. schaltete, so wie Priklopil, während der ganzen Zeit sein Handy aus. Was die zwei besprachen? H. gab zu Protokoll, Priklopil habe bloß erzählt, betrunken Auto gefahren zu sein. Die Polizei sei hinter ihm her gewesen. Von Kampusch sei nie die Rede gewesen. Die Ermittler wollen das nicht glauben.
Nach dem Treffen mit Priklopil fuhr Ernst H. in die Lagerhalle seines Unternehmens. Die Polizei, die derweil noch nach Priklopil fahndete, hatte das Gelände bereits umstellt. Polizisten wollen nun beobachtet haben, wie H. Kisten aus der Halle zu seinem Auto schleppte. Ein Zivilbeamter trat an H. heran. Der sei jedoch nicht erschrocken, sondern habe die Polizei förmlich erwartet. Er stellte den Beamten eine verstörende Frage: “Hat er sie umgebracht?”
Die Polizisten rätseln, wieso H. von Kampusch wusste. Er selbst beteuerte ja, mit seinem Freund nie über die Entführte gesprochen zu haben. H.s Anwalt Ernst Schillhammer liefert eine mögliche Erklärung: H. habe die Bemerkung erst getätigt, als ihm die Polizisten bereits von Priklopils Verbrechen erzählt hatten. Eine Version, die die Polizei “dezidiert” ausschließt.
Es passiert Seltsames. Die Kisten, die H. angeblich ins Auto räumte, werden nicht beschlagnahmt. Auch die Halle und der Wagen werden nicht auf DNA-Spuren untersucht. H., so die Polizei, habe sich derweil in Widersprüche verwickelt: Mal versicherte er, Priklopil sei ein anständiger Kerl gewesen, dann erzählte er, der Entführer habe Kinderpornos besessen. Schließlich telefoniert H. sogar mit Kampusch. Manche Kriminalisten schäumen vor Wut. Es sei “in der Hektik” geschlampt worden. Wichtige Beweise seien dahin. Der Fall bleibe nun für immer undurchsichtig.
Schlamperei hat im Fall Kampusch Tradition. Am 4. April 1998, nur ein Monat nachdem Ischtar A. von zwei Entführern gesprochen hatte, bekamen Ermittler Hinweise, dass der von ihr erwähnte Kastenwagen vor dem Haus Heinestraße 60 in Strasshof stehe. Er gehöre einem gewissen Priklopil, einem Mann ohne Alibi, wie sich zeigte.
Acht Tage später erneut ein Hinweis. Diesmal war es der Diensthundeführer Christian P., ein entfernter Nachbar. Priklopils Haus sei elektronisch abgesichert, er habe einen “Hang zu Kindern” und lebe alleine, so die Information. Der Hinweis wird nicht ernst genommen.
Nichts davon wird das Innenministerium im Herbst 2006 erzählen. Es stehen schließlich Wahlen an. Der für den Fall zuständige Kripochef Nikolaus Koch behauptete sogar, Priklopil habe ein Alibi gehabt. Erst der abgesetzte BKA-Chef Herwig Haidinger enthüllt die Vertuschung.

