Die Kettenhunde
Westliche Internetfirmen versprechen ungehinderte Kommunikation. Doch in China üben sie Zensur und verraten Kunden an die Polizei. Manche Dissidenten bezahlen das mit jahrelanger Haft. Nach weltweiten Protesten kündigt nun zumindest Google den Rückzug an.

Es waren selbstkritische und unerwartete Worte, die Google Mitgründer Sergey Brin, 31, Anfang Juni in die Mikrofone der Reporter sprach. „Vielleicht“, so meinte der junge Milliardär etwas reumütig, „ist der prinzipientreue Ansatz doch besser.“ Ja, diese Prinzipien, die schien Google – Firmenmotto „Don´t be evil!“ – tatsächlich verraten zu haben. Anfang des Jahres hatte sich die Company unter lautem Protest der kritischen Weltöffentlichkeit den chinesischen Apparatschicks unterworfen, um im chinesischen Markt Fuß zu fassen und eine verstümmelte chinesische Suchmaschine eingerichtet. Wer darin Falung Gong oder auch nur das Wort „Menschenrechte“ und „Demokratie“ googelte, bekam eine Leermeldung. Wer Bilder vom Massaker am Platz des Himmlischen Friedens suchte, sah statt rollender Panzer kitschige Postkarten mit lachenden Chinesen.
Spott und Hohn erntete Google dafür, obwohl das Unternehmen im Gegensatz zu anderen Suchmaschinen wenigstens darauf hinwies, dass die Seiten zensiert sind. Doch gedemütigt fühlte sich vor allem auch die chinesische Internetgemeinde, die mit ihren kritischen Blogs und Netz-Reportagen längst das Regime und seine Parteipresse herauszufordern versucht und eine mediale „Kulturrevolution“ eingeläutet hat. In einem chinesischen Forum von Google-Kritikern wurde sogar eifrig nach chinesischen Schriftzeichen für Google gesucht: Gou Gou, „Hündchen“, schlugen manche vor. Oder Zou Gou – Kettenhund. Aber auch ein zorniges Gou le – „Es reicht uns!“ schleuderten sie den kalifornischen Unternehmern entgegen, die sich so kreativ und jung inszenieren. „Zutiefst prinzipienlos“ agiere Google, kritisierte auch der kritische Autor Yu Jie vom chinesischen Pen Klub. Das Unternehmen wolle sich doch nur den Kadern „anbiedern“ und verrate sein Kerngeschäft – den Handel mit Information, die von niemandes Interesse vorher gefiltert oder gewichtet werde.
Soviel Spott vor allem auch chinesischer Intellektueller wird den kalifornischen Musterunternehmen nun anscheinend doch zuviel.
"Wir dachten, dass wir vielleicht Kompromisse mit unseren Prinzipien eingehen – und dabei für Chinesen mehr Informationen zur Verfügung stellen könnten“, gab sich Sergey Brin zerknirscht. Doch diese Rechnung geht offenbar nicht auf. Google, das am chinesischen Millardenmarkt Fuß fassen wollte, schien auch im Westen seinen Ruf als unbestechliche und unabhängige Suchmaschine zu beschädigen. Und vielleicht ahnten die smarten Google-Jungs, dass ihr Unternehmen bald einen weiteren Fall Shi Tao produzieren und dann wie der Konkurrent Yahoo am Pranger des medialen Dorfes stehen könnte.
Shi Tao - der war einmal ein angesehener Journalist. Und er kannte die Gefahren, die Dissidenten im scheinbar modernen China drohen. Kurz vor seiner Verhaftung publizierte er noch einen Essay, in dem er die Gratwanderungen chinesischer Querdenker beschrieb. Er witzelte über die viele harmlosen „Schmeißfliegen“, korrupte, kleine Kader, auf die mittlerweile jeder Journalist einschlagen dürfe. Aber er schrieb auch über die mächtigen Tiger, die sich versteckt halten und unerwartet zupacken.
Heute schuftet Shi Tao als Zwangsarbeiter im Hochsicherheitsgefängnis der zentralasiatischen Provinz Hunan. Haftende 2014. Der chinesische Dissident fühlte sich mit seiner Yahoo-Email-Adresse wohl zu sicher, er vertraute auf Datenschutz und Persönlichkeitsrechte und all die Versprechungen westlicher Firmen, die Freiheit und unbegrenzte Kommunikation anboten. Doch dann wurde er Opfer der Willfährigkeit, die westliche Internetfirmen in China zur Schau stellen.
