Maria & Maria
Maria Berger und Maria Fekter besuchten dasselbe katholische Mädcheninternat. Nun regieren sie als Justiz- und Innenministerinnen – ihre Herkunft prägt sie noch immer.
Im Jahr 1968 lernten einander zwei Schülerinnen im Internat der „Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz “ in Gmunden kennen. Die eine, Maria Berger, war die Tochter schwarzer Bauern aus Perg. Sie war weniger elegant gekleidet, wie ihre Mitschüler. Sie spürte die herablassenden Blicke der „Arztkinder und Unternehmertöchter“, wie sie heute erzählt. Mit Chauffeur und Mercedes holten die Eltern ihre Töchter am Wochenende ab und wenn sie schlechte Noten hatten, intervenierten sie beim Lehrer.
Das andere Mädchen, Maria Fekter, kam auch aus schwarzem Elternhaus. Ihr Vater war ein angesehener Schottergrubenunternehmer aus Attnang-Puchheim. Manche nennen sie noch heute spöttisch „die Schottermitzi“.
Die zwei Mädchen sollten bei den Kreuzschwestern lernen, ihr Leben in die Hand zu nehmen – durch Bildung.
Für Fekter war das selbstverständlich, für Berger damals ein Privileg. Beide Mädchen studierten nach der Matura Jus und Wirtschaft, beide wagten den Schritt in die männlich dominierte Politik. Maria Berger ist– nachdem sie in Innsbruck gegen katholischen Widerstand Frauenhäuser gegründet und danach als EU-Parlamentarierin gearbeitet hatte – die erste sozialdemokratische Justizministerin des Landes geworden. Maria Fekter feiert – nach einer Karriere als Bautenstaatssekretärin, Parlamentarierin und Volksanwältin – ihr politisches Comeback als Innenministerin.
Berger und Fekter: das sind nicht nur zwei auf der selben Schulbank sozialisierte erfolgreiche Spitzenpolitikerinnen aus der katholisch geprägten Provinz. Das politische Leben dieser Frauen symbolisiert auch zwei konträre politische Weltbilder im Umgang mit Recht und Kriminalität. Berger, die Sozialdemokratin, versteht sich als Erbin Christian Brodas, dem Justizminister Bruno Kreiskys. Der linke Anwalt träumte von der gefängnislosen Gesellschaft. Er glaubte an die gesellschaftsverändernde Kraft des Rechts. Es sollte vor allem den Schwachen dienen – gerade auch wenn diese kriminell wurden. Nur so, glaubte er, kann man die Gesellschaft vor Verbrechen schützen und die Schwachen vor dem Gefängnis.
Maria Fekter hält Broda - so wie wohl die meisten ÖVPler –für einen Sozialromantiker. Als sie sich vergangene Woche als Innenministerin präsentierte, sagte sie: „Ich stehe für Law and Order“. Es war nicht ganz klar, was sie damit meinte. Den Interessen der Opfer, so glaubt Fekter, werde wohl eher gedient, wenn die Polizei die „Glacéhandschuhe auszieht“, wie sie es nennt. Wenn der Staat das Verbrechen mit Strenge ahndet – und nicht mit Verständnis für die soziale Lage des Täters.
Nicht gesellschaftliche Randgruppen und deren von Sozialingenieuren verwaltete Nöte prägten Fekters Vita, sondern die Baubranche. Im Alter von 34 Jahren avancierte sie zur Staatssekretärin unter dem damaligen Wirtschafsminister Wolfgang Schüssel. Ihre Kostüme waren schick, ihr Weltbild konservativ. Sie folgte dem ÖVP-General und Anwalt Michael Graff als Justizsprecherin nach, rückte die Justizpolitik nach rechts. Justizpolitik war nach Broda ein langweiliges Geschäft, verwaltet von parteilosen Justizministern. Graff wies aber darauf hin, als Anwalt die Nöte von Straftätern und anderen Randgruppen gekannt zu haben. Fekter blieb dank ländlich-konservativer Prägung die Welt der Underdogs fremd. Zumindest vermittelte sie das. Ein Sektionschef im Justizministerium erinnert sich an nervige Verhandlungen, etwa wenn es um Reformen des Gefängniswesens ging: „Sie hörte nie zu, sondern hatte sehr schnell eine Meinung. Sie grub sich in ihrer Position ein.“ Auf viele progressive Juristen wirkte sie unreflektiert. „Schwul zu sein ist nicht wünschenswert!“ sagte sie im profil, als es um die von den Roten betriebene Abschaffung des schwulenfeindlichen Paragraf 209 ging. Ein anderes Mal meinte sie: „Der Seitensprung darf nicht bagatellisiert werden“. Da wollte die SPÖ das Unterhaltsrecht reformieren.