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29. Okt 2008

Fall Kampusch: Auf der Suche nach dem zweiten Mann


Vertuschung, Schlamperei, übertriebener Opferschutz: Warum der Fall Kampusch neu aufgerollt wird
(für Falter)
Ludwig Adamovich, Präsident der Kampusch-Sonderkommission, mag ruhig und entspannt wirken. “In Wahrheit”, sagt ein Staatsanwalt, “machte er uns alle narrisch.” Beharrlich drängte der Expräsident des Verfassungsgerichtshofes die Justiz dazu, im Fall Natascha Kampusch noch einmal tätig zu werden. Mit Erfolg. Justizministerin Maria Berger (SPÖ) und Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) wollen den Kriminalfall neu aufrollen. Alles nur Show? Oder gibt es neue Beweise?
Polizisten gehen davon aus, dass nicht nur bei der jahrelangen Fahndung nach Kampuschs Entführer schwere Pannen passiert sind. Es soll auch im Spätsommer 2006 gepfuscht worden sein, kurz nachdem sich der Täter Wolfgang Priklopil selbst gerichtet hatte. “Wichtige Beweise, die eine mögliche Mittäterschaft eines Freundes von Priklopil hätten erweisen oder widerlegen können, sind nicht gesichert worden”, sagt ein Ermittler.
Auch Adamovich kritisiert, dass “eine Reihe von Gegenständen” (Videokassetten, Tagebücher, Kleidungs-stücke), die in Priklopils Wohnhaus sichergestellt worden waren, an Kampusch ausgefolgt worden waren, “ohne zuvor ihren Beweiswert zu sichern”.
Übertriebener Opferschutz, so Adamovichs Vorwurf, sei über die Interessen des Staates an der Aufklärung eines Verbrechens gestellt worden. Kampuschs Berater fürchteten nämlich, dass Aktenstücke und Gegenstände in sensationslüsternen Medien landen könnten (was zum Teil tatsächlich geschah, das U-Bahn-Blatt heute publizierte sogar Arztprotokolle). Über das Opfer wurde deshalb “ein Schutzschirm” (Adamovich) gespannt, der “die ohnehin schwierigen kriminalpolizeilichen Ermittlungen um und rund um Wolfgang Priklopil (…) erheblich erschwerte”.
Die Pannenserie beginnt am 3. März 1998. Die damals zwölfjährige Ischtar A. berichtet der Polizei von einem zehnjährigen Mädchen, das von einem Täter in einen weißen Bus mit schwarzen Scheiben gezerrt worden sei. Ein zweiter Mann sei “am Fahrersitz” gesessen, so die Zeugin.
Dies ist eine (auch von Kampusch bestrittene) Aussage, die so gar nicht zur amtlichen Einzeltätertheorie passt. Eine Vielzahl an Spinnern und selbsternannten Aufdeckern stachelte sie an, auf eigene Faust zu recherchieren. Aber nicht nur die hegen Bedenken, auch erfahrene Polizisten und hochrangige Juristen wie Adamovich bezweifeln mittlerweile, dass nur Priklopil von der Entführung wusste.
Die Augen der Ermittler richten sich auf Ernst H., einen Freund Priklopils. Nach Priklopils Tod gab er eine Pressekonferenz, in der er seine Unschuld beteuerte. Kürzlich tauchte H. mit Perücke verkleidet bei einer Gerichtsverhandlung auf und attackierte lästige Fotografen, ehe er selbst von Vater Kampusch Schläge erhielt.
Manche Polizisten halten Ernst H. zumindest für einen Mitwisser – beweisen können sie diese Anschuldigungen nicht. Sie haben nur Indizien anzubieten. Kurz nachdem sich Kampusch befreit hatte, traf sich Priklopil etwa sechs Stunden lang mit H. Die beiden saßen im Auto, und H. schaltete, so wie Priklopil, während der ganzen Zeit sein Handy aus. Was die zwei besprachen? H. gab zu Protokoll, Priklopil habe bloß erzählt, betrunken Auto gefahren zu sein. Die Polizei sei hinter ihm her gewesen. Von Kampusch sei nie die Rede gewesen. Die Ermittler wollen das nicht glauben.
Nach dem Treffen mit Priklopil fuhr Ernst H. in die Lagerhalle seines Unternehmens. Die Polizei, die derweil noch nach Priklopil fahndete, hatte das Gelände bereits umstellt. Polizisten wollen nun beobachtet haben, wie H. Kisten aus der Halle zu seinem Auto schleppte. Ein Zivilbeamter trat an H. heran. Der sei jedoch nicht erschrocken, sondern habe die Polizei förmlich erwartet. Er stellte den Beamten eine verstörende Frage: “Hat er sie umgebracht?”
Die Polizisten rätseln, wieso H. von Kampusch wusste. Er selbst beteuerte ja, mit seinem Freund nie über die Entführte gesprochen zu haben. H.s Anwalt Ernst Schillhammer liefert eine mögliche Erklärung: H. habe die Bemerkung erst getätigt, als ihm die Polizisten bereits von Priklopils Verbrechen erzählt hatten. Eine Version, die die Polizei “dezidiert” ausschließt.
Es passiert Seltsames. Die Kisten, die H. angeblich ins Auto räumte, werden nicht beschlagnahmt. Auch die Halle und der Wagen werden nicht auf DNA-Spuren untersucht. H., so die Polizei, habe sich derweil in Widersprüche verwickelt: Mal versicherte er, Priklopil sei ein anständiger Kerl gewesen, dann erzählte er, der Entführer habe Kinderpornos besessen. Schließlich telefoniert H. sogar mit Kampusch. Manche Kriminalisten schäumen vor Wut. Es sei “in der Hektik” geschlampt worden. Wichtige Beweise seien dahin. Der Fall bleibe nun für immer undurchsichtig.
Schlamperei hat im Fall Kampusch Tradition. Am 4. April 1998, nur ein Monat nachdem Ischtar A. von zwei Entführern gesprochen hatte, bekamen Ermittler Hinweise, dass der von ihr erwähnte Kastenwagen vor dem Haus Heinestraße 60 in Strasshof stehe. Er gehöre einem gewissen Priklopil, einem Mann ohne Alibi, wie sich zeigte.
Acht Tage später erneut ein Hinweis. Diesmal war es der Diensthundeführer Christian P., ein entfernter Nachbar. Priklopils Haus sei elektronisch abgesichert, er habe einen “Hang zu Kindern” und lebe alleine, so die Information. Der Hinweis wird nicht ernst genommen.
Nichts davon wird das Innenministerium im Herbst 2006 erzählen. Es stehen schließlich Wahlen an. Der für den Fall zuständige Kripochef Nikolaus Koch behauptete sogar, Priklopil habe ein Alibi gehabt. Erst der abgesetzte BKA-Chef Herwig Haidinger enthüllt die Vertuschung.