Shi Tao wagte es Chinas Zensurbehörde zu reizen. Per Yahoo-Mail schickte er die wöchentliche Kommandoliste der Zensoren an westliche Medien, um ihr Wirken lächerlich zu machen. Auf ihr waren die Tabuthemen der Woche vermerkt– über die Lage der Bauern oder die Studentenproteste vom Tianamen durfte nicht berichtet werden. Als Absender verwendete Shi Tao das Pseudonym 1989@yahoo.cn. - das Datum des Massakers vom Himmlischen Frieden.
Chinas Behörden eröffneten die Jagd. Und die Hongkonger Filiale von Yahoo, eine der größten Online-Portale, war mit von der Partie. Sie rückte Shi Taos persönlichen Daten heraus. „Wir müssen uns an die lokalen Gesetze halten“, erklärte eine Sprecherin des Online-Portals der erstaunten Weltöffentlichkeit. Und Chinas Kader zögerten auch nicht, diese ungewöhnliche Kooperation zwischen einem Polizeistaat und einer westlichen Internetfirma sofort via Parteipresse öffentlich zu machen – wohl auch um ein Exempel zu statuieren. Der Welt sollte wohl eines klar gemacht werden: in China gibt es auch in Zeiten des Internet keine Meinungsfreiheit und innerhalb der Großen Feuermauer werden willfährige westliche Konzerne als Spitzel gegen Regimegegner eingesetzt. Sie sollen mit ihrem Know How und mit ihren Programmen dafür sorgen, dass das Regime nicht herausgefordert wird.
Yahoo gilt in der aufgebrachten Netzgemeinde nun als besonders geächtetes Schmuddelkind. „Yahoo ist am schlimmsten“, behauptet der Internetexperte Julien Pain Anfang Mai, am Internationalen Tag der Pressefreiheit. Im Gegensatz zu anderen westlichen E-Mail-Diensten habe Yahoo seinen Server in China und nicht in den USA aufgestellt und müsse die Nutzerdaten daher an die chinesische Polizei herausrücken. Shi Tao ist auch längst nicht der einzige Dissident, der an die chinesische Polizei verraten wurden. Im April machte die französische Organisation Reporter ohne Grenzen auf das Schicksal Li Zhis aufmerksam. Auch seine Mails wurden an die chinesische Parteijustiz überreicht – auch er wurde wegen politischem Dissens zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Eine Konzernsprecherin gab sich auch hier ahnungslos und versicherte, dem Unternehmen sei „nicht klar gewesen, aus welchen Gründen sich die Behörden nach Lhi Zhi erkundigten.“
Soviel Ahnungslosigkeit fordert die Netzbürger heraus und sie attackieren Yahoo mit vielen digitalen Nadelstichen dort, wo es am meisten schmerzt: beim Geschäft. Auf Weblogs mit dem Namen „Booyahoo“ wird zum Boykott des Unternehmens aufgerufen. Es gibt Dokumentationen über Yahoos Schandtaten zum download und es können Kündigungsformulare für aufgebrachte Kunden ausgefüllt werden. Es sind keine weltfremden Aktivisten, die sich hier auf Yahoo eingeschossen haben, sondern Netzbürger, die jene moralischen und grundrechtlichen Grenzen aufzeigen, die von westlichen Firmen nicht überschritten werden dürfen. Sie sprechen von einer „Spitze des Eisbergs“, die nun sichtbar werde. In Amerika werden diese Stimmen erhört. Nicht nur Vertreter von Yahoo, auch Repräsentanten von Google, dem Softwarehersteller Cisco und Microsoft wurden im Frühjahr vor den Menschenrechtsaussschuss des US-Kongress zitiert, um sich eine Standpauke des demokratischen US-Abgeordnete Tom Lantos anzuhören. Der beklagte die „Schande“, die diese Firmen über die USA brächten. Sie würden wohl, ätzte der Holocaust Überlebende, „wohl auch Anne Frank an die Nazis verraten“ um Geld zu verdienen.
