"Mit ernsthaften Grüßen"

Erstmals redet der Kleider-Bauer-Chef über den Psychoterror radikaler Tierschützer gegen sein Unternehmen. (für Falter 37/08)

Am Rande eines Ackers, neben der Ortseinfahrt von Perchtoldsdorf, residiert die Firma Kleiderbauer. Spätsommerhitze flimmert über dem Feld.In einem Besprechungsraum sitzt Peter Graf, 48, einer der Chefs des Modeunternehmens. Graf hat, wie seine Pressesprecherin betont, noch nie mit Journalisten über die Ereignisse der letzten zwei Jahre gesprochen.

Nach allem, was man in den vergangenen Tagen über ihn gelesen hatte, würde man Graf für einen Tycoon der Pelzindustrie halten. Graf ist aber weder einer, noch sieht er so aus. Er trägt Sneakers, Jeans und ein weißes, lässig aufgeknöpftes Hemd. Er empfängt seinen Besuch in einem nüchternen Raum. Eine Sekretärin bringt ein paar Daunenjacken mit Pelzverbrämungen. „Die Pelzkragen sindweich, warm, eben ein Naturprodukt,“ sagt Graf, „das schätzen viele unserer Kunden, andere lehnen Echtpelz ab. Auch das muss man respektieren.“

Kleider Bauer ist wegen dieser Jacken mit Pelzbesatz das Feindbild radikaler Tierschützer, die das Unternehmen seit zwei Jahren terrorisieren. Er ist seit kurzem auch die Zielscheibe der Grünen. Graf habe, so ihr Aufdecker Peter Pilz, das Innenministerium dazu gebracht, unschuldige Demonstranten, die vor seinen Filialen protestieren, einzusperren – nur weil einmal sein Auto demoliert worden war (siehe Kommentar Seite 13). „Das war eine von 4500 Sachbeschädigungen pro Jahr in Österreich“, höhnte Pilz, „und schon steht das schwarze Innenministerium habt Acht!“

Die Geschichte, die Pilz erzählt, erzürnt die kritische Öffentlichkeit. Der Philosoph Peter Sloterdijk und der Medientheoretiker Peter Weibel fragen per offenem Brief: „Schläft die österreichische Zivilgesellschaft?“ Österreich, so die beiden, habe „ein Recht darauf, zu erfahren, wie die Nähe der Staatsanwaltschaft zu den Positionen der Vertreter einer gewissen, der Tierquälerei verdächtigen Industrie zu rechtfertigen ist.“

Graf sagt: „Wir haben zwei Jahre nur still gelitten und auf den Schutz des Rechtsstaates vertraut“. Er blättert in einer schwarzen Ledermappe, die vor ihm auf dem Tisch liegt. „BekennerInnenschreiben“ sind darin archiviert und Erpresserbriefe von Tierschützern, die sich nun als „politische Gefangene“ bezeichnen. Graf zeigt Fotos von zerstörten Filialen und demolierten Autos. Feinsäuberlich hat er die Chronologie eines Psychoterrors dokumentiert.

Am 4. Oktober 2006 öffnet eine Assistentin der Geschäftsleitung ein merkwürdiges Mail. Ein Mann namens „Mag. Felix Hnat“ fordert Kleider Bauer auf, seine Läden in den nächsten Tagen „pelzfrei“ zu machen. Noch kein Unternehmen, so warnt er, habe sich dieser Forderung widersetzen können. Das Mail endet mit den Worten: „Mit ernsthaften Grüßen“.

Hnat ist einer jener neun Tierschützer, die vergangene Woche aus der U-Haft entlassen wurden. Er ist Mitglied des „Vereins gegen Tierfabriken“ (VGT), dessen Obmann der Neo-Grün-Politiker Martin Balluch ist. Auch Balluch wurde vergangene Woche aus der U-Haft entlassen. Aus „Solidarität“ setzten ihn die Grünen auf ihre Liste – an unwählbarer Stelle.

