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Archiv für Mai 2008
28. Mai 2008

Das Mädchen und die Meute

Wie der Fall Kampusch die Republik verändern könnte – wenn die Politik das will
(für Falter)
Wie es Natascha Kampusch geht? Müssen wir das wissen? Eigentlich nicht. Wir wissen schon genug, und das, was wir nicht wissen wollen, berichtet täglich der Boulevard. Man könnte Natascha Kampusch in Frieden lassen. Doch jetzt hat sie, wie sie selbst sagt, die „Seiten gewechselt“ – am Sonntag startet ihre eigene Talkshow auf Puls 4. Sie hat die Medien vor allem als eine Meute erlebt und wird nun selbst zur Journalistin. Sie wird Niki Lauda und andere prominente Österreicher interviewen. Kampusch will Teil der österreichischen Fernsehfamilie werden.
Warum sie das tut? Die Antwort ist einfach. Natascha Kampusch will arbeiten, sie will Geld verdienen, vielleicht versucht sie auch, ihrer Opferrolle zu entkommen. Jetzt will sie tun, was alle tun: einen Beruf erlernen, ihr Leben neu gestalten.
Doch Natascha Kampusch ist keine normale Bürgerin.

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20. Mai 2008

Jäger von gestern

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss über das Innenministerium agiert maßlos – und hat schon im ersten Monat erstaunlich viel enthüllt. Eine erste Bilanz.
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Der „Rüstungsvermittler“ Alexander Graf Mensdorff-Pouilly zum Beispiel. Kabinettsmitarbeiter der Innenminister Strasser und Prokop lud er zur Jagd. Nicht nur im Burgenland, so enthüllte die Presse, sogar im schottischen Luxusschloss Dalnagar, ließ er die Sauen raus.
Oder Jörg Haiders Ex-Werber, die Eurofighter-Lobbyisten Gernot und Erika Rumpold. „Irrtümlich“ erhielten sie vier Millionen Euro von einer „Offshore Gesellschaft“. Die Erste Bank meldete die Transaktion dem Bundeskriminalamt – Verdacht der Geldwäscherei. Ein Russe habe versehentlich Geld aufs Konto überwiesen, rechtfertigen die Rumpolds sich.
Mysteriös auch die Erzählungen der Kriminalbeamten der „Soko-Bawag“. Hurtig hatten sie kurz vor der Nationalratswahl 2006 nach „Zahlungsflüssen“ der Bawag an die SPÖ zu fahnden. Sie erstatteten Bericht an das Kabinett der Innenministerin, Millionenkredite an SPÖ und ÖGB seien von der Bawag ohne Sicherheiten vergeben worden. Liese Prokop persönlich informierte darüber den Aufdecker Alfred Worm. Zumindest sagt das einer ihrer engsten Mitarbeiter am Rande des U-Ausschusses zum Falter.
Ein Monat schon untersucht das Parlament die Vorwürfe des abgesetzten Chefkriminalisten Herwig Haidinger. Von Intrigen, Verrat und Freunderlwirtschaft wusste der zu berichten. Vor einem „Kraut-und-Rüben-Ausschuss“ hatte die ÖVP gewarnt, weil SPÖ und Opposition maßlos viele Agenden in den Ausschuss stopften und buchstäblich Tonnen an Akten anfordern. Es kommt nun tatsächlich einiges durcheinander in diesem Untersuchungsausschuss, der Missstände im ÖVP-regierten Innenministerium aufdecken sollte. Das Parlament, das Geheimnisverrat klären sollte, steht selbst im Verdacht, Daten an Medien gespielt zu haben – etwa im Fall Natascha Kampusch. Und Haidinger steht nun wie Peter Pilz im Visier der Justiz: wegen Geheimnisverrat, Falschaussage und Verleumdung. Man wolle ihn nun fertig machen, klagt er.
Was er ausgelöst hat, schmerzt die Konservativen. Spenden, Spezis und Spitzels

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16. Mai 2008

Alice Schwarzer gibt mir einen Preis

Ich hab gewonnen, den “Alice-Schwarzer-Männerpreis”. Gemeinsam mit zwei Kollegen vom Spiegel steh ich am Stockerl – für eine Reportage über den Frauenhandel (“Die nackte Gewalt”). Hier die Presseaussendung von Alice Schwarzer und hier ein Interview von Elfriede Jelinek über ein Stück, dass sie aufgrund meiner Recherchen schrieb:

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Kategorien: Schnelle Glossen Tags:
13. Mai 2008