Eine bedenkliche Entwicklung zeichnet sich da ab. Vor allem amerikanische Medien berichteten in den letzten Wochen ausführlich über Softwarefirmen, die einerseits Spitzeldienste leisten, andererseits das Regime mit Überwachungssoftware ausstatten. Das Internet, so scheint es nun, vernetzt zwar Bürger in allen Teilen der Welt und verspricht unbeschränkten Zugriff auf weltweite Information, doch gleichzeitig wird mit Hilfe westlicher Unternehmen auch die Zensur und die Repression gegen Dissidenten verfeinert und systemkritische Information überhaupt aus Suchmaschinen gefiltert. Google und Yahoo sind nicht die einzigen Unternehmen, die weltweit kritisiert werden. Auch das IT-Unternehmen Skype und der Internet-Riese Microsoft legen immer wieder chinesische Weblogs lahm, weil die Kader es wünschen. Bill Gates Unternehmen MSN zensierte in China Begriffe wie „Demokratie“ und „Menschenrechte“ und kürzlich wurde sogar der Weblog von Zhao Jing, dem Pekinger Mitarbeiter der New York Times vom Netz genommen.
Die willfährigen Firmen hoffen auf ein großes Geschäft. In China wächst der weltgrößte Internetmarkt heran. 110 Millionen Chinesen sind bereits online, 350 Millionen nützen Mobiltelefone. Wer hier nicht rechtzeitig investiert, so versichern die Unternehmen, verliert an Macht und damit die Zukunft. Yahoo hatte erst kürzlich eine Milliarde Dollar ins E-Commerce Portal Alibaba investiert. Die Unternehmen, so fand die Unternehmensberatung Morgan Stanley heraus, rechnen mit einer kaufkräftigen jungen, meist männlichen Zielgruppe, die nach Dates, Spielen, Unterhaltung und Chatgroups suchen.
Entbindet das Unternehmen aber von moralischen Verpflichtungen? Dürfen sie mit Staaten kooperieren, wenn dabei die elementarsten Grundrechte verletzt werden? Nein, sagt etwa Kate Allen, von Amnesty International London. Die Menschenrechtsorganisation hat soeben eine Kampagne für die Opfer der chinesisch-westlichen Überwachungsallianzen gebildet und sie verweist auf die Norms of Business der UNO, die es Firmen verbieten, Menschenrechte zu verletzten. Denn wenn westliche Firmen Software an Polizeistaaten verkaufen, mit denen Menschen unterdrückt und überwacht werden können, dann machten sie sich mitschuldig – und werden dafür irgendwann bezahlen.
Westliche Internetfirmen versprechen ungehinderte Kommunikation. Doch in China üben sie Zensur und verraten Kunden an die Polizei. Manche Dissidenten bezahlen das mit jahrelanger Haft. Nach weltweiten Protesten kündigt nun zumindest Google den Rückzug an.

Es waren selbstkritische und unerwartete Worte, die Google Mitgründer Sergey Brin, 31, Anfang Juni in die Mikrofone der Reporter sprach. „Vielleicht“, so meinte der junge Milliardär etwas reumütig, „ist der prinzipientreue Ansatz doch besser.“ Ja, diese Prinzipien, die schien Google – Firmenmotto „Don´t be evil!“ – tatsächlich verraten zu haben. Anfang des Jahres hatte sich die Company unter lautem Protest der kritischen Weltöffentlichkeit den chinesischen Apparatschicks unterworfen, um im chinesischen Markt Fuß zu fassen und eine verstümmelte chinesische Suchmaschine eingerichtet. Wer darin Falung Gong oder auch nur das Wort „Menschenrechte“ und „Demokratie“ googelte, bekam eine Leermeldung. Wer Bilder vom Massaker am Platz des Himmlischen Friedens suchte, sah statt rollender Panzer kitschige Postkarten mit lachenden Chinesen.
Spott und Hohn erntete Google dafür, obwohl das Unternehmen im Gegensatz zu anderen Suchmaschinen wenigstens darauf hinwies, dass die Seiten zensiert sind. Doch gedemütigt fühlte sich vor allem auch die chinesische Internetgemeinde, die mit ihren kritischen Blogs und Netz-Reportagen längst das Regime und seine Parteipresse herauszufordern versucht und eine mediale „Kulturrevolution“ eingeläutet hat. In einem chinesischen Forum von Google-Kritikern wurde sogar eifrig nach chinesischen Schriftzeichen für Google gesucht: Gou Gou, „Hündchen“, schlugen manche vor. Oder Zou Gou – Kettenhund. Aber auch ein zorniges Gou le – „Es reicht uns!“ schleuderten sie den kalifornischen Unternehmern entgegen, die sich so kreativ und jung inszenieren. „Zutiefst prinzipienlos“ agiere Google, kritisierte auch der kritische Autor Yu Jie vom chinesischen Pen Klub. Das Unternehmen wolle sich doch nur den Kadern „anbiedern“ und verrate sein Kerngeschäft – den Handel mit Information, die von niemandes Interesse vorher gefiltert oder gewichtet werde.
