Scheinehen & Scheingefechte
Nicht die wenigen illegalen Einwanderer und ihre “Scheinehen” sind ein Problem – sondern die zunehmende Chancenlosigkeit der zweiten und dritten Einwanderergeneration - (für den Integrationsschwerpunkt von Standard.at)
Auch Scheingefechte können gefährlich sein: da traut sich ein Afrikaner – obwohl unbescholten und mit einer Wienerin verheiratet – nicht mehr raus auf die Straße, weil er Angst hat dort verhaftet zu werden. Da kämpft ein arbeitsloser Kellner um seine chinesische Ehefrau – und soll nun auch noch ihre Abschiebekosten begleichen. Da demonstrieren Ehefrauen gegen solches Unrecht – und ihre ausländischen Männer wagen es nicht mitzukommen, aus Angst vor Schubhaft. Verdeckt operierende “Sonderkommissionen” zählen Schuhe und Zahnbürsten, sie fragen die Verdächtigen nach der Frequenz ehelichen Geschlechtsverkehrs – in der Hoffnung vielleicht ein paar dunkelhäutige Heiratsschwindler zu stellen.
Es werden Gesetze geändert, Beamte beschäftigt und vor allem jene schikaniert, die den letzten legalen Weg ins Land und vielleicht auch ihre große Liebe gefunden haben. Und dann wird auch noch so getan, als wären Ehen in Europa stets aus Liebe geschlossen worden. Dabei müssten gerade wir es besser wissen: “Tu felix austria nube!” – proklamierten die Habsburger und verheirateten ihre Kinder zu rein strategischen Zwecken.
Es ist ein Scheingefecht, das da abgehalten wird. Nur 96 Anzeigen wurden vergangenes Jahr gegen mutmaßliche ausländische Heiratsschwindler eingebracht – das ist nichts verglichen mit der Schikane für Tausende und dem negativen Image, das sich Österreich dadurch im Ausland erwirbt. Scheinehen sind kein Sicherheitsproblem in diesem Land – und daher überrascht die Vehemenz mit der die “Scheinkriminalität” von Politikern und Behörden in der politischen Arena hysterisiert wird.
Dabei gibt es viel wichtigere,
nicht weniger heikle Herausforderungen im “Fremdenwesen”. Sie “scheinen” nicht nur, sie existieren wirklich. Nicht die immer weniger werdenden “illegalen” Einwanderer, die nach Österreich tröpfeln (und meist wieder in andere Länder ausreisen), werden die Gesellschaft vor große Herausforderungen stellen, sondern die legal hier lebende, zweite und dritte – vor allem muslimisch geprägte – Einwanderergeneration. Was heute schon deutsche, niederländische, britische und französische Städte plagt – Stichwort Rütlischule und Pariser Banlieus – wird bald auch Österreich beschäftigen: immer mehr Einwanderer der ersten Generation schafften zwar einen bescheidenen wirtschaftlichen, nicht aber den gesellschaftlichen Aufstieg in diesem Land. Und ihre Kinder und Enkel verbleiben erstaunlich oft in ihren Communities, die ihnen zwar sozialen Halt bieten – aber manchmal eben auch nur rückständige islamistische Prediger aus Gaza. Der jüngste Fall des als moderat geltenden Imams Adnan Ibrahim, der offen zur Unterstützung von Hisbollah und Hamas aufforderte und vor “Mischehen” zwischen Muslimen und Ungläubigen warnte, ist kein Einzelfall.
Nein, es gibt kein Problem der “Umvolkung” oder “Überfremdung”, wie es Heinz-Christian Strache uns weiszumachen versucht. Es ist vor allem ein Bildungs- und ein Sprachenproblem, das da heranwächst und die nächsten Generationen “mit Migrationshintergrund” nachhaltig benachteiligen wird. Es braucht eine vernünftige, progressive Antwort für die Einwanderer und ihre Nachkommen. Längst haben in Deutschland auch konservative Kräfte erkannt, dass man Einwanderer nicht nur fordern, sondern auch sehr, sehr früh fördern muss, weil sich die Gesellschaft sonst spaltet – und dies nur den Radikalen, den Rechtsextremen oder Islamisten dient.
