Ein Rumäne starb am Samstag bei einem „Feuergefecht“. An der Geschichte ist einiges faul, wie die Obduktion der Leiche zeigt.
Vergangenen Samstag wurde ein etwa 24jähriger Rumäne von der Polizei auf der Außenringschnellstraße in Schwechat erschossen. Der offizielle Grund dafür lässt sich auf der Homepage der Sicherheitsdirektion Niederösterreich nachlesen. Eine „rumänische Tätergruppe“ habe „unter der Vorspiegelung Polizeibeamte zu sein, ein Fahrzeug in welchem sich Kriminalbeamte befanden“ zu kontrollieren versucht. „Dabei“, so die Polizei, „zog einer der Täter eine Waffe und gab einen Schuss ab. Bei dem darauf folgenden Schusswechsel wurden alle drei Täter angeschossen.“ Zwei Männer überlebten verletzt, der dritte verblutete.
Diese Polizeimeldung wurde von den Medien aufgegriffen. Tenor: „Schießerei mit falschen Polizisten.“ Auf Onlineforen lobten Leser das harte Durchgreifen der Polizei gegenüber den Rumänen: „BRAVO! Gratulation der Österreichischen Exekutive“, schrieb ein User auf diepresse.com. Die Zeitung Österreich fertigte Info-Grafiken an, die das Geschehen wie in einem Comic illustrierten. Ein echter Polizist saß da im Auto und wurde vom falschen Cop mit einer Waffe bedroht. In Notwehr feuerte er seinen Schuss ab. So hatte es die Polizei doch erklärt.
Die wilde Story hat einen Haken: sie ist mit ziemlicher Sicherheit falsch. Der „Schusswechsel“ zwischen falschen und echten Polizisten hat nicht stattgefunden. Geschossen hat nur die richtige Polizei, die sich in einem mit russischen Kennzeichen getarnten Wagen auf die Lauer gelegt hatte, um die falschen Cops zu fangen – drei Streifenwagen standen zur Unterstützung im Hintergrund. Die „falschen Polizisten“, die in die Falle gingen, waren unbewaffnet. Zumindest bestätigt das am Montag Franz Polzer, Chef des Landeskriminalamtes. Es kann daher auch nicht zu einem „Feuergefecht“ gekommen sein, wie die Polizei anfangs behauptete.
Dennoch eskalierte die Situation. Wie die Ermittler herausfanden, feuerten zwei Beamte mehrmals auf die Seitenscheiben des schwarzen Alfa Romeo, mit dem die drei unbewaffneten Rumänen flüchten wollten. Das ist ungewöhnlich, weil das Erschießen von Tätern eigentlich nur das letzte Mittel sein sollte. Eigentlich müssten die Beamten auf die Reifen zielen, wenn überhaupt.
Die Polizei bietet nun eine neue Erklärung an. Die Rumänen seien mit dem Auto auf einen Polizisten „zugerast“. Der habe sich bedrängt gefühlt und habe in Notwehr geschossen. Doch der tödliche Schuss traf den Wagen an der rechten Türe. Er durchbohrte die Schulter des Beifahrers, ehe er den Bauch des Lenkers zerfetzte. Das ergab die Obduktion. Auch ein zweiter Beamter feuerte auf den Wagen. „Wieso wurde überhaupt geschossen und nicht die Verfolgung mittels Polizeihubschrauber oder Sondereinheit aufgenommen?“, fragt ein Polizist.
Fraglich ist auch, ob die „falschen Polizisten“ wirklich Räuber waren, oder doch nur Trickbetrüger, die aufgrund ihrer Körpergröße (etwa zwei Meter) sehr gefährlich aussahen. Es gibt nämlich kein Opfer der falschen Polizisten, das einen Einsatz von Waffen beklagte. Ein slowakisches Opfer schilderte Anfang April sogar, die Rumänen in die Flucht geschlagen zu haben, nachdem er ihnen zurief: „Ihr seid ja gar keine Polizisten!“.
Der Waffengebrauch wird nun vom BIA, dem Büro für Interne Angelegenheiten untersucht. Die zwei Rumänen sitzen in U-Haft. Sie sind verletzt und verweigern jede Aussage. Sagt die Polizei.
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