Soviel Spott vor allem auch chinesischer Intellektueller wird den kalifornischen Musterunternehmen nun anscheinend doch zuviel.
"Wir dachten, dass wir vielleicht Kompromisse mit unseren Prinzipien eingehen – und dabei für Chinesen mehr Informationen zur Verfügung stellen könnten“, gab sich Sergey Brin zerknirscht. Doch diese Rechnung geht offenbar nicht auf. Google, das am chinesischen Millardenmarkt Fuß fassen wollte, schien auch im Westen seinen Ruf als unbestechliche und unabhängige Suchmaschine zu beschädigen. Und vielleicht ahnten die smarten Google-Jungs, dass ihr Unternehmen bald einen weiteren Fall Shi Tao produzieren und dann wie der Konkurrent Yahoo am Pranger des medialen Dorfes stehen könnte.
Shi Tao - der war einmal ein angesehener Journalist. Und er kannte die Gefahren, die Dissidenten im scheinbar modernen China drohen. Kurz vor seiner Verhaftung publizierte er noch einen Essay, in dem er die Gratwanderungen chinesischer Querdenker beschrieb. Er witzelte über die viele harmlosen „Schmeißfliegen“, korrupte, kleine Kader, auf die mittlerweile jeder Journalist einschlagen dürfe. Aber er schrieb auch über die mächtigen Tiger, die sich versteckt halten und unerwartet zupacken.
Heute schuftet Shi Tao als Zwangsarbeiter im Hochsicherheitsgefängnis der zentralasiatischen Provinz Hunan. Haftende 2014. Der chinesische Dissident fühlte sich mit seiner Yahoo-Email-Adresse wohl zu sicher, er vertraute auf Datenschutz und Persönlichkeitsrechte und all die Versprechungen westlicher Firmen, die Freiheit und unbegrenzte Kommunikation anboten. Doch dann wurde er Opfer der Willfährigkeit, die westliche Internetfirmen in China zur Schau stellen.
Shi Tao wagte es Chinas Zensurbehörde zu reizen. Per Yahoo-Mail schickte er die wöchentliche Kommandoliste der Zensoren an westliche Medien, um ihr Wirken lächerlich zu machen. Auf ihr waren die Tabuthemen der Woche vermerkt– über die Lage der Bauern oder die Studentenproteste vom Tianamen durfte nicht berichtet werden. Als Absender verwendete Shi Tao das Pseudonym 1989@yahoo.cn. - das Datum des Massakers vom Himmlischen Frieden.
Chinas Behörden eröffneten die Jagd. Und die Hongkonger Filiale von Yahoo, eine der größten Online-Portale, war mit von der Partie. Sie rückte Shi Taos persönlichen Daten heraus. „Wir müssen uns an die lokalen Gesetze halten“, erklärte eine Sprecherin des Online-Portals der erstaunten Weltöffentlichkeit. Und Chinas Kader zögerten auch nicht, diese ungewöhnliche Kooperation zwischen einem Polizeistaat und einer westlichen Internetfirma sofort via Parteipresse öffentlich zu machen – wohl auch um ein Exempel zu statuieren. Der Welt sollte wohl eines klar gemacht werden: in China gibt es auch in Zeiten des Internet keine Meinungsfreiheit und innerhalb der Großen Feuermauer werden willfährige westliche Konzerne als Spitzel gegen Regimegegner eingesetzt. Sie sollen mit ihrem Know How und mit ihren Programmen dafür sorgen, dass das Regime nicht herausgefordert wird.
