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Archiv für Oktober 2006
31. Okt 2006

Die Beute wehrt sich

Prominente drohen Paparazis nun mit Millionenklagen. Wie weist man Boulevardreporter in die Schranken, ohne die Pressefreiheit aufzugeben?
Nicht alles, was einen Presseausweist trägt, hält sich an die Grundregeln des fairen Journalismus. Natascha Kampusch, aber auch der Moderator Günter Jauch müssen das täglich erleben. Sie stehen, wie so viele andere auch, im Visier der Paparazi, die immer hemmungsloser agieren. In Deutschland ist nun eine spannende Debatte über Millionenklagen bei Persönlichkeitsverletzungen aufgeflammt. Gemeinsam mit dem ZEIT-Kollegen Götz Hamann habe ich sie hier aufgeschrieben.

23. Okt 2006

Kuckst Du

Kuckst Du!
Deutschland fürchtet sich vor seinen Muslimen. Und die fühlen sich zunehmend unwohl. Doch es sind soziale, keine religiösen Gräben, die das Land teilen.
(für Redaktionsbüro Ost)
Früher wäre diese Bemerkung, die Deutschlands momentane Stimmung so auf den Punkt bringt, in dieser liberalen Runde vielleicht mit Stirnrunzeln kommentiert worden. Diesmal stieß sie auf Verständnis. Eine gebildete, weltoffener Runde – feinsinnige Publizisten, Professoren und Kaufleute – kam kürzlich bei einem dieser hanseatischen Empfänge zusammen und parlierte über die Welt. Da entfuhr es dem scharfzüngigen, weit über die Grenzen bekannten liberalen Politologen: „Wissen Sie“, klagte er, „die Muslime hier essen nicht nur anders, sie kleiden sich nicht nur anders, sie beten nicht nur anders: manche von ihnen wohnen hier in Hamburg und heißen Mohammed Atta!“
Im August muss dieser Spötter sich wieder bestätigt gesehen haben. Überwachungskameras am Bahnhof in Köln hatten Bilder eines libanesischen Studenten angefertigt. In seinem Michael Ballack-Fußball-Shirt sah er wie ein richtiger WM-begeisteter Deutscher aus. Doch dann stellte der Student einen Koffer mit einer selbstgebauten Propangasbombe in einen Zug. Hunderte Passagiere sollten sterben, weil sich der Islamist mit dem WM-Trikot über die dänischen Mohammed-Karikaturen ärgerte. Zum Glück war der Gotteskrieger zu dumm dazu: sein Sprengsatz war ein Fehlkonstrukt.
Mohammed Atta, Hamburger Zelle, Kofferbomber, Schläfer: das prägt eine Gesellschaft,

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23. Okt 2006

Sommermärchen, Winterdrama

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Im Sommer, da konnte man den Wienern von Hamburg aus lange Wortnasen drehen. Nachts um elf im Duft der Grillfeuer am Elbstrand sitzen, die iranischen, chinesischen und italienischen Schiffe begrüßen (Mein Traumschiff: die Grande Nigeria der Grimaldi Line). Und dann durch die Elbgärten im Duft der hanseatischen Rosarien nach Hause spazieren. Was war das für ein Leben! Sogar die vielen deutschen Fähnchen nahm man da hin, in diesem deutschen Sommermärchen. War ja nur neuer Patriotismus, schrieben sie im Föjetong. Und jetzt?! Mitten in der Nacht schreckte ich hoch, sah dass es schüttete und dass es schon acht Uhr morgens war. Acht Uhr und der Hamburger Nordhimmel war finster! Ich, raus auf die Straße, sehe schon wieder, was ich verdrängt hatte: deutsche Männer, die, ich weiss nicht warum, gerne zu kurze Hosen tragen und dazu diese Regenjacken, die es nun um 7,90 bei Tschibo gibt. Der Kollege Ladurner sagt ja, wenn Franzosen in einem Laden stehen, dann legen sie Wert auf große Auswahl. Italiener kaufen nur das Beste. Die Deutschen aber, sie suchen das billigste. Zu kurze Hosen. Windjacken von Tschibo. Kürzlich sah ich einen mit Windjacke und Hochwasserhose. Er lief vorbei an einem alten Afrikaner, der an der Alster Saxophon spielte und sagte: “Könn Sie nich leiser spielen?!”.
Das ist auch Deutschland. Ein Winterdrama. Wien könnte mir dieser Tage eine lange Wortnase drehen.
(Foto: Auslage in Glückstadt, fotografiert von Veronika Hofinger)

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20. Okt 2006

Ulli Ladurners Leberkästheorie

Das hier – ist richtig gut!

