Green Helmet und die Blogger
AP hat - so wie der Stern - die Geschichte von "Green Helmet", dem angeblichen Hisbollah-Presseoffizier recherchiert. An den Vorwürfen, er sei ein Terrorist, ist - so scheint es - nicht viel dran. Aber vielleicht hat AP sich ja von den Terroristen kaufen lassen. Die konservativen und selbstgerechten Blogger werden sich von ihren Verschwörungstheorien natürlich nicht abbringen lassen - so wie die Islamisten nun behaupten werden, die vereitelten Londoner Anschläge seien Erfindungen der Amerikaner, um vom Libanonkrieg abzulenken. Es erinnert auch an die Verschwörungstheorien nach dem Anschlag vom Elften September, an dem ja auch "die Juden" selbst schuld gewesen sein sollen.
Es ist ein Drama, wie sich die Blogosphäre dieser Tage in Verschwörungstheorien ergeht und wie die oft beschworene "kollektive Intelligenz" versagt. Halbwahrheiten und Vermutungen werden zusammengefügt, bis sich ein plausibles Bild ergibt. Dann verlinken sich die Verschwörungstheoretiker und verweisen aufeinander, bilden ihr störungsfreies Zitierkartell und glauben, dass dadurch die Gerüchte zu Fakten werden.
Wer aber re-checks anstellt, wer recherchiert - etwa "Green Helmet" befragt - der gilt ihnen als Lügner, als Terroristenversteher. Sie kennen ja alle schon vorher die Wahrheit - und stellen sie nicht in Frage.
Da lobe ich mir den guten alten, klasischen Journalismus - der natürlich nicht fehlerfrei ist.
Da treffen die Blogger ja, wie alle Verschwörungstheoretiker, einen wahren, wunden Punkt. Pressefotografen stehen in unfassbarem Konkurrenzkampf. Und sie tun, wenn sie im Stress sind, was sie in Kriegs- oder Katastrophenzeiten immer tun: Sie halten ihre Kameras ungeniert auf intime Szenen, auf tote Kinder, Leidende und Traumatisierte. Und viele nutzen diese Kameras, um der Welt ihr Leid zu klagen. Ja, es mischen sich da auch Schwindler darunter und Terroristen, die als Opfer posieren, um ihre Agenda zu betreiben. Und ja, es gibt Fotografen, die den Rauch über Beirut etwas dicker gepixelt und Bomben dazugefälscht haben. Dafür gehören sie gefeuert, weil sie damit eine ganze Branche in Verruf bringen. Doch die schnellen Konsequenzen die reuters nach dem Fehler gezogen hat (Entschuldigung und Bildrücknahme), die vermisse ich bei vielen selbstgerechten Bloggern, die täglich ungeprüften Müll als Tatsachen in die Welt senden.
In Wahrheit lenkt diese Debatte ja von der wirklich wichtigen Front ab: Dieser Krieg trifft und radikalisiert vor allem auch die libanesische Zivilbevölkerung, die nicht einmal mehr leiden darf, ohne für Terroristen gehalten zu werden. Aber was ist das schon im Vergleich zu gefälschtem Rauch?
AP hat - so wie der Stern - die Geschichte von "Green Helmet", dem angeblichen Hisbollah-Presseoffizier recherchiert. An den Vorwürfen, er sei ein Terrorist, ist - so scheint es - nicht viel dran. Aber vielleicht hat AP sich ja von den Terroristen kaufen lassen. Die konservativen und selbstgerechten Blogger werden sich von ihren Verschwörungstheorien natürlich nicht abbringen lassen - so wie die Islamisten nun behaupten werden, die vereitelten Londoner Anschläge seien Erfindungen der Amerikaner, um vom Libanonkrieg abzulenken. Es erinnert auch an die Verschwörungstheorien nach dem Anschlag vom Elften September, an dem ja auch "die Juden" selbst schuld gewesen sein sollen.
Es ist ein Drama, wie sich die Blogosphäre dieser Tage in Verschwörungstheorien ergeht und wie die oft beschworene "kollektive Intelligenz" versagt. Halbwahrheiten und Vermutungen werden zusammengefügt, bis sich ein plausibles Bild ergibt. Dann verlinken sich die Verschwörungstheoretiker und verweisen aufeinander, bilden ihr störungsfreies Zitierkartell und glauben, dass dadurch die Gerüchte zu Fakten werden.