„Ich würde Ihnen dringend empfehlen bald auszusteigen, so ersparen Sie sich einiges“, schrieb Hnat an den Kleiderbauer-Chef Graf. War das die Androhung „ökonomischer Sabotage“, von der Balluch in Interviews – etwa mit dem „Bite-BackMagazin“, einer Zeitschrift für Tierschützer – sprach?

Peter Graf sagt heute, die Diktion des Mails habe ihn an italienische Schutzgelderpresser aus Filmen erinnert.

Neun Tage später das nächste Mail. Diesmal von einer „Offensive gegen die Pelzindustrie“, eine Gruppe radikaler Tierschützer, die in Berlin und Wien Neubau sitzt. Drei Tage habe Graf noch Zeit, so das Ultimatum, sonst würden „Proteste“ drohen. Auf der Homepage der „Offensive“ findet sich ein Link mit „Direkten Aktionen“. Wer den Pfad anklickt, findet Gewalttaten radikaler Tierschützer gegen Modeketten (etwa Peek & Cloppenburg) dokumentiert: Buttersäure-Attentate, Brandbomben, Grabschändungen, Verwüstungen von Privatwohnungen. „Wir rufen nicht zu solchen Aktionen auf“, so die „Offensive“. Man dokumentiere sie nur.

Peter Graf lässt sich von den Drohungen nicht einschüchtern, im Gegensatz zu Peek & Cloppenburg, die den Handel mit Pelzen einstellen. Das Ultimatum verstreicht.

Am 25. Oktober 2006, drei Wochen nach dem ersten Mail, starten die „Offensive“ und der VGT von Martin Balluch ihre „Anti-Pelz Kampagne gegen Kleiderbauer“. „An vergangenen Kampagnen“, so die offizielle Aussendung der „Offensive“, hätte sich auch die „weltweit anonym aus dem Untergrund agierende Animal Liberation Front“ beteiligt. Die würde nicht nur „Sabotageaktionen“ gegen Unternehmen ausführen, sondern „deren Management und GeschäftspartnerInnen“ bedrohen.

Der VGT und die „Offensive“ – das sind die zwei offiziellen Gesichter einer Kampagne, die nach außen legal, im Untergrund brutal verlaufen wird. Felix Hnat, jener Aktivist des VGT, der den ersten Brief an Graf schrieb, schreibt im „Fadinger-Forum“, einer konspirativen News-Group: „Wir treten als seriöser Verein auf, die OGPI (Offensive gegen Pelzindustrie, Anm.) als Netzwerk von Autonomen mit ALF-Drohwirkung.“

Kleider-Bauer hatte auf einmal eine international vernetzte Szene am Hals, die sich einmal den Schafs-, dann den Wolfspelz überstreifte, je nach dem, welche Mittel gerade gefragt waren. Dazu kam die ALF und ihre „Drohwirkung“. Die ALF ist die Task-Force gequälter Tiere. Wer durch ihre Homepage klickt, stößt auf eine Mischung aus Tierleid, „Wer will mich“-Kitsch, RAF-Ästhetik und totalitär anmutender Klassenkampf-Rhetorik (siehe Kommentar Seite 8). ALF-Leute posieren mit Sturmhauben und herzen dabei gerettete Kaninchen, Videos zeigen sie beim Zerschlagen von Büros von Pharmafirmen. Bilder zeigen aber auch Container vor Pelztierfarmen, in denen tausende enthäutete Füchse, „nichtmenschliche Tiere“ so die ALF, liegen.

Das FBI klassifiziert die ALF als „terroristische Vereinigung“, ihre Mittel seien krimineller Art: neben Brandanschlägen und Briefbomben auch „Einschüchterung der Familienmitglieder und Kinder von Mitarbeitern der bekämpften Firmen“. Es würden „bewusst psychische Schäden bei den unbeteiligten Opfern in Kauf genommen.“ Der britische ALF-Aktivist Barry Horne, für den VGT-Obmann Martin Balluch einmal „aus Solidarität“ demonstrierte, wurde wegen Brandbombenanschlägen zu 18 Jahren Haft verurteilt, ehe er an den Folgen eines Hungerstreiks starb.

