29. Sep 2006
Sag noch einer, Kampuschs Medienberater seien nicht mediengeil. Warum, so frage ich mich, erzählt Anwalt Lansky den Medien, dass Natascha Kampusch nun umgezogen ist? Weil es ein öffentliches Interesse daran gibt? Oder weil er ein bissl im Fernsehen sein will? Die Berater, die es doch nur gut meinen, heizen die abflauende Berichterstattung über ein Verbrechensopfer ständig an. Das kann nicht im Interesse von Frau Kampusch sein.
28. Sep 2006
Wir erinnern uns: PR-Berater und betreuende Ärzte hatten die sichtlich traumatisierte Natascha Kampusch vor Kameras und Boulevardmedien gesetzt, damit den wilden Paparazzis Einhalt geboten werde und der Bouleavard die “Schutzhand” über sie hält. Nur so, erklärte ihr Medienmanager Dietmar Ecker in der Zeit, könne man den Druck von ihr nehmen.
Was für eine Fehleinschätzung. Das genaue Gegenteil ist nun eingetreten. Natascha Kampusch, die vor dem TV Auftritt in Wien unerkannt herumgehen konnte, wird nicht und nicht in Ruhe gelassen. Nun musste sich ihr Vater mit einem spanischen Kamerateam prügeln, das Kampusch in der Innenstadt aufgelauert hatte. Sie sollte die Berater wechseln, die ihr rieten, ihr Gesicht vorschnell einem Millionenpublikum und diesem Chor der Hyänen zu zeigen.
27. Sep 2006
Peter Westenthaler, BZÖ, behauptet also, die Hälfte der Asylwerber sei »kriminell“. Was sagt die Statistik wirklich? In einem Artikel, der morgen auf den Österreich-Seiten der ZEIT erscheint wird seine Behauptung untersucht. Im Jahr 2004 baten rund 25 000 Menschen in Österreich um Asyl. In jener Zeit gab es 12.733 Anzeigen gegen Asylwerber. Zwei Asylwerber – eine Strafanzeige. Das ist die Logik des Peter Westenthaler. Doch sie ist falsch.
Die Zahl der Asylwerber, die insgesamt in Österreich leben, ist
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27. Sep 2006
Das Österreich-Blog auf ZEIT.de ist da
Es ist vollbracht! Das Österreich-Blog von ZEIT Online ist da. Wochenlang werkelte die ZEIT Online-Abteilung um diese wunderbare Ding zu errichten. Es heisst “Ö, Nachrichten aus dem Zentrum” und es wird hier im weitesten um Österreich und sein Verhältnis zur Welt gehen. Man wird hier einen Kessel Buntes finden, wie die Deutschen sagen würden: Politisches, Böses, Lustiges, Kulinarisches, Schräges, Literarisches – vor allem: viel Überraschendes aus Ö. Wer wird bloggen? Das sieht man links: Richter, Köche, Filmemacher, Schriftsteller, Anwälte, Kabarettisten, Journalisten und andere Kosmopoliten die in der weiten Welt oder der österreichischen Gesellschaft herumkommen und hier aus ihrem Leben berichten. Viel Spass! Hier geht´s lang.
26. Sep 2006
Wie die rotgrüne Opposition im Fall der Justizministerin versagt.
Es ist schon verwunderlich. Da tritt – spät aber doch – die orange Justizministerin Karin Gastinger aus der Haider Partei aus, weil sie die Hetze nicht erträgt. Und erntet nur Spott und Häme von Rot-Grün. Dabei hatte Gastinger, wie kaum ein Justizminister zuvor, in ihrem Amt auf gesellschaftlich linke Themen gesetzt. Sie ist eine moderne und äußerst feministische Politikerin. Der Strafvollzug war ihr ein wichtiges Anliegen. Das Wohl der Gefangenen trieb sie um. Sie ließ moderne Strafanstalten bauen/planen (etwa in Leoben und Wien), weil die alten verheerend sind und sie setzt sich dafür ein, dass auch Gefangene ihre Sexualität mit einem Ehepartner ausleben – weil das resozialisierend wirkt und Aggressionen hemmte.