Was geschehen muss? Mama und Kind müssen Deutsch lernen, so früh wie möglich – am besten in einem verpflichtenden Kindergartenjahr. In Schulen sollten sich Eltern, Lehrer und Kinder darauf verständigen, dass am Pausenhof – freiwillig -Deutsch gesprochen wird. Eine Berliner Schule hat das – unter dem Protestgeheul türkischer Berufsfunktionäre – erfolgreich vorgemacht. Nicht aus völkischen Gründen, sondern als Förderung jener Mitschüler, die zu Hause “nur” Türkisch reden können und denen schulischer Erfolg deshalb oft versagt bleibt.
Wer heute über den wunderbaren, geschäftstüchtigen Wiener Brunnenmarkt geht und mit Jugendlichen spricht, trifft dort erstaunlich oft auf geborene Wiener, die in erbärmlich schlechtem Deutsch erklären, dass verheiratete Frauen alleine nichts auf der Straße zu suchen haben. Wer mit Wiens türkischen Streetworkern, Journalisten und Sozialarbeitern spricht, der hört von einem dramatischen Rückfall in Sachen Frauenrechten und von der Re-Islamisierung. Sie berichten, wie sich junge, in Wien geborene türkische Mädchen plötzlich weigern, Männern die Hand zu geben, weil das “unsittlich” sei. Dazu kommt das, was der deutsche Kriminologe Christian Pfeiffer die “Machokultur” nennt. Buben werden verwöhnt und bedient, Mädchen verschleiert und aus dem öffentlichen Leben verbannt. Es liegt auch an der islamischen Glaubensgemeinschaft, diese Zustände zu erkennen, anstatt sie sanft wegzureden.
Kurzum: Anstatt die Zahnbürsten der Einwanderer zu zählen und in ihre Betten zu schauen, anstatt Jagden auf die wenigen Illegalen zu machen, sollte der Staat die Kindergärten und Schulen aufsuchen, den Arbeits- und Wohnungsmarkt öffnen und vor allem auch muslimische Vereine in die Pflicht nehmen. Die Schulen sind letztlich verantwortlich dafür, ob es Migranten in Mittelschulen und auf den gehobenen Arbeitsmarkt schaffen und ob sie ankommen in dieser Gesellschaft – oder ob sie doch nur als Hilfskräfte und Sozialhilfeempfänger wahrgenommen und als “die Anderen” ausgegrenzt werden.
Und da schließt sich der Kreis zu den Scheinehen. Denn wenn es keine Verständigung, keine Bildung und keine Chancengleichheit gibt, dann wuchern eben auch die Vorurteile. Und dann treten die Populisten als Heilsbringer auf und sie werden weiter Scheinehen bekämpfen aber in Wahrheit “Mischehen” und “Überfremdung” meinen.


Von hellgruen.at hier her geleitet, muss ich ein wenig meines Senfs dazu geben.
Zum einen kann der Aufruf, die Hamas zu unterstützen nicht unbedingt etwas Schlechtes sein, zumal sie demokratische Legitimität verfügt und für einen Großteil der Sozialeinrichtungen in Gaza verantwortlich zeichnet. Desweiteren erlaube ich mir daran zu erinnern, dass die EU ihre Gelder für Palästina eingefroren hat, weil sie mit dem Wahlausgang nicht einverstanden war. Also braucht die Hamas Geld. In den Medien wird ausschließlich von der radikalen Hamas berichtet. Radikal gegen Israel. Aber fürsorglich zum eigenen Volk. Nicht nur Raketen, auch Schulen kosten Geld!
Was das Bildungs- und Sprachproblem angeht, gehe ich mit Deinem Beitrag so weit konform, als dass hier ein gewaltiges Konfliktpotential herrscht. Unrichtig ist aber, dass hier zu wenig Unterstützung kommt. Die Beträge, mit welchen der Staat und die Gemeinden die sogenannte Integration zu fördern versuchen sind phänomenal. Alleine, was im März der Wiener Gemeinderat an solche Institutionen zu überweisen beschlossen hat, stellt mir die Haare auf.