Ende Oktober 2006 startet die Kampagne gegen Kleiderbauer. In Wien, Graz, Wels, Linz, Salzburg, Innsbruck, Bruck/ Mur, Wiener Neustadt und St. Pölten wird vor Filialen „friedlich“ demonstriert. Auf Youtube kann man die Demos sehen. Erwachsene laufen zwischen den Regalen herum, schreien „Mörder! Mörder!“

Am 13. November ein neues Angebot an Graf. „Seien Sie vernünftig. Sie sparen sich finanziell und nervlich sehr viel“, heißt es in einem Mail. Absender: der VGT von Martin Balluch. Drei Wochen später ein Mail von einer „Tierrechtsgruppe Passau“. Nun die unverholene Drohung: „Die Versicherungen werden immer teurer. Ihr wollt doch auch eine stille Zeit zu Weihnachten! Und keine Homedemos!“

Homedemos, sagt Graf, das klinge so harmlos. Vermummte Demonstranten lauern dabei vor der Türe seiner Privatwohnung und brüllen in Megaphone. Einmal läuten sie die Familie raus. Mehr soll hier nicht berichtet werden – aus Respekt vor seinem Privatleben.

Kurz vor Weihnachten schlagen Unbekannte in Wien Meidling alle Scheiben einer Filiale ein. Zwei Wochen später verspritzen sie Buttersäure in der Filiale Mariahilferstraße. Kurz darauf ein Buttersäureattentat in Graz. Die Filiale bleibt daraufhin wochenlang gesperrt. Martin Balluch, der jegliche Gewalttat von sich weist und auf der Homepage des VGT seinen Hund herzt, schrieb einmal, Buttersäureanschläge seien „net einmal richtig eine Sachbeschädigung (…) harmloser geht’s doch wirklich nimma“. Der Schaden steigt in die hunderttausende Euros.

Die Gewaltspirale dreht sich weiter. Mitarbeiter der Grafs werden nun terrorisiert, interessanterweise vor allem Frauen. Im Dezember 2006 erschrickt Martina B., als sie diese kopierten, handgeschriebenen Zettel sieht, die an Laternenpfählen hängen. „Wohnungsauflösung!!! Hausrat großteils zu verschenken“, steht darauf. Darunter ihre eigene Handy-Nummer. Hunderte dieser Zettel, sagt Frau B. heute, seien in der ganzen Stadt verteilt gewesen. B. arbeitet in der Konzernzentrale von Kleiderbauer.

Auch Marjan F. zuckt zusammen, als sie ihr Haus verlässt: Ihr Mini ist demoliert worden, die Reifen aufgestochen. F. ist die Pressesprecherin von Kleiderbauer. Die Polizei wird später herausfinden, dass zwei der vergangene Woche freigelassenen „Tierschützer“ Marjan F.s Privatadresse aus einem Computer ihres Fitnesscenters gestohlen hatten.

Bis Anfang März 2007 wird auf Kleiderbauer-Filialen in der Thaliastraße und in der Mariahilferstraße nunmehr auch geschossen. Anfang April 2007 werden schließlich die Autos der Grafs zerstört. Roter Lack und Buttersäure, zerstochene Reifen für den Mercedes von Peter, Ätzmittel für den BMW eines nicht im Unternehmen tätigen Familienmitgliedes. In einem Bekennerschreiben der ALF heißt es, die Autos der „Mörder“ seien „generalüberholt“ worden.

Graf ruft im Innenministerium an: „Wenn die Polizei nicht in der Lage ist, unsere Familien, unsere MitarbeiterInnen und unser Eigentum zu schützen, möchte ich den Innenminister persönlich sprechen, anderenfalls informieren wir die Öffentlichkeit selbst!“

Erik Buxbaum, Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit, ruft zurück. Der SPÖ-nahe Beamte organisiert ein Treffen mit dem Spitzen von Verfassungsschutz, BKA und Polizei. Graf legt seine Mappe vor. Buxbaum spricht von „Terror“ und setzt eine Sonderkommission ein.