Gastinger wollte moderne Formen der Ehe legalisieren und sie setzte sich vor allem für die Rechte von Frauen ein. Ihren exzellenten Justizberatern hörte sie – im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Böhmdorfer – interessiert zu. Die Macht stieg ihr nicht zu Kopfe, sie wirkte allerdings auch nie überfordert. Sie konnte mit ihren Kritikern tatsächlich stundenlang heftig diskutieren, wirkte allerdings nie überheblich. Jörg Haider bot sie von der ersten Minute an Paroli – etwa als er sie als Boxenluder verunglimpfte.
Karin Gastinger wäre eine perfekte Justizministerin einer rot-grünen Regierung geworden. Ihr späte – aber durchaus glaubwürdige – Austritt aus dem BZÖ hätte von rot-grün beklatscht werden müssen. Nun besteht die Gefahr, dass die berufstätige Mutter „als Parteilose“ in Schüssels ÖVP unterkommt – und dort ihr liberales Weltbild langsam gegen ein Konservatives austauschen muss. Diese Frau hat mehr Respekt und Beifall verdient. Vor allem auch von den rotgrünen Frauen.
26. Sep 2006
Eine wunderschöne Seite habe ich da entdeckt: Hier kann man die Texte des Wiener Journalisten (und späteren Vizebürgermeisters von Wien) Max Winter nachlesen, die er zur Jahrhundertwende für die Arbeiterzeitung geschrieben hat. Wunderbar.
Und noch ein Journalist ist nun im Netz zu finden: Robert Misik, wahrscheinlich einer der klügsten Essayisten hat endlich sein Weblog und hebt grad seine besten Texte rein. Es ist hier.
22. Sep 2006
Hier das Interview zum Download
Freiheitliche Politiker – oder ihre orangen Nachfolger – verstanden es ja gut, im NLP- Sprudelsprech das Gegenteil dessen zu verkünden, was sie eigentlich meinen. Eduard Mainoni, heute Staatssekretär im Infrastrukturministerium, ist eine Ausnahme. Im Jahr 2004 (Mainoni saß im Innenausschuss des Nationalrates) schilderte er dem deutschen Rechtspopulismusforscher Oliver Geden, die Strategien der FPÖ, das Kalkül der NS-Restitution und das Geschäft mit der Angst.
Oliver Geden untersucht in seiner Studie “Diskursstrategien im Rechtspopulismus”, wie FPÖ und Schweizerische Volkspartei (SVP) den Übergang von Oppositions- zu Regierungsparteien bewältigen. Er konzentriert sich dabei auf zwei Politikbereiche, die Einwanderungspolitik sowie die Geschlechterpolitik. Neben Medienanalysen hat er für seine Studie auch Interviews mit Fachpolitikern aus beiden Politikbereichen geführt. Neben Eduard Mainoni waren dies auf Seiten der FPÖ auch Barbara Rosenkranz und Theresia Zierler, auf Seiten der SVP Toni Bortoluzzi und Hans Fehr.
Sein Buch über “Diskursstrategien im Rechtspopulismus” ist soeben erschienen. Das ungekürzte Interview ist auch ein Stück österreichische Zeitgeschichte, ein Stück Oral History aus den Eingeweiden einer Partei, die vor sechs Jahren ganz Europa in Atem hielt. Ausdrucken, mitnehmen, lesen. Hier das Interview zum Download. Oder einfach hier weiterlesen:
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21. Sep 2006
…was Veit Schalle genau über die Nazizeit sagte
Dem Falter entnehme ich, dass Veit Schalle (BZÖ) erwägt, das profil zu klagen. Schalle, Kandidat einer Partei, die in Österreich in der Regierung sitzt, hatte im Gespräch mit profil-Redakteur Otmar Lahodynsky das Wirtschaftsprogramm der Nazis ja als „beeindruckend“ bezeichnet. Interessant ist die genaue, nicht redigierte Abschrift des profil-Interviews. Sie zeigt, wie der Pressesprecher Schalles vom heiklen Thema wegkommen wollte – und wie Schalle dennoch über die Nazizeit schwadronierte. Hier das Originalprotokoll des profil-Interviews:
Profil: Aus der FPÖ habe ich gehört, Ihr Vater oder Stiefvater soll Mitglied der NSDAP gewesen sein. War das Ihnen bekannt?
