Wie kriminell sind Asylwerber wirklich?

Peter Westenthaler, BZÖ, behauptet also, die Hälfte der Asylwerber sei »kriminell“. Was sagt die Statistik wirklich? In einem Artikel, der morgen auf den Österreich-Seiten der ZEIT erscheint wird seine Behauptung untersucht. Im Jahr 2004 baten rund 25 000 Menschen in Österreich um Asyl. In jener Zeit gab es 12.733 Anzeigen gegen Asylwerber. Zwei Asylwerber – eine Strafanzeige. Das ist die Logik des Peter Westenthaler. Doch sie ist falsch.
Die Zahl der Asylwerber, die insgesamt in Österreich leben, ist

viel höher als jene, die 2004 neu um Asyl ansuchten. Die Quote liegt daher weit unter fünfzig Prozent. Und: Wer angezeigt wird, ist nicht gleich »kriminell«. Sehr oft ist die Polizei im Ausländerbereich übereifrig. Auch der Vergleich mit der gesamten Kriminalitätsrate ist wichtig: Jährlich werden 247000 Strafäter angezeigt. 95 Prozent der Anzeigen betreffen also keine Flüchtlinge.
Dennoch: Die Zahlen sind in Relation zu den paar Tausend Asylwerbern erstaunlich hoch, die Gefängnisse platzen. Was tun? Man muss sie näher betrachten, so wie es das Wiener Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie tat: Es verglich die Asylstatistik mit den Zugangsstatistiken der Gefängnisse. Hier gibt es Überraschungen, wenn man die einzelnen Nationalitäten näher betrachtet. So stellten im Jahr 2004 rund 6000 Tschetschenen einen Asylantrag. Aber nur 207 kamen ins Gefängnis. Bei den Afghanen noch niedrigere Zahlen: 757 Asylwerber, 19 Häftlinge. Die Anerkennungsquote bei diesen Asylwerbern lag bei fast 90 Prozent. Doch auch Gruppen, die bei den Asylbehörden kaum Erfolg haben, müssen deshalb – etwa aus Not – nicht kriminell werden: Chinesen: 571 Asylanträge, 21 Häftlinge. Inder: 1839 Asylanträge, 41 Häftlinge. Sie haben offenbar gut funktionierende Communities, die ihnen aushelfen oder Jobs verschaffen.
Völlig anders die Lage bei Nigerianern oder Georgiern. Ihre Asyl-Anerkennungsraten liegen unter einem Prozent – ähnlich wie die von Chinesen und Indern. Doch Nigerianer und Georgier landen – anders als Chinesen und Inder – auffallend oft im Knast: Im Jahr 2004 kamen auf 1839 nigerianische Asylwerber 986 Inhaftierungen – Drogendelikte zumeist. Georgier: 1731 Asylanträge, 775 Gefangene. Es gibt also bestimmte Ausländer-Communitys, die ihren neu ankommenden Mitgliedern normale Jobs organisieren. Andere hingegen bieten Einwanderern krumme Geschäfte, auf die sie in ihrer wirtschaftlichen Not offenbar angewiesen sind. Diese Erkenntnis wird auch durch eine sozialwissenschaftliche Studie ergänzt, die das Institut für Strafrecht heute vorgelegt hat. Michael Platzer von der International Commission of Catholic Prison Pastoral Care und Judith Stummer-Kolonovits vom Institut für Strafrecht und Kriminologie der Universität Wien haben 100 afrikanische Häftlinge nicht nur nach ihrer persönlichen Geschichte, sondern auch nach ihren Motiven gefragt, warum sie Drogen verkaufen. Antwort: keine legalen Arbeitsmöglichkeiten. Der Arbeitsmarkt muss für diese Leute – ehe sie ihren kriminellen Communities verfallen – geöffnet werden. Das mag manchen Hardliner stören – doch es ist pragmatisch gedacht – und es wird Kriminalität verhindern. Denn die meisten der Häftlinge können – aus menschenrechtlichen oder praktischen Gründen – nicht mehr abgeschoben werden. Man müsste rechtsstaatliche Prinzipien aufgeben, um sie loszuwerden. Das stünde in keinem Verhältnis. Zu Details der Studie geht es hier: hier

Kommentare

Als Auslaender ob legal oder nicht kommt man immer in Schwierigkeiten mit den Vorschriften und Gewohnheiten eines Landes. Es ist sehr oft der Fall, dass der Auslaender mit der Polizei zu tun hat ohne dass er ein Verbrechen beging............es ist halt so.

Wahr ist es dass Kriminelle unter Asylbewerber sich tarnen, aber nicht Jeder, der mit der Polizei in Kontakt kommt, ist gleich kriminell belangt.

Ausländerproblematik ist nur ein Wort

Zwei österreichische Filme sind derzeit im Kino zu sehen, die die sogenannte

„Ausländerproblematik“ behandeln: „Little Alien“ von Nina Kusturica und „Gurbet“ (In der Fremde) von Kenan Kilic.

Bei allem, was diese beiden Filme unterscheidet, ist ihnen doch etwas gemeinsam, sie bieten einen erhellenden Einblick in eine Welt, die den meisten von uns verschlossen bleibt:

http://klauskarlbauer.wordpress.com/2009/10/12/auslanderproblematik-ist-nur-ein-wort/

Subscribe to comments

Kommentieren oder einen TrackBack Ping senden

(If you haven't left a comment here before, you may need to be approved by the site owner before your comment will appear. Until then, it won't appear on the entry. Thanks for waiting.)


SOS Mitmensch


Medieninhaber, Herausgeber und Hersteller: Florian Klenk • Speersort 1 • Hamburg • klenk@vienna.at • Alle Rechte vorbehalten
powered by Movable Type via Phreak 2.0