Die Beamten nehmen – mit richterlicher Genehmigung – Ermittlungen auf. Sie verwanzen Büros, setzen Peilsender, belauschen Telefonate, sichern DNA-Proben an Tatorten und verhaften über ein Jahr nach Beginn ihrer Ermittlungen zehn Aktivisten in den Morgenstunden.

Die Anschläge auf Kleiderbauer hören auf. Die Grünen protestieren gegen die „skandalösen Verhaftungen“, die „ohne Beweise“ erfolgt seien. Die Ermittler stellen derweil DNA-Spuren von „Tierschützern“ an Tatorten sicher, sie finden Sturmhauben, Spraydosen, Firmenbuchauszüge von Kleiderbauer und Listen mit Namen von Mitarbeitern des „Ziel-Unternehmens“. Sie entdecken, dass die Aktivisten verschlüsselt kommunizieren und dass Martin Balluch Tierschützer vor Denunziation und Kritik an der ALF warnte. Auf Balluchs USB-Stick finden die Fahnder auch ALF-Bekennerschreiben, die dieser, wie er sagt, „nur zu Dokumentationszwecken“ abgespeichert habe. Die Fahnder versuchen auch einen verschlüsselten Computer zu knacken. „Die Beschuldigten sagen, sie hätten leider das Passwort vergessen“, erklärt ein Staatsanwalt.

Das Gericht sah Verdunkelungs- und Verabredungsgefahr – und verhängte U-Haft. Wurden auch Unschuldige ins Visier genommen? Manches spricht dafür (siehe Seite ...). Sogar ein Mann, der nur die Mails der Tierschützer zu verschlüsseln half, saß ein. Der Tatbestand der „kriminellen Organisation“ ist nämlich weitreichend. Nicht nur die Unterstützung von Straftaten, auch die Unterstützung der Organisation ist strafbar. Die Furcht der Grünen: auch harmlose Tierschutzvereine könnten plötzlich ins Visier der Ermittler geraten und „kriminalisiert“ werden.

Die Justiz mutmaßt nun, niemand geringerer als Martin Balluch und seine Leute seien die österreichische Sektion der ALF. Er betreibe ein Doppelspiel. Hier legale Proteste am Tag, dort Anschläge in der Nacht. Einen Hinweis gab Balluch selbst. „Wir sollen das brave Gesicht der Tierrechtsbewegung sein, während dahinter diese Leute ihre Aktionen durchführen können“, schrieb er laut Gerichtsakt im Fadinger-Forum.

Die Tierschützer wurden vergangene Woche freigelassen, nach 110 Tagen Haft. Die Oberstaatsanwaltschaft betont, dies sei „kein Zeichen, dass die Suppe zu dünn sei“. Die zu erwartende Strafe müsse aber in einem Verhältnis zur U-Haftdauer sein. Die Ermittlungen seien zwar nicht abgeschlossen, so ein Staatsanwalt, doch schon das vorliegende Beweismaterial reiche aus, um Anklage wegen Nötigung und Sachbeschädigung zu erheben. Das Gericht muss dann in einer öffentlichen Verhandlung entscheiden, ob die beschuldigten Aktivisten mit den Anschlägen gegen Kleiderbauer zu tun haben oder nicht. Im Justizministerium sieht man zwar die Bewertung als „kriminelle Organisation“ als übertrieben an, Indizien für eine „Bande“ oder ein „Komplott“ liegen aber vermutlich vor.

Und Peter Graf? Der sagt, auch bei Kleiderbauer gebe es Mitarbeiter, die Echt-Pelze ablehnen. Auch über Qualitätssiegel und noch strengere Kontrollen könne man gerne reden. Aber erpressen, sagt Graf, lassen wir uns nicht.

