Wie mutig dürfen Grüne sein?
Die Grünen fordern “Weg mit Lebenslang”. Find ich gut, allerdings strategisch katastrophal platziert. Das Wahlvolk wird so schnell nicht mitkommen.
Leserin “Anna” postete nun das:
verzeihung, die umgekehrte logik wäre, dass die grünen so knapp vor der wahl möglichst KEINE komplexen themen ansprechen. daraus würde dann was genau resultieren? happy pics mit grünen spitzenkandidaten und möglichst feschen, glücklichen immigranten, die vielleicht auch noch DJs sind?……
Ja, im Prinzip hat sie recht, die Anna. Doch wenn die Grünen eine rotgrüne Mehrheit wollen, dann müssen sie auch massig Wähler von der ÖVP abziehen. Und die gewinnt man nicht mit einer mutigen Justizdebatte, die zwar sinnvoll und klug ist, aber ein Monat vor der Wahl fürs konservative Wahlvolk zu schnell und zu überraschend kommt. Aus grüner Sicht besser: mit breiten Grün-Themen auf Stimmenmaximierung setzen und dann bei Regierungsverhandlungen erst richtig die Klappe bei wichtigen Minderheitenthemen aufreissen. Sonst gewinnt man zwar die Gunst der ewigen Grünen, aber nicht die Wahlen. Aber vielleicht wollen das die Grünen ja auch gar nicht.


die grünen wollen nicht…
genau darum scheint es sich immer zu drehen und genau darum darf es irgendwann nicht mehr gehen! egal, wen man in diesen tagen trifft, es geht schon wieder los, dasselbe spiel, das sich bei freunden/bekannten/bei einem selbst seit jahren immer wieder verlässlich wiederholt/wiederholen wird: diese geradezu pathologische ängstlichkeit um die grünen, jetzt vor der wahl, dann während der wahl und (dann erst recht) danach. dieses am liebsten händchen-halten-wollen währenddessen, wie bei einem lernschwachen kind, das man sehr liebt und bei dem man stets mitzittert, ob es jetzt die nächste Versetzung schafft oder nicht – weil wir wissen ja, dass es total begabt ist und eigentlich nur eine faire chance braucht, um es endlich aller welt zu zeigen; oder einem sehr talentierten jungen kreativen, der im entscheidenden moment immer an seiner nervosität scheitert und deshalb seit jahren unentdeckt bleibt, obwohl man weiß, dass er das gegenteil verdient hätte.
und natürlich wollen wir eine regierungsbeteiligung und klar, dafür brauchen die grünen zuwächse und ja sicher, am realistischsten aus dem bürgerlichen lager. weil sonst geht es sich bei aller rechnerei wieder nicht gscheit aus, bei allem hoffen auf herabgesetzte wahlalter, auf wähler, die nachkommen, die stimmen der babyshambles-fans und der flex-besucher. die hunderttausenden von der landjugend, die auch nachkommen und wählen wie der papi vergisst man halt gerne bei der rechnung.
Und ungezählt sind die nächte, in denen man gerechnet hat und überlegt und gezittert und gehofft und gelitten und am ende ob div. utopien gejubelt, je nachdem wie spät die stunde und wie intensiv der alkoholkonsum war.
vielleicht muss man sich mit der rechten mehrheit in diesem land einfach abfinden und das abziehen dieser wähler dann auch der spö überlassen im wissen, dass sich die grünen gar nicht so verbiegen können, vielleicht sind die grünen eine crew, eine band, die dann eh nicht mehr cool wäre, wenn sie im übertragenen sinn die kleine schwester hört und vielleicht will man das eben nur nicht wahrhaben, vielleicht wollen sie mehr ein statement sein als eine partei; und vielleicht wollen manche auch gar nicht entdeckt werden;