“Bitte um Entschuldigung”
Vor drei Jahren starb Cheibani Wague. Wie Österreich über den Toten sprach. Eine Erinnerung in Zitaten.
“Am Heumarkt sind wir eislaufen gegangen. Es war immer total witzig
zuzuschauen, wie der Cheibani eislaufen lernt. Er ist immer
waschelnass am Boden gelegen, aber er war tapfer. Es ist nicht mehr
wirklich dazu gekommen, dass er schnell Runden fahren lernt. Ich hab
ihn dann immer an der Hand gehalten. Wir sind zu zweit gefahren, und
am Schluss hat er schon selber fahren können.”
Nathalie K., Witwe
“Alle, die jetzt auf die Exekutive losgehen, sollten einmal
durch Hernals gehen. In die Straßenbahn stadteinwärts steigen fünf
Schwarzafrikaner, dabei kommen neun aus der Straßenbahn, die
stadtauswärts kommt.”
Leserbrief, Kronen Zeitung
“Der Patient hat bei meinem Eintreffen getanzt und gesungen.
Weiters hat er begonnen, sich dabei auszuziehen.”
Alois K., angeklagter Notarzt
“Mann, 34 Jahre, Schwarzafrikaner. Der hat sich stark zur Wehr
gesetzt, hat müssen geschlossen werden und ist dabei … ah … ja
… ex.”
Funkspruch der Wiener Rettung
“Den Tobenden haben wir verpackt!”
Streifenwagen Cäsar 11
laut Polizeifunk
“Es gibt keine Besserstellung von Menschen, die nicht nur das
Gastrecht missbrauchen, sondern darüber hinaus auch noch Gefahr für
Leib und Leben darstellen, nur weil sie andersfarbig sind.”
Leserbrief, Kronen Zeitung
“Es brüllte einer der ihn festhaltenden Polizisten: ,Du Sau du,
gibst du noch immer keine Ruhe, hey!’ Er schlug ihm mit der geballten
Faust mindestens zwei Mal auf den Hinterkopf, und ein weiterer
Polizist schlug circa fünf Mal in den oberen Rückenbereich.”
Erfried Malle, Zeuge
“Mir wurde ein Videoband gezeigt, welches den Einsatz
auszugsweise wiedergibt. Jetzt steht fest, dass die Fixierung nicht
oder nicht nur in der von mir dargestellten Form stattgefunden hat.
Es ist zu sehen, wie Sanitäter auf dem Körper des Mannes gestanden
sind.”
Rüdiger B., angeklagter Beamter, bei seinem Verhör
“Nichts zu sehen.”
Claus Pándi, Kronen Zeitung
“Man sieht das Nichtstun.”
Elfriede Jelinek, Schriftstellerin
“In Österreich wird ja nicht so brutal gefesselt wie im Ausland.
Jeden Tag werden Tobende am Bauch fixiert, und Sie zitieren jetzt
zwei Fälle, wo jemand gestorben ist. Ich schlafe doch auch am Bauch.
Und auf meinen Beinen schläft der Hund mit seinem ganzen Gewicht.
Daran bin ich auch nicht gestorben.”
Reinhard Fous, Chefarzt der Polizei
“Diesen tobenden Menschen haben wir ja auch als ein Tier erfahren,
aber ein liebes Hundi, das hätten wir selbstverständlich anders
behandelt.”
Elfriede Jelinek, Schriftstellerin
“In keiner Szene des Filmstreifens ist ein strafbares Handeln
der Polizisten zu erkennen.”
Peter Stiedl, Polizeipräsident
“Er war ein kleiner Philosoph, das hat mir gefallen, weil das
Männer selten machen: Philosophieren mit einer jungen Frau.”
Nathalie K., Witwe
“Mein Bruder? Das war ein ganz normaler Mensch.”
Tidjane Wague
“Da diese manchen Schwarzafrikanern innewohnende Aggressivität
mittlerweile jedermann bekannt ist und auch bereits in
Gerichtsurteilen als ,angeborene Eigenschaft’ mildernd (!)
Niederschlag fand, kann man doch nicht von der Polizei verlangen,
dass sie sich derartigen Menschen wehrlos ausliefert.”
Leserbrief, Kronen Zeitung
“Wie schaut es mit der Eigenverantwortung der Menschen, egal
welcher Hautfarbe, aus? Herzleiden, psychische Probleme,
Rauschgiftkonsum, wie passt das zusammen?”