Kommentare

Herr Klenk,

als Grüner bin ich mit der Kandidatur von Balluch - wenn auch auf einem "irrelevanten" Platz - auch nicht sonderlich glücklich. Kritik daran ist durchaus angebracht.

Da sie allerdings nun fast spamartig wieder häppchenweise veröffentlichen, was sie in einem längeren Artikel hätten zusammenfassen können, drängt sich mir das Gefühl auf, sie führen einen persönlichen Krieg gegen die Tierschützer und/oder Grünen. Oder - absichtlich polemisiert - sie wollen die Betroffenen so lange provozieren, bis sie selbst von einem radikalen Tierschützer bedroht werden und dann "ihren Beweis" bzw. "ihre Story" haben. Nochmal: das war absichtlich polemisiert, denn da ich sie an und für sich für einen guten Journalisten halte, traue ich ihnen so etwas nicht zu.

Es ist eine Frage der Optik, genauso wie bei der Listung von Balluch die ich wie erwähnt nicht für klug halte. Wohl aber das Ansinnen dahinter, denn es geht nicht um die Verharmlosung oder Unterstützung gewalttätigen Tierschutzes, sondern um ein Zeichen gegen unrechtsstaatliche Willkür. Und die scheint nach meinem Informationsstand bei diesen Inhaftierungen durchaus gegeben gewesen zu sein.

@Georg Pichler:

Dein Kommentar zu dieser Causa ist sehr enttäuschend und entlarvend. Entlarvend einerseits, da du offensichtlich höchst parteiisch agierst, entlarvend andererseits, weil du Tierschutz mit Rechtsverstößen verwechselst. Mit der Diktion "Krieg" willst du die Seriösität dieses hervorragend recherchierten Artikels in Frage stellen, als ob Florian Klenk den ganzen Tag nichts anderes zu tun hätte, sich mit durchgeknallten "Tierrechtlern" auseinanderzusetzen. Welchen Grund sollte Klenk haben, um gegen die armen "Tierschützer" zu hetzen? Weil er selber gerne Pelz trägt? Lächerlich!

Bei aller Skepsis gegenüber dem Mafia-Paragraphen ist es doch angebracht, über diese erwiesenen Taten der extremistischen "Tierschutzorganisationen" zu sprechen. Balluch - und das ist Fakt - befindet sich im Dunstkreis von Menschen, die die von Klenk geschilderten Methoden gutheißen und ausführen. Wer die Taten konkret ausgeführt hat, wird individuell schwer nachweisbar sein. Dass aber Balluchs Gruppe höchst obskur und verdächtig ist, sollte allen vernünftigen Menschen, denen der Rechtsstaat am Herzen liegt, klar sein. Solche fundamentalistischen Organisationen sind nichts anderes als eine gefährliche Sekte.

Es ist eine Chuzpe gegenüber den Opfern, wenn die Schilderungen über einen grauenhaften Psychoterror, Bedrohungen und Sachbeschädigungen als "Krieg gegen die Tierschützer" verunglimpft werden. Und es ist eine Chuzpe, dass die Grünen vor Aktionismus nur so strotzen, und den mysteriösen Balluch auf die Liste setzen. Das ist weder Tierschutz, noch ein Zeichen gegen mögliche Missstände im Rechtsstaat. Es ist eine Vertreibung bürgerlich-gebildeter Grün-Wähler, die sich aufgrund des schwachen Wahlkampfes und des niveaulosen LIF-Bashings nun eine andere Heimat suchen, vermutlich vermehrt das Liberale Forum.

Die Grünen werden bei der Wahl einen ordentlichen Denkzettel bekommen. Und dann sollten die Grünen, aber auch du darüber nachdenken, wie es dazu kommen konnte.