Wird Fekter eine erfolgreiche Sicherheitspolitikerin? Die Krone applaudiert „Maria ohne Gnade“.Inhaltlich wird sie – so wie ihre Vorgänger – machtloser sein, als es scheint. Die großen Linien der Sicherheitspolitik (Asyl, Datenschutz, Abschieberecht, Einwanderung, polizeiliche Befugnisse, Schengen, Anti-Terrorkampf) werden in Brüssel vorgegeben. Für einen Innenminister bleibt meist nur die mediale Inszenierung als „Mister Sicherheit“.
Die Innenminister Schlögl, Strasser, Prokop und Platter hatten sich als liberale Schöngeister präsentiert und trugen doch die Eisenfaust im Samthandschuh, weil sie vom Krone-Boulevard geliebt werden wollten. Maria Fekter, so schätzen es ihre Parteifreunde ein, ist so gesehen die ehrlichste Innenministerin. Sie verstellt sich nicht, „sie trägt die Eisenfaust im Lederhandschuh“ wie ein konservativer ÖVP-Mann es nennt. Gegenüber der linken Maria Berger sind die Fronten klar.
Oder? Fekters erste Amtshandlung bestand darin, die Abschiebung Arigona Zogajs auszusetzen. Vielleicht entsann sie sich bei dieser Entscheidung ihrer Zeit bei den Kreuzschwestern. Die waren zwar streng, aber auch barmherzig.
Maria Berger und Maria Fekter besuchten dasselbe katholische Mädcheninternat. Nun regieren sie als Justiz- und Innenministerinnen – ihre Herkunft prägt sie noch immer.
Im Jahr 1968 lernten einander zwei Schülerinnen im Internat der „Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz “ in Gmunden kennen. Die eine, Maria Berger, war die Tochter schwarzer Bauern aus Perg. Sie war weniger elegant gekleidet, wie ihre Mitschüler. Sie spürte die herablassenden Blicke der „Arztkinder und Unternehmertöchter“, wie sie heute erzählt. Mit Chauffeur und Mercedes holten die Eltern ihre Töchter am Wochenende ab und wenn sie schlechte Noten hatten, intervenierten sie beim Lehrer.
Das andere Mädchen, Maria Fekter, kam auch aus schwarzem Elternhaus. Ihr Vater war ein angesehener Schottergrubenunternehmer aus Attnang-Puchheim. Manche nennen sie noch heute spöttisch „die Schottermitzi“.
Die zwei Mädchen sollten bei den Kreuzschwestern lernen, ihr Leben in die Hand zu nehmen – durch Bildung.
Für Fekter war das selbstverständlich, für Berger damals ein Privileg. Beide Mädchen studierten nach der Matura Jus und Wirtschaft, beide wagten den Schritt in die männlich dominierte Politik. Maria Berger ist– nachdem sie in Innsbruck gegen katholischen Widerstand Frauenhäuser gegründet und danach als EU-Parlamentarierin gearbeitet hatte – die erste sozialdemokratische Justizministerin des Landes geworden. Maria Fekter feiert – nach einer Karriere als Bautenstaatssekretärin, Parlamentarierin und Volksanwältin – ihr politisches Comeback als Innenministerin.
Berger und Fekter: das sind nicht nur zwei auf der selben Schulbank sozialisierte erfolgreiche Spitzenpolitikerinnen aus der katholisch geprägten Provinz. Das politische Leben dieser Frauen symbolisiert auch zwei konträre politische Weltbilder im Umgang mit Recht und Kriminalität. Berger, die Sozialdemokratin, versteht sich als Erbin Christian Brodas, dem Justizminister Bruno Kreiskys. Der linke Anwalt träumte von der gefängnislosen Gesellschaft. Er glaubte an die gesellschaftsverändernde Kraft des Rechts. Es sollte vor allem den Schwachen dienen – gerade auch wenn diese kriminell wurden. Nur so, glaubte er, kann man die Gesellschaft vor Verbrechen schützen und die Schwachen vor dem Gefängnis.