Es erscheint mir in höchstem Maße als unlogisch, Menschen in unser Land zu holen (oder lassen) um anschließend mühevollst und unter riesigem finanziellen Aufwand Österreicher aus ihnen zu machen. In den Tagen der von dir zitierten Habsburgerzeit reisten die Menschen aus innerhalb des Kaiserreiches hin und her. Doch diese Leute fühlten sich dem Land in dem sie lebten verpflichtet. Sie lernten die Sprache und den Brauchtum jener Gegend, in der sie sich ansiedelten. Kein Mensch hätte auch nur daran gedacht, die Leute in Kurse zu schicken und ihnen Geld zu geben, damit sie sich hier einleben können.
Was hier diskutiert wird, ist ein hausgemachtes Problem. Ich kann nicht Menschen bei mir zu Hause aufnehmen, wenn sie mir keinen Respekt entgegenbringen wollen, mir nur auf der Tasche liegen und meine Einrichtung kaputt machen.
Oder Beispiel schwarzer Drogendealer (lt. orf.at wurde heute wieder ein Ring mit 15 kg Heroin gesprengt. Wenn Du einen Obdachlosen bei Dir zu Hause aufnimmst, ihn einkleidest und ihm zu essen gibst. Was ist Deine Reaktion, nachdem er Deine Kinder missbraucht hat?
Die Kernaussage Deines Schreibens ist, dass Österreich nicht mehr bedeutet als Striche auf einer Landkarte. Wer es innerhalb dieser Striche schafft, ist einer von uns. Soll an unserem Gesundheitssystem teilhaben und kostengünstige Sozialwohnungen nutzen können. Arbeitet er nicht, wird er vom Staat (also den arbeitenden Österreichern) gestützt.
Und hier scheiden sich unsere Geister extrem. Ja, auch meines Erachtens Bilden Sprache und Bildung jene Barrieren, die die Österreicher von den Wahl-Österreichern trennen, die letzteren den sozialen Aufstieg in unserem Land verwehren. Aber warum sollte mir daran liegen, dass es einem Fremden in Österreich besser geht als einem Österreicher. So lange jeden Winter ein österreichischer Obdachloser erfriert, so lange gedenke ich nicht, einem Verein zu spenden, der Ausländer unterstützt. “Zusammenhalt” ist hier das Stichwort.
Wenn Zuwanderer endlich bereit sind, die deutsche Sprache zu lernen und auch ihren Kindern zu vermitteln, dann ist auch das Bildungsproblem “gegessen” – Und gleichtig wahrscheinlich auch das Konfliktpotential.
Denn ein großer Brocken des Ausländer-Problems ist deren Konfliktbewältigung. Während wir zu Gewaltlosigkeit erzogen wurden und am Schulhof maximal einmal gerangelt wurde, wachsen junge Türken und Jugoslawen noch immer mit dem Faustrecht auf. Hat also ein österreichischer Jugendlicher “ein Problem” mit einem ausländischer Abstammung, kann er davon ausgehen, dass es nicht bei einer verbalen Auseinandersetzung bleiben wird. Eigentlich darf er sich sogar freuen, nur geschlagen und nicht sogar abgestochen zu werden. Darum stecken die Österreicher jeden Alters zurück, sobald es zum Konflikt kommt. Aus dieser demütigenden Erfahrung heraus bilden sich dann ausländerfeindliche Einsichten bzw. wie es in diesem Falle besser heißen müsste, ausländerfeindliche Erfahrungswerte.
Bestes Beispiel hiefür sind die öffentlichen Verkehrsbetriebe in Wien. Ausschließlich alte Leute, deren Erziehung auf gewissen Werten wie der Einhaltung geltenden Rechts basierte, stehen auf und weisen einen ausländischen Jugendlichen zurecht, wenn er in der Straßenbahn auf den Boden spuckt oder herumschreit. Wir haben ja gelernt, dass es besser ist, nicht anzuecken.
Und Du forderst nun allen Ernstes, Schulen, Wohnungen und alle Arten von sozialen Errungenschaften unseres Volkes für alle Menschen des Globus zu öffnen?! Die Löhne der österreichischen Arbeiter sind heute um 9 % geringer als 1998! Den Wohlfahrtsstaat brauchen wir für unsere Leute. Wenn es diesen gut geht und noch etwas übrig bleibt, dann (und nur dann) wäre es unsere Pflicht anderen zu helfen. Aber von diesem Punkt sind wir weit entfernt.