Leserbrief, Kronen Zeitung
“Im Krankenhaus hab ich ihn gesehen. Er hat sehr ruhig und
friedlich ausgesehen. Nicht gequält oder verzerrt. Was mir anatomisch
aufgefallen ist: Der Nacken war irrsinnig angeschwollen. Ich habe das
Tuch weggezogen und habe gesehen, dass er Hämatome hat. Das
Metallgitter des Bettes war blutverschmiert.”
Nathalie K., Witwe
“Zusammenfassend steht eben fest, dass er an
Herzkreislaufversagen verstorben ist. (…) Offenbar angeborener
Herzklappenfehler.”
Daniele Risser, Gerichtsmediziner
“Würden die sogenannten Demonstranten auch auf die Straße gehen,
wenn es ein renitenter Wiener wäre?”
Leserbrief, Kronen Zeitung
“Stimmen die Vorwürfe, dass der Mauretanier Drogen konsumierte?
Wenn ja, warum durfte er dann mit Kindern trommeln?”
Heinz Müller, Die Presse
“Es konnten Haschischinhaltsstoffe objektiviert werden. Andere
Substanzen, insbesondere Drogen, konnten nicht gefunden werden.”
Daniele Risser, Gerichtsmediziner
“Eines muss aus meiner Sicht klar sein, der Schutz unserer
Mitarbeiter hat absoluten Vorrang. Polizisten, die sich der Situation
angepasst verhalten haben, haben den Anspruch auf Loyalität ihres
Ministers und der Politik.”
Ernst Strasser, damals Innenminister
“Insbesondere war weder aus dem Verhalten Wagues noch aus
sonstigen Anhaltspunkten zu entnehmen, dass er – abgesehen von der
Verhinderung des Festhaltens – irgendeinen Angriff auf einen Beamten
vorgehabt oder eine Gefahr für diese dargestellt hätte (…). Die
Fixierung war daher unverhältnismäßig und lebensgefährlich, ohne dass
hiefür eine zwingende Notwendigkeit bestanden hätte.”
Wolfgang Helm, Richter des Unabhängigen Verwaltungssenates in
einer Entscheidung über die Amtshandlung
“Glacéhandschuhe für Polizisten notwendig?”
Leserbrief, Kronen Zeitung
“Das Schicksal von Cheibani W. ist kein Beweis für
institutionellen Rassismus (…), wie manche Menschenrechtsaktivisten
behaupten.”
Christoph Kotanko, Kurier
“Bis heute ist kein staatlicher Vertreter an die Witwe Wagues
herangetreten, um nur ein einziges mal zu sagen: Es tut uns leid.”
Nadja Lorenz,
Anwältin von Wagues Witwe
“Aber ich wollte Ihnen das sagen: Bitte um Entschuldigung.”
Elfriede Jelinek, Schriftstellerin
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Mich wundern diese Leserbriefe nicht. Die Gesellschaft glaubt doch alles was es sieht, hört und liest. Hat den unglaublichen Vorteil, das man großflächig all diese Idioten manipulieren kann. Selber denken können sie nicht. Ist ihnen abgenommen worden. Somit assoziiert man automatisch mit Schwarz auch: Dealer – Renitent! Ich glaube nicht, das jemand eingreifen würde, der gerade Zeuge einer absolut inkorrekten Polizeiamtshandlung wird.
Ich frage mich wirklich WER die Bananenrepublik ist? Und die Eingeborenen dazu! Oh Mann! Und das mitten in Europa!
Stimmt! Die Leute glauben jeden Mist, der ihnen präsentiert wird. So auch im Falle des Toten im Stadtpark liebe Susanne.
So erlaube mir die Frage an Dich – die Du Dich immun gegen Medienkampagnien wähnst, welche Erfahrungswerte hast DU aufzuweisen?
Auch Dein vorurteilsfreier Kommentar, wonach ein Österreichischer Polizist wohl verhaltensauffällig wäre, würde er sich gesetzmäßig verhalten, zeugt von eher kindlich naivem Gemüt, das sich eine Meinung auf Grundlage ungeprüfter Fakten bildet. Wieviel praktische Erfahrung hast Du in jenen Dingen, die Du anprangerst. Und vor allem (wo Du über Ungesetzlichkeiten klagst) – was genau an dem im Stadtpark geschehenen war ungesetzlich? Damit meine ich nicht, was die Richter in einem langwierigen Prozess “erkannten”, sondern welches Recht jene Polizisten so offenkundig gebrochen haben, als sie ihre Amtshandlung führten.
Falls meine Emailadresse nicht automatisch aufscheint: profan@inode.at