Maria Fekter hält Broda - so wie wohl die meisten ÖVPler –für einen Sozialromantiker. Als sie sich vergangene Woche als Innenministerin präsentierte, sagte sie: „Ich stehe für Law and Order“. Es war nicht ganz klar, was sie damit meinte. Den Interessen der Opfer, so glaubt Fekter, werde wohl eher gedient, wenn die Polizei die „Glacéhandschuhe auszieht“, wie sie es nennt. Wenn der Staat das Verbrechen mit Strenge ahndet – und nicht mit Verständnis für die soziale Lage des Täters.
Nicht gesellschaftliche Randgruppen und deren von Sozialingenieuren verwaltete Nöte prägten Fekters Vita, sondern die Baubranche. Im Alter von 34 Jahren avancierte sie zur Staatssekretärin unter dem damaligen Wirtschafsminister Wolfgang Schüssel. Ihre Kostüme waren schick, ihr Weltbild konservativ. Sie folgte dem ÖVP-General und Anwalt Michael Graff als Justizsprecherin nach, rückte die Justizpolitik nach rechts. Justizpolitik war nach Broda ein langweiliges Geschäft, verwaltet von parteilosen Justizministern. Graff wies aber darauf hin, als Anwalt die Nöte von Straftätern und anderen Randgruppen gekannt zu haben. Fekter blieb dank ländlich-konservativer Prägung die Welt der Underdogs fremd. Zumindest vermittelte sie das. Ein Sektionschef im Justizministerium erinnert sich an nervige Verhandlungen, etwa wenn es um Reformen des Gefängniswesens ging: „Sie hörte nie zu, sondern hatte sehr schnell eine Meinung. Sie grub sich in ihrer Position ein.“ Auf viele progressive Juristen wirkte sie unreflektiert. „Schwul zu sein ist nicht wünschenswert!“ sagte sie im profil, als es um die von den Roten betriebene Abschaffung des schwulenfeindlichen Paragraf 209 ging. Ein anderes Mal meinte sie: „Der Seitensprung darf nicht bagatellisiert werden“. Da wollte die SPÖ das Unterhaltsrecht reformieren.
Wird Fekter eine erfolgreiche Sicherheitspolitikerin? Die Krone applaudiert „Maria ohne Gnade“.Inhaltlich wird sie – so wie ihre Vorgänger – machtloser sein, als es scheint. Die großen Linien der Sicherheitspolitik (Asyl, Datenschutz, Abschieberecht, Einwanderung, polizeiliche Befugnisse, Schengen, Anti-Terrorkampf) werden in Brüssel vorgegeben. Für einen Innenminister bleibt meist nur die mediale Inszenierung als „Mister Sicherheit“.
Die Innenminister Schlögl, Strasser, Prokop und Platter hatten sich als liberale Schöngeister präsentiert und trugen doch die Eisenfaust im Samthandschuh, weil sie vom Krone-Boulevard geliebt werden wollten. Maria Fekter, so schätzen es ihre Parteifreunde ein, ist so gesehen die ehrlichste Innenministerin. Sie verstellt sich nicht, „sie trägt die Eisenfaust im Lederhandschuh“ wie ein konservativer ÖVP-Mann es nennt. Gegenüber der linken Maria Berger sind die Fronten klar.
Oder? Fekters erste Amtshandlung bestand darin, die Abschiebung Arigona Zogajs auszusetzen. Vielleicht entsann sie sich bei dieser Entscheidung ihrer Zeit bei den Kreuzschwestern. Die waren zwar streng, aber auch barmherzig.

Kommentare
Ein netter Text, nur:
"Die Innenminister Schlögl, Strasser, Prokop und Platter hatten sich als liberale Schöngeister präsentiert und trugen doch die Eisenfaust im Samthandschuh, weil sie vom Krone-Boulevard geliebt werden wollten."
Wenn sogar die Selbstinszenierungen von Platter und Strasser als die liberaler Schöngeister durchgeht, dann ist der durchschnittliche FPÖ-nahe Polizist wohl ein Humanist mit Schnauzbart.
Georg • 11.08.08 19:16