Auch auf die Gefahr der Kampgane gegen die Grünen verdächtigt zu werden: Grüne Irrungen und Wirrungen II: RECHTS = LINKS? Der Elchkäse-Antikapitalismus http://raetischerbote.blogspot.com/2008/09/grne-irrungen-und-wirrungen-ii-rechts.html

Herr Klenk,

ein weiteres Mal versuchen Sie Ihre Vorurteile durch die Aufzählung von haltlosen Anschuldigungen zu kaschieren:
Eine Doppelstrategie wird "klenk" behauptet; Aussagen werden isoliert und in neue, (möglichst unvorteilhafte) Kontexte gestellt.

Ernsthafte Grüße und die Ankündigung von Protesten sind in Ihren Augen anscheinend schlimme Drohungen einer kriminellen Organisation. Mit dieser Rechtsauffassung zeigen Sie allerdings sehr deutlich, dass Sie offenbar für Gedankenplizei und gegen Meinungsfreiheit sind.

Sie müssen schlimm berauscht durch kuschelweiche Pelz-Daunenjacken sein, wenn Sie deretwegen jeglichen Sinn für die Realität verlieren.

Diktatoren stellen passiven Widerstand für die Einhaltung von Menschenrechten auch als Erpressung dar. Die Gebrüder Graf bezeichnen ihrerseits letztlich ebenso friedliche wie legale Kundgebungen als Erpressung, sobald Sie die betroffenen Tierschützer_innen damit in Zusammenhang setzen, denn für andere Aktivitäten der Betroffenen liegen - trotz den ebenso auffällig wie ungerechtfertigt auf diese ganz bestimmte Gruppe beschränkten Ermittlungen - immer noch keine Beweise vor. Die Behörden übergehen sogar Menschenrechte um Leute wegen Straftaten zu beschuldigen, die lediglich ein nachweisliches Interesse an Kleider Bauers Ausstieg aus dem Pelzhandel haben.

Vermutlich bereitet es Ihnen unheimliche Freude, dass es Ihnen - ohne dafür eine Falschaussage machen zu müssen - gelungen ist durch eine entsprechende Reihung Ihrer Schilderungen den Eindruck zu erwecken die Sachbeschädigungen und angeblichen Bedrohungen hätten aufgehört, nachdem die Untersuchungshaften verhängt wurden. Dass es - trotz weiterhin unvermindert massiver, friedlicher Proteste vor den Filialen - schon viele Monate lang vor diesen Inhaftierungen keine strafrechtlich relevanten Vorfälle mehr gegeben hatte, müssen Sie ja niemandem auf die Nase binden ...

Falls Sie Wert auf eine unabhängige Berichterstattung bzw. das Finden der Wahrheit legen:
Wieso machen Sie sich nicht auch einmal die Mühe durch entsprechende Recherchen und Gespräche die Sicht jener Leute zu ergründen, die Sie in Ihren Kommentaren bisher so bereitwillig verurteilen?

Sehr geehrter Hr. Klenk,

Ein wenig einseitig ist Ihre Darstellung aber doch. Gelernten ÖsterreicherInnen fällt es als seltenes Ereignis auf, wenn eine Behörde eine andere öffentlich rügt. Genau das hat aber die Oberstaatsanwaltschaft Wien in Bezug auf die Arbeit der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt getan, und zwar in ziemlich scharfen Tönen (http://derstandard.at/?url=/?id=1219938812677). Das belegt zumindest, dass es grundsätzlich richtig war, die U-Haft massiv in Frage zu stellen. Komischerweise erwähnen Sie das nicht, obwohl Sie sonst gern und genau Behördenmurks aufdecken.

Wo bestimmte grüne Persönlichkeiten mit ihrer Kritik übers Ziel hinausgeschossen haben, war aus meiner Sicht, und da sind wir uns wohl einig, in der Beteuerung ihres Glaubens an die Unschuld der Inhaftierten. Ein korrektes Strafverfahren kann ich ja verlangen, ohne die unter Verdacht stehende Person zu meinem besten Freund zu erklären. Da haben sich aus meiner Sicht Brigid Weinzinger, Peter Pilz und Alexander van der Bellen unkluge Formulierungen erlaubt.