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18. Okt 2006

Neue Weltunordnung

Immer dann wenn irgendwo eine Bombe hochgeht, dann trifft man auf ihren Sprechdurchfall: die sogenannten “Terrorexperten” erklären dann wortreich, dass sie eigentlich nichts wissen. Die “Terrorexperten” ähneln da ein wenig den Meinungsforschern, die gerne ihre Meinung äußern, damit Journalisten ein paar Fakten aufschreiben können, wo es eigentlich keine gibt.
Doch es gibt auch Ausnahmen in diesem verluderten Gewerbe der Wichtigtuer. Mein Zimmernachbar Jochen Bittner von der ZEIT zum Beispiel. Der Mann, ein ausgewiesener Liberaler, schrieb nicht nur ein Buch über die IRA, er führt seit dem Elften September ein Weblog über Terrorismus und die “Neue Weltunordnung”. Beharrlich sammelt er dort Studien, Analysen, Kuriositäten und Einschätzungen über die Feinde der offenen Gesellschaft (die freilich nicht immer Terroristen sein müssen). Die Adresse des Blogs wird hier aber ausnahmsweise nicht verraten. Denn Bittner aus all den kleinen Stücken ein feines Büchel geformt, das auch unters Volk gebracht werden will. Nächtelang saß er hier, rauchte Pfeife und trank Whiskey und brach die Seiten um. Es hat sich gelohnt. Das Buch heißt: “Beruf Terrorist” wurde soeben auf der Frankfurter Buchmesser vorgestellt und kann hier bestellt werden.

17. Okt 2006

Das Martyrium des Murat Kurnaz

Der ehemalige Guantánamo-Häftling schildert unmenschliche Torturen – ist seiner Anklage zu trauen? Sehr viel spricht dafür. (für DIE ZEIT)
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„Ich bin 24 Jahre alt und habe alles verloren. Ich will wieder heiraten, ich will wieder Schiffe bauen. Ich will eine Familie haben.“ Als sich der Bremer Schiffbauer Murat Kurnaz am Montag gegen Mitternacht nach seinem eineinhalbstündigen Auftritt bei Reinhold Beckmann vom Deutschen Fernsehpublikum verabschiedete, da klagte er nur ganz leise über seine verlorene Jugend und sagte: „Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Ich unterscheide mich nicht von den anderen Deutschen.“
Das stimmt nicht ganz.

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12. Okt 2006

Nochmal Krone-Blog

Das schönste Zitat des Tages liefert einmal mehr das Krone Blog.

“Viele sagen eigentlich, die Kronen Zeitung ist besser als die Kirchenzeitung. Weil die Kronen Zeitung eigentlich interessanterweise nicht diesen vielen Verwirrungen folgt. Sie ist etwas einfacher, vernünftiger, aber auch in vielem christlicher als unsere eigene Presse.”

Altbischof Kurt Krenn

10. Okt 2006

Das Krone Blog

Endlich entdeckt! Das Krone-Blog! Von einer Physikerin gemacht. Das braucht Österreich.

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10. Okt 2006

Der feine Unterschied

Die Kleine Zeitung entrüstet sich also über Eva Menasse, weil die sich über ihr Land entrüstet. Der Bodensatz sei in Österreich salonfähiger als anderswo, so Menasse im Österreich-Blog der ZEIT. “Wirklich?”, fragt die Kleine Zeitung, “geniert sie sich dafür mehr als für die Nazis in den deutschen Landtagen?”.
Nun, es gibt in der Tat allen Grund dazu, sich mehr für den österreichischen Bodensatz zu genieren, als für den deutschen. Denn in Österreich sitzt der Bodensatz nicht nur im Nationalrat, sondern vor allem auch in der Regierung. In Deutschland, das an manchen Orten tatsächlich sehr unangenehm sein kann, käme Frau Merkel nie auf die Idee ein paar Rotzbuben von der NPD in ihr Kabinett aufzunehmen. Ganz im Gegenteil. In Deutschland dachte man ernsthaft darüber nach, die NPD als verfassungsfeindlich zu verbieten. Das ist der Unterschied zwischen Österreich und Deutschland, an dem Frau Menasse leidet.

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06. Okt 2006

Ein fataler Zug

Man zieht an einem Joint. Die Justiz stellt das Verfahren ein, weil es eine Bagatelle ist. Strenger ist hingegen das Rote Wien. Es feuert den Mann. Und er verliert seine Existenz im Roten Wien. Der Wiener Strafrichter Oliver Scheiber hat im Österreich-Blog der ZEIT so einen Fall dokumentiert. Hier nachzulesen.

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