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27. Okt 2008

Sieg Hedl!

Wenn das hier wirklich ernst gemeint war – (ein mittlerweile entferntes Youtube Video zeigte den Vorfall bereits), dann sollten die Wiener Linien ihre Führerhäuschen vielleicht schalldicht gestalten.

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27. Okt 2008

Wir sind, bitte!, kein Naziland

Leser Ben Hemmens schreibt unten stehenden Leserbrief. Es nervt ihn dieses “Nazi-Nazi”-Gerede, dieses Schlechtmachen Österreichs. Das Land, so argumentiert er, sei doch nicht wesentlich anders als England oder Irland.
Ja, es nervt mich auch, das “Nazi”-”Nazi”-Getue. Es ist billig und wohlfeil (und wird in diesem Blog auch nicht praktiziert).
Ich würde Hemmens auch gerne zustimmen, dass wir gar nicht so fritzlkampuschhaiderverseucht sind, wie das Ausland glaubt. Ich habe selbst einige Zeit in Deutschland gelebt, wo es No-Go-Areas, Kannibalen und Eva Hermann gibt.
Aber was so anders ist: kein britischer Spitzenpolitiker würde “Sonderlager” für kranke Flüchtlinge auf der Saualpe fordern, die SS als anständig loben, dann mit absoluter Mehrheit wiedergewählt werden und dann in den Zeitungen als herausragender Politiker gelobt werden.
Es gibt in vielen anderen europäischen Ländern eine rote Linie des Anstands für die politischen Eliten (das Volk ist wohl überall gleich). Wenn ein Bürgermeister (wie Herr Suntinger aus Großkirchheim) lauthals prahlt, Muslime nicht in die Dorfschule zu lassen und Tschetschenen mit “Sippenhaftung” zur Rechtsschaffenheit erziehen will, dann wäre er in Hessen, Bremen, Kent oder Hamburg rücktrittreif. Dafür würde die überregionale Qualitätspresse sorgen. Hier kriegt er 80 Prozent.
Das ist also leider der Unterschied. Auch wenn es Hemmens und mich nervt, weil wir ein anderes, offeneres, normaleres Österreich wollen – verschweigen und zudecken hilft uns nicht weiter.
Hier Ben Hemmens Brief:
Mich freut’s nicht so besonders, Hr. Klenk.
Ich komme aus Irland und muss mich seit 13 Jahren rechtfertigen, warum ich hier in diesem angeblichen Naziloch lebe – auch dank der permanent eindimensionaler Berichterstattung in Medien wie dem Guardian.
Und wenn man nachschaut, werden die Zitate von Ihnen und Hrn. Thurnher, sowie solche repräsentative Stimmen wie Glavinic und Jelinek, immer nur als Bausteine für die immergleichen Nazi-Artikel verwendet.
Weil viel gründlicher verkennen kann man Österreich als in diesen Artikeln kaum:

http://www.guardian.co.uk/world/2008/oct/24/haider-austria

http://www.irishtimes.com/newspaper/world/2008/1024/1224800285609.html?via=mr

Zum Beispiel geht es denen ned eine, dass das “staunchly conservative” Österreich in Wirklichkeit unaufgeregter mit Haiders schwuler Seite umgeht, als drüben vorstellbar wäre. In Irland wäre das nicht erst nach seinem Tod diskutiert worden, sondern es hätte mit hundertprozentiger Sicherheit seine Karriere verunmöglicht. Und jetzt machen die sich lustig darüber, wie “shocked” Österreich ist!
Kann man der Außenwelt nicht klar machen, dass es abseits der kuscheligen Symbiose der “FäkalkünstlerInnen” mit den gesunden Volksempfindern auch ein ziemlich normales Österreich gibt? Oder bleiben Sie einer Hälfte dieser Symbiose verpflichtet?
Mich nervt’s, teilweise weil die inhaltliche Politik, die in Irland und dem UK der letzten Jahre gemacht wurde, ziemlich genau den gleichen Rechtsrück vollzogen hat, wie die hier selbstgerecht geisseln. Manche Dinge gleichen sich aufs Haar. In Irland rufen sonst respektable Leute danach, die arbeitslos gewordenen Leute aus den neuen EU-Mitgliedsländern mit einer Einmalzahlung und einem Flugticket auszustatten, anstatt ihnen die Arbeitslose zu geben. Sehr ähnliche Abschiebungsgeschichten, mit auseinander gerissenen Familen und allem Pipapo haben sich abgespielt. Schauen Sie nach, was es für Verschärfungen im Staatsbürgerschafts- und Zuwanderungsrecht gibt. Ich bin überzeugt, dass wir hier transnational wirksame Effekte sehen, keineswegs länderspezifische.
Das Problem des populistischen Neokonservatismus ist zumindest ein europaweites, das nur durch eine europaweite Gegenbewegung zu bekämpfen sein wird; und wenn man die USA jetzt anschaut könnte man meinen, dass dort haargenau der gleiche politische Kulturkampf im Gange ist. Michelle Bachmann oder Siegfried Kampl: what’s the difference?
Trotzdem wird die moralische Überlegenheit über dem grauslichen Nazi-Waldheim-Schröcksnadel-Gorbach-Jelinek-Fritzl-Kampusch-Haiderland zelebriert, wo fremdartige, finstere aber vor allem ganz andere Gesetzlichkeiten gelten. Und komplett verschleiert, dass da wie dort zum Großteil eigentlich ziemlich ähnliche Trends und Mechanismen am Werk sind. Diese freizulegen und für die jeweils andere Seite verständlich zu machen, DAS wäre eine Aufgabe für JournalistInnen, die was auf sich halten.
Es hilft nichts zitiert zu werden, wenn man an der – bisher verlässlich danebenen – Erzählung nichts ändert. Das könnten Sie – bei Ihrem unbestreitbaren Talent – möglicherweise erreichen, aber Sie müssten es auch anstreben, anstatt einfach vor Stolz zu bersten, dass Sie in einem Medium aus dem großen London überhaupt vorgekommen sind.
Mister Klenk, it goes me sometimes quite simply on the Keks.
Mit freundlichen Grüßen,
Ben Hemmens