Yahoo gilt in der aufgebrachten Netzgemeinde nun als besonders geächtetes Schmuddelkind. „Yahoo ist am schlimmsten“, behauptet der Internetexperte Julien Pain Anfang Mai, am Internationalen Tag der Pressefreiheit. Im Gegensatz zu anderen westlichen E-Mail-Diensten habe Yahoo seinen Server in China und nicht in den USA aufgestellt und müsse die Nutzerdaten daher an die chinesische Polizei herausrücken. Shi Tao ist auch längst nicht der einzige Dissident, der an die chinesische Polizei verraten wurden. Im April machte die französische Organisation Reporter ohne Grenzen auf das Schicksal Li Zhis aufmerksam. Auch seine Mails wurden an die chinesische Parteijustiz überreicht – auch er wurde wegen politischem Dissens zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Eine Konzernsprecherin gab sich auch hier ahnungslos und versicherte, dem Unternehmen sei „nicht klar gewesen, aus welchen Gründen sich die Behörden nach Lhi Zhi erkundigten.“
Soviel Ahnungslosigkeit fordert die Netzbürger heraus und sie attackieren Yahoo mit vielen digitalen Nadelstichen dort, wo es am meisten schmerzt: beim Geschäft. Auf Weblogs mit dem Namen „Booyahoo“ wird zum Boykott des Unternehmens aufgerufen. Es gibt Dokumentationen über Yahoos Schandtaten zum download und es können Kündigungsformulare für aufgebrachte Kunden ausgefüllt werden. Es sind keine weltfremden Aktivisten, die sich hier auf Yahoo eingeschossen haben, sondern Netzbürger, die jene moralischen und grundrechtlichen Grenzen aufzeigen, die von westlichen Firmen nicht überschritten werden dürfen. Sie sprechen von einer „Spitze des Eisbergs“, die nun sichtbar werde. In Amerika werden diese Stimmen erhört. Nicht nur Vertreter von Yahoo, auch Repräsentanten von Google, dem Softwarehersteller Cisco und Microsoft wurden im Frühjahr vor den Menschenrechtsaussschuss des US-Kongress zitiert, um sich eine Standpauke des demokratischen US-Abgeordnete Tom Lantos anzuhören. Der beklagte die „Schande“, die diese Firmen über die USA brächten. Sie würden wohl, ätzte der Holocaust Überlebende, „wohl auch Anne Frank an die Nazis verraten“ um Geld zu verdienen.
Eine bedenkliche Entwicklung zeichnet sich da ab. Vor allem amerikanische Medien berichteten in den letzten Wochen ausführlich über Softwarefirmen, die einerseits Spitzeldienste leisten, andererseits das Regime mit Überwachungssoftware ausstatten. Das Internet, so scheint es nun, vernetzt zwar Bürger in allen Teilen der Welt und verspricht unbeschränkten Zugriff auf weltweite Information, doch gleichzeitig wird mit Hilfe westlicher Unternehmen auch die Zensur und die Repression gegen Dissidenten verfeinert und systemkritische Information überhaupt aus Suchmaschinen gefiltert. Google und Yahoo sind nicht die einzigen Unternehmen, die weltweit kritisiert werden. Auch das IT-Unternehmen Skype und der Internet-Riese Microsoft legen immer wieder chinesische Weblogs lahm, weil die Kader es wünschen. Bill Gates Unternehmen MSN zensierte in China Begriffe wie „Demokratie“ und „Menschenrechte“ und kürzlich wurde sogar der Weblog von Zhao Jing, dem Pekinger Mitarbeiter der New York Times vom Netz genommen.
Die willfährigen Firmen hoffen auf ein großes Geschäft. In China wächst der weltgrößte Internetmarkt heran. 110 Millionen Chinesen sind bereits online, 350 Millionen nützen Mobiltelefone. Wer hier nicht rechtzeitig investiert, so versichern die Unternehmen, verliert an Macht und damit die Zukunft. Yahoo hatte erst kürzlich eine Milliarde Dollar ins E-Commerce Portal Alibaba investiert. Die Unternehmen, so fand die Unternehmensberatung Morgan Stanley heraus, rechnen mit einer kaufkräftigen jungen, meist männlichen Zielgruppe, die nach Dates, Spielen, Unterhaltung und Chatgroups suchen.
Entbindet das Unternehmen aber von moralischen Verpflichtungen? Dürfen sie mit Staaten kooperieren, wenn dabei die elementarsten Grundrechte verletzt werden? Nein, sagt etwa Kate Allen, von Amnesty International London. Die Menschenrechtsorganisation hat soeben eine Kampagne für die Opfer der chinesisch-westlichen Überwachungsallianzen gebildet und sie verweist auf die Norms of Business der UNO, die es Firmen verbieten, Menschenrechte zu verletzten. Denn wenn westliche Firmen Software an Polizeistaaten verkaufen, mit denen Menschen unterdrückt und überwacht werden können, dann machten sie sich mitschuldig – und werden dafür irgendwann bezahlen.


Kommentare
http://www.telekom.at/Content.Node/copy/27/copy-coverstory.php
Quelle des textes? • 30.05.07 00:09
abgeschrieben? Quellenangabe?
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pete • 30.05.07 00:11