Schalle: Der Stiefvater war gar nicht im Krieg, weil er so kursichtig war, dass er nichts gesehen hat. Der vater war im Arbeitsdienst, wie es damals üblich war und dann im Krieg. Ich habe ihn zwar irgendwann einmal gefragt wie das war. Du bist Zeitzeuge. Wie ist des? Du, hat er gesagt, die haben alle leicht reden. Ich habe mich nicht einmal getraut, meinen Freund zu fragen, dann bist du standrechtlich erschossen worden. Da hat keiner dem anderen getraut.
Pressesprecher: Nur mehr Vergangenheit, das gefällt mir jetzt nicht so sehr. Es heißt Bündnis Zukunft Österreich.
Profil: Nur ein klärendes Wort. Die FPÖ war oft im Verruf, eine gewisse Nähe zur NS-Ideologie zu haben, eine gewisse Tendenz, diese zu verharmlosen. Sie erinnern sich an die Aussprüche von Jörg Haider.
Schalle: Ich glaube, dass man da nicht alle in einen Topf schmeißen darf, dass es solche und solche gegeben hat.
Profil: Generell, Finden Sie an der NS-Ideologie auch etwas positives?
Schalle: Ich weiß schon, wohin Sie wollen. Da kann man aber nichts Positives dran finden, wenn man nur die schlechten Sachen von dort nimmt. Wenn einer dafür ist, dass man die Leute umbringt, da braucht man gar nicht weiter zu diskutieren.
Profil: Herr Haider hat aber positive Sachen gefunden, siehe Beschäftigungspolitik.
Pressessprecher: Das ist 20 Jahre her. Das wurde in einem bestimmten Zusammenhang so gesagt.
Schalle: Was natürlich schon beeindruckend war, was die trotzdem für ein Wirtschaftsprogramm aufgestellt haben. Das kann man sich aus heutiger Sicht gar nicht vorstellen.
Aber mit Zwang geht’s wahrscheinlich nicht. Das kann kein Vorbild sein.
Profil: Sie meinen die Autobahnen?
Pressesprecher: Jetzt kommen wir endlich in die Zukunft….
21. Sep 2006
Reformdebatte im Gottesstaat: Fundis gegen Realos in Saudi Arabien. Spannend, sowas mal nachzulesen. Hier auf englisch .
20. Sep 2006
Staatssekretär Eduard Mainoni enthüllt das Kalkül der NS-Restitution und andere delikate Details
Die Entschädigung von Zwangsarbeitern? »Da haben wir uns eingekauft«, um »bei den jüdischen Organisationen den Rücken frei zu haben«. BZÖ-Spitzenkandidat Peter Westenthaler? Der ist einer, »der die Proleten abdeckt«.Wolfgang Schüssel? »Der war damals ein politischer Underdog, der mit dem Mascherl herumgerannt ist und mit der dicken Brille.« Die steigende Kriminalitätsrate in Österreich? »Ich wünschte mir, ich wäre in der Opposition. Ich würde den Minister durch Sonne und Mond jagen.«
Es spricht ein Vertreter der Bundesregierung, der in seiner Amtszeit nicht viel zu sagen hatte: Eduard Mainoni, BZÖ. Der deutsche Sozialforscher Oliver Geden (Humboldt Universität) hat soeben eine Studie über “Diskursstrategien im Rechtspopulismus” vorgelegt. Er führte dafür im Jahr 2004 ein autorisiertes Interview mit dem heutigen BZÖ Staatssekretär Mainoni, damals FPÖ-Abgeordneter. Mainoni sprach erstaunlich offen über die Strategien seiner Partei, das “Geschäft mit der Angst” und das wahre Kalkül der “NS-Resititution”. Oral Historie aus den Eingeweiden der FPÖ, wenn man so will. Hier mein Artikel in der ZEIT und hier geht’s zur Studie von Geden.
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