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22. Okt 2008

Suntinger trauert

Wie der Bürgermeister der Haider-Hochburg Großkirchheim vom Landesvater Jörg Haider Abschied nahm (für den Falter)
suntinger.pngkerzen%20haider.pngEs sind noch zwei Stunden, ehe der von roten Rosen überzogene Sarg hier beim Lindwurm aufgebahrt werden wird. Der Bergbauer Peter Suntinger ist schon hier. Als er in aller Früh aus dem Mölltal aufbrach, lag noch kalter Nebel über der Stadt. Suntinger kam so zeitig, weil ihm an diesem grauen Morgen ein Privileg zuteil wurde. Er durfte im Wappensaal des Landhauses ein paar Minuten ganz alleine vor dem Toten innehalten.
Suntinger wird beim Staatsbegräbnis auch nicht hinter Absperrungen stehen müssen wie die 25.000 Menschen, die in den nächsten Stunden hier eintreffen werden. Er wird im “Block der Bürgermeister” stehen, ganz vorne bei der Regierung. Haiders Witwe hat ihn auch zur Feier in den Klagenfurter Dom geladen, als Ehrengast, wie Suntinger erzählt. “Der Landeshauptmann war für mich wie ein gütiger Vater.”
Suntinger war einer seiner fleißigsten Söhne. Er ist der Bürgermeister von Großkirchheim, der stärksten BZÖ-Gemeinde Österreichs. 52 Prozent erreichte das BZÖ am Fuße des Glockners bei den Nationalratswahlen. Bei der Bürgermeisterwahl stimmten 80 Prozent für Suntinger. Der aus armen Verhältnissen stammende Holzschnitzer wurde hier porträtiert. Sein umtriebiger nationaler Bauernsozialismus mit autoritärem Antlitz ist nämlich exemplarisch für die Politik der Haiderpartei. Suntinger selbst hoffte vor zwei Wochen noch, dass sein großes Vorbild ab März in Kärnten absolut regieren würde.
Jetzt ist der Jörg tot, der Bergkamerad, dem er – Suntinger kennt das Datum genau – am 15. Februar 1992 seine gewalkten Wollfäustlinge borgte, damit sie gemeinsam den Glockner bezwingen. “Er hatte Handschuhe aus der Stadt, die bei der Kälte nichts taugen. Er konnte meine Hilfe annehmen, und so bezwangen wir den Gipfel.”
Suntinger, der von den Schwarzen verstoßene rebellische Bergbauernbub, und der in aller Welt bekannte Doktor Haider saßen oben auf dem Gipfel, “und wir haben miteinander ganz alleine geredet”.
Während Suntinger so erzählt, füllen sich Klagenfurts Straßen. Gleich hinter den Staatsgästen nimmt ein militärisch organisiertes ländliches Österreich Aufstellung. Bergknappen in schwarzen Uniformen, Frauen mit Goldhauben, Burschenschafter, Kameradschaftsvereine, Abwehrkämpfer, Gendarmen, Feuerwehrleute, Sanitäter und Rauchfangkehrer.