Des Teufels Advokat

Der Wiener Strafverteidiger Rudolf Mayer verteidigt die Amstettner “Inzest-Bestie”
Josef F. Aus Überzeugung. Ein Besuch am Stammtisch.
(für Falter Foto: Martin Fuchs)
mayer.jpgRudolf Mayer bestellt sich eine panierte Scholle. Es ist zehn Uhr abends, es war ein stressiger Tag, heute hat er erstmals Josef F., den „Horrorvater“, im Gefängnis besucht. CNN, BBC, Spiegel, Bild und Reporter aus Bogota wollten Interviews. Jetzt sitzt der Anwalt der „Amstettner Bestie“ endlich in seinem Wiener Vorstadtwirtshaus, wo ihn die Leute am Nebentisch mit „Rudl“ grüßen, anstatt ihn zu beschimpfen. Draußen parkt sein silbernes Mercedes-Coupé.
Rudi Mayer, 60, ist Strafverteidiger und Boxer im Weltergewicht. Er will den Namen seines Stammbeisls nicht in der Zeitung lesen. Weil er in der Nähe wohnt und es schon vorgekommen ist, dass Mandanten „auf der Dacken“ stehen, wie er das nennt. Außerdem sind die Österreicher dieser Tage ziemlich aufgebracht. „Die Leut fragen mich, zu was braucht so ein Orschloch auch noch einen Anwalt“, sagt Mayer. Man möge ihn doch gleich zusammen mit Josef F. hinrichten, schrieb einer. Vor wenigen Tagen druckte auch noch die Bild ein Foto von Mayer. Daneben stand: „Dieser Anwalt verteidigt die Inzest-Bestie.“ Fast könnte man bei der Aufmachung des Texts glauben, Rudi Mayer verteidige nicht nur Josef F., sondern auch dessen Taten. „Die Kruste der Rechtsstaatlichkeit“, sagt er und zupft eine Gräte aus der Scholle, „ist schon noch sehr dünn bei uns.“
Es sind die schwersten Verbrecher, die Rudi Mayer anheuern. Ihre Geschichten füllen die Chronikspalten – und Mayer hat die Artikel im Wartezimmer seiner Kanzlei beim Grauen Haus, dem Wiener Straflandesgericht, an die Wand gehängt. Da zeigt ihn zum Beispiel ein Foto mit der „schwarzen Witwe“ Elfriede Blauensteiner, die Anfang der Neunziger alte Männer vergiftete. Mayer verteidigte auch jene Eltern, die ihre Tochter Maria in eine Kiste sperrten. Und dann war da noch dieser junge Bursch, der seiner Mutter den Kopf abhackte, um ihn in ein Schaufenster zu legen. Wenn Medien diese Menschen als Teufel bezeichnen, dann wird Rudi Mayer aktiv.
Nun macht der Fall Josef F. „den Mayer“ gegen Ende seiner Karriere auch außerhalb Wiens weltberühmt. Boulevardreporter drängen sich in seiner mit Akten vollgestopften Kanzlei am Alsergrund. Er kann ganz gut mit all den Presseleuten. Sie duzen ihn, er duzt sie, denn sie brauchen einander. „Rudl, bitte, erzähl uns ein bissl was!“, sagen sie dann. Doch „der Rudl“ bleibt hart, er steckt den Journalisten nichts zu, auch nicht, wenn sie ihr Scheckbuch zücken. „Das würde den Anwaltsstand ruinieren.“ Mayer sagt nur: „Herr F. wirkt emotional angeschlagen.“

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06. Mai 2008

Getötetes Recht

Journalisten missachten die Rechte von Verbrechensopfern, Richter sehen dabei zu. Ein scharfes Mediengesetz muss her.
Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser darf in der Öffentlichkeit schmusen, ohne dabei von News fotografiert zu werden. Das ist geltendes Recht. Das Verbrechensopfer Natascha Kampusch hingegen muss Paparazzi der U-Bahnpostille heute beim Küssen dulden. So urteilte am Montag Österreichs Justiz. heute hatte Fotos gedruckt, die Kampusch bei ihrem angeblich ersten Kuss in einer Disco zeigten. 13.000 Euro Entschädigung bekam sie in erster Instanz zugesprochen. Mehr als Grasser und seine Fiona. Nun drehte das Oberlandesgericht das Urteil völlig um – Kampusch muss die Paparazzi hinnehmen.
Der Fall verwirrt maßlos. Michael Rami, der vor zwei Jahren Grassers Entschädigung gegen News erkämpfte, siegte nun für die Zeitung heute. Sein Gegenüber im Fall Grasser war damals News-Anwalt Gerald Ganzger. Er vertritt auch Kampusch, die vor zwei Jahren von Medien gehetzt und von „Experten“ schlecht beraten, die Flucht nach vorne antrat, Interviews verkaufte und diesen Schritt nun bitter bereut.
Wissen die Wiener Medienrichter eigentlich noch, was sie tun?

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06. Mai 2008

Mit dem Schlimmsten rechnen

Die Polizei schoss auf die drei falschen Polizisten – Politiker und Boulevard zeigen Verständnis. Vertrauliche Ermittlungsakten der BIA zeichnen hingegen ein verstörendes Bild.
Der Innenminister tat, was Österreichs Innenminister in solchen Fällen stets tun. Er gab sich stolz und empört zugleich – natürlich in der Krone. Niemand, so erklärte Günter Platter vergangene Woche, dürfe die Arbeit der Polizei „anzweifeln“ oder sie gar „in den Dreck ziehen“. Die niederösterreichischen Kriminalisten hätten vorvergangenes Wochenende schließlich eine rumänische Räuberbande gestellt – unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Einen Orden forderte BZÖ-Politiker Peter Westenthaler für die Cops. Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll meinte gar, der Todesfall auf der Schwechater Bundesstraße sei ein „Signal über Österreich hinaus, das besagt, wer in Niederösterreich etwas anstellt, der muss auch mit dem Schlimmsten rechnen“. Die Krone titelte: „Welle der Empörung über Polizisten-Hatz!“ So ähnlich tat sie es auch in den Fällen der verstorbenen Afrikaner Marcus Omofuma und Cheibani Wague (siehe Kasten).

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