Bei mir als Mitglied der Grünen sind damit etliche Alarmglocken losgegangen. Aufgrund meines beruflichen Werdegangs bin ich wohl für die dunklen Seiten des Tierschutzes mehr sensibilisiert als manche andere Grünen: mein Berufsleben als Biochemiker habe ich zu einer Zeit in Grossbrittanien begonnen, wo schwere Verbrechen, inklusiv Attentate auf Leib und Leben von ForscherInnen, im Namen des Tierschutzes verübt wurden. Ich habe natürlich auch eine Ahnung, wofür und warum Tierversuche in der medizinischen Forschung verwendet werden und bin etwas weniger optimistisch über ihre Abschaffbarkeit als das grüne Grundsatzprogramm. Dass die Positionen des VgT am anderen Extrem weit über das Grundsatzprogramm hinausgehen, versteht sich.

Ich war also über diese öffentliche Stoßrichtung mancher ParteivertreterInnen ziemlich besorgt und habe das auch unmissverständlich den mir bekannten FunktionärInnen mitgeteilt. Glücklicherweise kann ich berichten, dass ich mit meiner Besorgnis nicht allein und eine Diskussion schon im Gange war. Die kritischen Stimmen haben sich soweit durchgesetzt, dass Hrn. Balluch von der Partei keine größere Bühne geboten wurde. Er ist nicht Parteimitglied geworden, und er spricht nicht für die Partei. Zwischen den Positionen des VgT und dem Grundsatzprogramm der Grünen bestehen weiterhin klare Unterschiede.

Dass TierschützerInnen aber bei den Grünen Platz finden, finde ich allerdings auch als aus einem anderen Eck kommendes Mitglied gut. Wo sonst, wenn nicht bei der Umweltpartei sollten solche Leute eine politische Heimat haben? Die grundsätzliche Sorge über Grausamkeit gegen Tiere ist ja alles andere als verwerflich; dass Reformbedarf besteht, ist kaum zu bestreiten. Und wo sonst als in einer Partei sollte die Diskussion zwischen Leuten, für die Tierleid ein dominantes Thema ist und anderen, deren Engagement anderen Formen des Leids und der Ungerechtigkeit gilt, geführt werden? Wo sonst sollten Brücken von der einen oder anderen „reinen Lehre“ zu realpolitisch mehrheitsfähigen Konsenspositionen geschlagen werden? Meiner Wahrnehmung nach ist gegenwärtig die Diskussionskultur bei den Grünen gesund genug um diesen Funktionen gerecht zu werden. Ich weiß nicht, ob eine andere Partei das derzeit von sich behaupten kann.

Mit freundlichen Grüßen,

Ben Hemmens

Herr Klenk,

das ist letztklassig. zu einer fairen berichterstattung gehört auch die andere seite. nichts von den überlangen u-haftzeiten, nichts über den unverhältnismässigen einsatz von polizei und justiz gegen die angeklagten. nichts davon, dass tierquäler ungestraft bleiben und tierschützer immer wieder bestraft werden, nur weil sie auf vollzug des tierschutzgesetzes bestehen. und nichts über den skandal, dass ein gummiparagraf, der eines rechtsstaats unwürdig ist, hier gegen eine unbequeme, vielleicht manchmal gesetze übertretende aber aktive tierschutzgruppe missbraucht werden soll.

der falter ist für mich dadurch unglaubwürdig und macht sich zum büttel eine brutalen, rechtsstaatliche prinzipien ungestraft verhöhnenden tierquälerlobby, die von jägern über pelztierzüchter und -verarbeiter bis zu massentierquälern in tierfabriken bis hin zu den alle gesetze ungestraft brechenden tiertransportern reicht.

wer gesetze bricht soll bestraft werden. aber verhältnismässig und gleiches recht für alle. nicht generalpardon für tierquäler und klassenjustiz gegen tierschützer.

pfui klenk, pfui falter.

Schade Herr Klenk...

Finde ich auch schade! Bisher konnte ich ganz gut mit ihrer journalistischen Leistung!

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