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20. Okt 2008

Die Verklärung des Jörg

K%C3%A4rnten.pngDas offizielle Kärnten ist wütend. Das Andenken an den Landesvater sei geschändet worden. Der ehemalige blaue Justizminister Dieter Böhmdorfer nützte sogar seine Trauerrede für eine Medienschelte. Haiders Familie zeigte den Klagenfurter Staatsanwalt an, weil der das Amtsgeheimnis gebrochen haben soll.
Der Staatsanwalt hatte – übrigens entgegen dem Wunsch der SP-Justizministerin – jene Teile des Obduktionsbericht veröffentlicht, in denen von 1,8 Promille die Rede war. Die Öffentlichkeit, so behaupten die Haiders, habe kein Recht, darüber unterrichtet zu werden.
Sie mögen durch die Berichte über ihren geliebten Jörg betroffen sein, aber sie irren. Haider war eben nicht nur ein liebevoller Vater, sondern die Person des öffentlichen Interesses. Er hat sich als Prinz Porsche und strenger Law & Order-Politiker inszeniert. Es ist daher das Recht der Öffentlichkeit, sowohl den Unfallhergang, als auch Haiders Alkoholpegel zu kennen – gerade auch um jene Mythenbildung zu kontrastieren, die Haiders Kameraden nun zu Wahlkampfzwecken betreiben. Journalisten müssen schreiben, was ist. Nicht das, was das trauernde (Partei-)Volk gerne hört.
Das Informationsrecht endet diesmal auch nicht bei Haiders Familienleben. Er hatte sich als moralisch hochanständig inszeniert, sein Parteifreund Ewald Stadler agitierte gegen Schwule. In Wahrheit zog Haider selbst durch Klagenfurter Schwulenkneipen, soff sich an und raste heim. Solche Scheinmoral soll den Kärntnern nicht vorenthalten werden.
Die Presse ist nämlich frei. Familie Haider muss den Realitätscheck aushalten. So schmerzlich das auch sein mag. Die Überbringer der schlechten Nachricht sind nicht zu bestrafen.

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20. Okt 2008

Zitiert im Guardian

Einen schönen Blick auf Österreichs Haider-Trauer liefert der Guardian vom Wochenende. Was mich freut: Dieser Artikel wird zitiert.

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15. Okt 2008

Verrückt vor Trauer

Er setzte sich über Richter weg, er beschimpfte Flüchtlinge und wollte
»Sonderlager« für Ausländer errichten. Aber für Österreich ist mit Jörg Haider
einfach nur ein großer Staatsmann gegangen
 (für die ZEIT)
Haider%20Kondolenz.pngDie letzte Meldung aus Österreich: Das Fußballspiel Kärnten gegen Rapid Wien wurde abgesagt. Die Klagenfurter wollten in schwarzen Trikots antreten, dann aber verzichteten sie ganz auf das Match. Ein Spiel sei dieser Tage »völlig unangemessen«, erklärte der Trainer der Kärntner Elf. Im Wörtherseestadion, wo das Spiel hätte stattfinden sollen, saßen Samstagnacht noch Hunderte Menschen und gedachten des toten Landesvaters. Sein Antlitz flimmerte von der Tafel, die normalerweise den Spielstand zeigt. Vor Haiders Amtssitz
flackerte ein Lichtermeer. Auf ein Schild neben einer Kerze hatte jemand
geschrieben: »Pfiati Jörgi!«
Jörg Haider ist tot – und die Art, wie ihn das Land, die Kirche und vor allem die von ihm regierte Provinz Kärnten betrauern, ist nicht nur deshalb verstörend, weil sie einem Führerkult gleichkommt. Die öffentlich zelebrierte Trauer ist berührend und empörend zugleich. Einmal mehr zeigt sich die Distanzlosigkeit des Landes gegenüber dem rechtsradikalen Popstar der österreichischen Politik. In diesen Tagen wird sichtbar, wie sehr ihn jene verehrten, die öffentlich wohl nie zugegeben hätten, ihn gewählt zu haben.

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