Wer aber re-checks anstellt, wer recherchiert - etwa "Green Helmet" befragt - der gilt ihnen als Lügner, als Terroristenversteher. Sie kennen ja alle schon vorher die Wahrheit - und stellen sie nicht in Frage.
Da lobe ich mir den guten alten, klasischen Journalismus - der natürlich nicht fehlerfrei ist.
Da treffen die Blogger ja, wie alle Verschwörungstheoretiker, einen wahren, wunden Punkt. Pressefotografen stehen in unfassbarem Konkurrenzkampf. Und sie tun, wenn sie im Stress sind, was sie in Kriegs- oder Katastrophenzeiten immer tun: Sie halten ihre Kameras ungeniert auf intime Szenen, auf tote Kinder, Leidende und Traumatisierte. Und viele nutzen diese Kameras, um der Welt ihr Leid zu klagen. Ja, es mischen sich da auch Schwindler darunter und Terroristen, die als Opfer posieren, um ihre Agenda zu betreiben. Und ja, es gibt Fotografen, die den Rauch über Beirut etwas dicker gepixelt und Bomben dazugefälscht haben. Dafür gehören sie gefeuert, weil sie damit eine ganze Branche in Verruf bringen. Doch die schnellen Konsequenzen die reuters nach dem Fehler gezogen hat (Entschuldigung und Bildrücknahme), die vermisse ich bei vielen selbstgerechten Bloggern, die täglich ungeprüften Müll als Tatsachen in die Welt senden.
In Wahrheit lenkt diese Debatte ja von der wirklich wichtigen Front ab: Dieser Krieg trifft und radikalisiert vor allem auch die libanesische Zivilbevölkerung, die nicht einmal mehr leiden darf, ohne für Terroristen gehalten zu werden. Aber was ist das schon im Vergleich zu gefälschtem Rauch?

Kommentare
Seltsam. Da wirft eine der weltgrößten Nachrichtenagenturen einen Ihrer Photojournalisten hochkantig raus (seinen Namen waen Sie nichtmal auszusprechen) wegen mehrfacher und offensichtlicher Bildmanipulationen. Dieser Rauswurf geht eindeutig auf die Recherche von Bloggern zurück, und sie Herr Klenk fühlen sich davon als "richtiger" quasi "eingebetteter" Journalist so ans Bein gepinkelt, dass Sie diese oben beschriebenen Tatsachen mit nebulösen Satzkonstruktionen wieder in den Bereich der Verschwörungstheorien zu drängen versuchen. Was hat das aufdecken der manipulierten Bilder mit 9-11 Theorien zu tun?
Spürt man da etwa Neid?
Da sie ja selber einen Blog betreiben müsste man etwas mehr grundsätzliches Verständnis über das Wesen von Blogs erwarten. Aber das geht ihnen scheinbar völlig ab wenn sie beklagen, dass von den Blogs unkorrigiert haufenweise Müll in den Äther gelangt. Das mag zwar stimmen, aber entweder:
a. er wird nicht gelesen
b. er bleibt nicht unkommentiert.
Es gibt nur diese beiden Möglichkeiten.
Ihr Kommentar fällt unter die Kategorie b. und darauf sollten Sie stolz sein. Ein jeder Blogger wünscht sich nämlich nichts mehr als gelesen zu werden.
P.S.:
Den Zapp Film, der die zu Tränen rührende Geschichte des Stern über den aufopferungsvollen Green Helmet, wieder in einem etwas anderen Licht erscheinen lässt, haben Sie hoffentlich mittlerweile gesehen. Oder sind das auch nur selbstgerechte oder rechte Journalisten da im schönen öffentlich RECHTlichen Fernsehen? Alles nur Verschwörungstheorie?
Steeevyo • 13.08.06 04:45
Ob nun im TV, in den Printmedien oder in der Blogosphäre mehr "Müll" zu finden ist, wird nicht einfach feststellbar sein. Der eine findet Haustierzeitungen doof, der andere TV-Talkshows und wieder andere mögen keine kritischen Blogs.
Christoph • 13.08.06 07:53